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Engagement im Altenheim: Mit alten Menschen die deutsche Kultur erfahren

Jeden Mittwoch geht Charu Pancholi aus Indien für drei Stunden in die Alloheim Senioren-Residenz in Gießen, um Gutes zu tun. In dem Altenheim kümmert sie sich um alte Menschen, die nur wenig Besuch von Verwandten bekommen und in einem Heim wohnen.

von: Sophie Nagel

Charu aus Indien © Nagel/DAAD
Charu aus Indien . © Nagel/DAAD

Im Keller werden heute Kegel aufgebaut und dann geht‘s los. Bewohner der Altenpflege treten in einem lustigen Kegelwettbewerb gegeneinander an. Ein paar Bewohner aus der Jugendpflege sind auch dabei. Herr Schmitz ist der Schiedsrichter und notiert die Punktzahlen. Die 30-jährige Charu Pancholi und eine Vertreterin des deutsch-türkischen Gesundheitsvereins stellen die Kegel nach jeder Runde wieder auf. Die meisten Bewohner der Altenpflege sitzen im Rollstuhl, eine Frau kann ohne Hilfe nur eine Hand bewegen. Charu Pancholi hat keine Berührungsängste mit ihnen.

Ein Hobby neben dem Sprachkurs

„Als ich vor dem Studium meinen Deutschkurs in Gießen gemacht habe, bin ich jeden Tag an diesem Altenheim vorbei gelaufen“, erzählt sie nach der Kegelrunde. In Indien hätte sich Charu das wegen Zeitmangel nicht leisten können. In ihrer Heimat gibt es das Konzept des Ehrenamts auch längst nicht so verbreitet wie in Deutschland. Dort musste Charu arbeiten, um Geld zu verdienen. Von ihrem Gehalt lebten nämlich auch ihre Eltern. In Indien hat Charu dennoch manchmal kostenlos Nachhilfe gegeben.

Charu und Heimleiterin Rebekka Bücher © Nagel/DAAD
Charu und Heimleiterin Rebekka Bücher . © Nagel/DAAD

Charu Pancholi konnte in Deutschland wegen der Bestimmungen ihres Visums nicht arbeiten gehen, wollte ihre Freizeit aber sinnvoll nutzen. Im März 2012 bewarb sie sich deshalb bei der Heimleiterin als ehrenamtliche Mitarbeiterin. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin bekommt Charu kein Gehalt, sondern hilft freiwillig. Anfangs ging Charu Pancholi zweimal pro Woche in das Heim. Seit Charu den Master Transition Management studiert, hat sie nur noch einmal pro Woche Zeit für ihr Ehrenamt. Die Bewohner kennen sie mittlerweile gut, was sehr wichtig für eine funktionierende Zusammenarbeit ist. Das Wichtigste ist, dass sie Spaß an ihrer Tätigkeit hat und ihre Freude auf die Bewohner überträgt.

Charu ist bei den Bewohnern beliebt

Die Freude am Umgang mit Menschen ist eine wichtige Voraussetzung für so ein Ehrenamt. Spezielle Kenntnisse waren allerdings nicht notwendig. „Grundsätzlich kann sich jeder bei uns bewerben, der sich sozial engagieren möchte und auch gewillt ist, dies über einen längeren Zeitraum zuverlässig auszuführen“, erklärt Rebekka Bücher. „Schön ist es, sich entweder telefonisch oder schriftlich mit einer Bewerbung bei uns zu melden, damit dann ein Termin zum Kennenlernen vereinbart werden kann.“

„Weniger ist mehr“, sagt Heimleiterin Rebekka Bücher. „Wer bei uns mithelfen möchte, sollte lieber gleich sagen, wenn er vielleicht nur einmal pro Monat arbeiten möchte. Viele Bewerber merken erst zu spät, dass die Arbeit hier sehr anstrengend ist und kommen dann nicht mehr regelmäßig.“ Das ist schade, denn Kontinuität ist für alle Beteiligten sinnvoll. „So jemanden wie Charu findet man sehr selten“, sagt Rebekka Bücher. Sie hat eine sehr ruhige Art, lacht viel und unterhält sich gerne mit den Bewohnern. Das ausgeglichene Wesen von Charu tut den Bewohnern des Altenheims gut und macht sie unter Kollegen beliebt.

Ein Heimbewohner mit Hund © Nagel/DAAD
Ein Heimbewohner mit Hund . © Nagel/DAAD

Die Arbeit hilft beim Deutschlernen

Nach dem Kegeln treffen sich alle im Bistro, um Kaffee zu trinken und ins Gespräch zu kommen. Auch ein Hund kommt zu Besuch. Zurzeit gibt es in der Senioren-Residenz drei ehrenamtliche Besucher mit Hund. So haben die Bewohner die Möglichkeit, Kontakt mit Tieren zu haben. Charu Pancholi betreut eine feste Gruppe, es gibt auch ehrenamtliche Besucher, die nur zu einem bestimmten Bewohner gehen. Zusätzlich gibt es eine Kooperation mit einer Gesamtschule, so dass regelmäßig Schüler oder ganze Klassen zu Besuch kommen.

Bei gutem Wetter begleitet Charu Pancholi auch gerne ein oder zwei Bewohner auf den Wochenmarkt, um einzukaufen. „Ich bin gerne hier“, sagt sie. „Außerdem ist mein Ehrenamt auch gut fürs Deutschlernen.“ Denn egal, ob Charu den Einkauf organisiert oder mit den Heimbewohnern Kaffee trinkt: generell kommt sie in Gießen mit Englisch nicht besonders weit. Gut, dass sie den Sprachkurs besucht hat. 

Meine Erfahrung

Ich selbst arbeite ehrenamtlich für den Verein der Freunde der Waldorfpädagogik in Gießen. Hier kümmere ich mich im Arbeitskreis Kommunikation um die Öffentlichkeitsarbeit des Kindergartens, aktualisiere die Homepage, mache Fotos und schreibe Berichte über Veranstaltungen, damit diese in der Tageszeitung erscheinen. So bekomme ich einen guten Einblick in die interne und externe Kommunikation des Kindergartens und kann das Vereinsleben aktiv mitgestalten. Auf der letzten Vereinssitzung wurde ich zudem für zwei Jahre zur Kassenprüferin gewählt.