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Gemeindearbeit: Ehrenamt im Zeichen des Glaubens

Spielen, Basteln, Malen - die Zeiten sind vorbei? Nicht für Rachel Seigneur. Die 23-jährige US-Amerikanerin leitet in ihrer Gemeinde eine Kindergruppe. Und das ehrenamtlich! So vermittelt sie den Kindern den christlichen Glauben.

von: Lisa Tüch

Rachel aus den USA © Privat
Rachel aus den USA . © Privat

Rachel Seigneur ist auf den ersten Blick eine von vielen in der Menge der mehr als 35.000 Studierenden in Mainz. Sie studiert Publizistik und Ethnologie und geht genau wie ihre Kommilitonen jeden Tag zur Uni, besucht Seminare, hält Referate. Doch am Ende der Woche ist Rachel nicht mehr eine Studierende unter vielen, sondern eine Ehrenamtliche unter wenigen: Wenn für die meisten freitags das Wochenende beginnt, hat sie noch lange nicht frei. Sie leitet zusammen mit ihrem Ehemann Stefan die Kindergruppe „Fun Kids“ der Freien Evangelischen Gemeinde Mainz.

Ehrenamt als religiöser Gedanke

„Ich liebe es, mich sozial zu engagieren. Jeder Mensch sollte anderen Menschen helfen. Das ist Teil meines Glaubens!“ sagt Rachel. Deswegen nimmt sie sich jeden Freitag von 17 Uhr bis 18.30 Uhr für die Kleinsten der Kleinen Zeit. Sie spielt, bastelt und singt mit ihnen, denn „Kinder müssen wissen, dass sie geliebt werden. Es ist wichtig, dass sie einen Ort haben, an dem sie von anderen Erwachsenen als ihren Eltern wertgeschätzt werden“, so Rachel. Also überlegt sie sich zusammen mit ihrem Ehemann Stefan jede Woche ein buntes Programm. Das erfordert viel Vorbereitung, Organisationstalent und Verantwortung. Mal suchen sie mit den Fünf- bis Achtjährigen einen Schatz, mal backen sie Pizza; je nach Wetterlage spielen sie mit den Kleinen draußen Fußball oder basteln im Gemeindehaus: Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Rachel mit den Kindern © Privat
Rachel mit den Kindern . © Privat

Damit die 15 bis 20 Kinder und ihre Eltern schon frühzeitig wissen, was für die kommenden Wochen geplant ist, verteilen Rachel und Stefan Flyer mit dem Programm und den Themen: „Wir sprechen zum Beispiel über das Thema Nächstenliebe“, denn Fun Kids ist ein christliches Programm. Daher steht ein Programmpunkt jede Woche auf der Agenda: Das Vorlesen oder Erzählen einer Geschichte aus der Bibel. Die Geschichten sollen den Kindern im Alltag helfen und sie mit dem Glauben an Jesus vertraut machen.

Rundum glücklich durch ehrenamtliche Arbeit

Neben dem Kennenlernen des Glaubens sollen die Kinder aber vor allem die Möglichkeit haben, zusammen mit ihren Freunden Spaß zu haben. Schließlich heißt das Programm „Fun Kids“. Dieses Ziel scheint zu gelingen: „Die Kinder bringen häufig Freunde oder Geschwister mit. Es kommen sogar auch einige muslimische Kinder“, berichtet Rachel. Aber nicht nur die Kinder sind mit Begeisterung bei der Sache, auch Rachel tut die ehrenamtliche Arbeit gut: „Sie gibt meinem Leben einen Sinn!“

Dabei war es der Zufall, der Rachel zu den „Fun Kids“ geführt hat. 2010 zieht sie wegen ihres Studiums nach Mainz und schließt sich der Freien Evangelischen Gemeinde an. Als der Jugendpastor sie fragt, ob sie nicht bei den „Fun Kids“ mithelfen wolle, stimmt sie spontan zu: „Ich war sowieso auf der Suche nach einem Ehrenamt und ich mag Kinder sehr, also haben Stefan und ich die Chance ergriffen“. Nach einem Jahr haben die beiden dann sogar die Leitung der Gruppe übernommen.

Rachel und ihr Ehemann Stefan © Privat
Rachel und ihr Ehemann Stefan . © Privat

Falls du in Mainz lebst und dich für die Gemeindearbeit mit Kindern interessierst, kannst du bei den „Fun Kids“ vorbeischauen und dich in einem Gespräch vorstellen. Beachte aber, dass „Fun Kids“ ein christliches Projekt ist; das heißt, um in der Gemeinde arbeiten zu können, solltest du eine Beziehung zu Jesus Christus und einen Bezug zur Freien Evangelischen Gemeinde haben.

Dein Weg zum Ehrenamt

Du kannst dich aber auch in anderen Städten ehrenamtlich engagieren. Überall bieten Gemeinden Kindergruppen an, in denen du mithelfen kannst. Schau doch einfach mal auf der Website deiner Gemeinde nach oder sprich den Pfarrer an. Außerdem gibt es in einigen Städten Ehrenamtsbörsen. Diese überlegen mit dir zusammen, welches Ehrenamt dir am ehesten liegt und vermitteln dich dann weiter.

Als Voraussetzung für die Gemeindearbeit mit Kindern solltest du den christlichen Glauben vertreten und Kinder mögen. Ein bisschen Geduld und Einfühlungsvermögen kann im Umgang mit ihnen auch nicht schaden. Solltest du also Erziehungswissenschaften, soziale Arbeit oder auf Lehramt studieren, bist du bestens vorbereitet. Aber keine Sorge: auch wenn du keines dieser Fächer studierst, kannst du trotzdem mit Kindern arbeiten. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch Rachel und Stefan wurden ein Jahr lang angeleitet.

Übrigens: In vielen Bundesländern gibt es die Ehrenamtskarte. Sie ermöglicht dir den vergünstigten Besuch einiger Einrichtungen, wie Kinos oder Museen. In Nordrhein-Westfalen musst du pro Woche mindestens fünf Stunden ehrenamtlich arbeiten, um die Karte bei deiner Kommune beantragen zu können. Allerdings beteiligen sich nicht alle Kommunen an dem Projekt.

Meine Erfahrung

Rachel hat Recht: Die Arbeit mit Kindern macht Spaß! Ich spreche aus Erfahrung. In der zehnten Klasse wurde ich zur ehrenamtlichen Lernberaterin in Englisch ausgebildet. Einer Sprache, die ich liebe, die einigen Fünftklässlern jedoch ein Graus ist. In der Ausbildung habe ich gelernt, wie ich diesen „Englischhassern“ die Sprache spaßig vermitteln kann. Ein Schuljahr lang habe ich dann dieses Wissen angewendet und jede Woche mit Fünftklässlern Englisch gepaukt. Die Belohnung: Strahlende Kinder, die plötzlich Freude an der Sprache hatten und bessere Schulnoten für alle. Denn durch die Lernberatung  konnte auch ich meine Englischkenntnisse verbessern. Also traut euch: Ihr könnt nur gewinnen!