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Arbeit mit Behinderten: Unterstützung über Grenzen hinweg

Bakiye Barth engagiert sich in zwei Ländern für eine gemeinsame Sache. Sie will eine aktive Kooperation zwischen einer deutschen Schule für Menschen mit einer Behinderung und einer gleichartigen türkischen Schule herstellen.

von: Janine Noack

Bakiye aus der Türkei © Noack/DAAD
Bakiye aus der Türkei . © Noack/DAAD

Bakiye Barth verbringt viel Zeit am Telefon oder auf Veranstaltungen. Vor kurzem hat sie einen Bürgerdialog der Stadt Köln besucht und dort viele engagierte Menschen getroffen. Nun ordnet sie aufgeregt die neuen Kontakte und Informationen. In der Heimatstadt der 26-Jährigen in der Türkei soll in den nächsten Jahren mit deutscher Hilfe eine Schule für Menschen mit einer Behinderung entstehen. Bakiyes Aufgabe ist es, in Köln eine Partnerschule zu finden und Kontakte zu Menschen herzustellen, die das Projekt unterstützen wollen.

Voneinander lernen

Seit September letzten Jahres engagiert sich die BWL-Studentin für die Schule in der Türkei und den Verein, der den Bau der Schule leitet. „Wir haben viele Visionen“, fügt Bakiye aufgeregt hinzu. Gerade steht sie aber noch am Anfang. Im Moment vertieft Bakiye Kontakte zu Schulen in Deutschland, um über Baupläne und die Gestaltung der Räume zu sprechen, damit der Bau bald beginnen kann. „In der Türkei gibt es nicht viele solcher Schulen. Vor allem auf dem Land sind Menschen mit einer Behinderung komplett aus der Gesellschaft ausgeschlossen.“ In Deutschland ist das anders, das hat Bakiye beeindruckt. Später soll auch das pädagogische Konzept mit deutschen Fachleuten ausgearbeitet werden. Außerdem soll es Austauschprojekte geben, bei denen sich die Schüler gegenseitig besuchen und voneinander lernen. Viele ehrenamtliche Helfer sind notwendig, um dieses Projekt zu realisieren.

Bakiye am Computer © Noack/DAAD
Bakiye am Computer . © Noack/DAAD

Mehr als nur ein Hobby

Die Arbeit mit und für Menschen mit einer Behinderung ist für Bakiye auch eine persönliche Aufgabe. Ihre ältere Schwester Bahar hat seit ihrer Geburt eine geistige Behinderung. In der Türkei war das nicht immer leicht. „Meine Eltern haben immer versucht, meine Schwester zu integrieren. Aber es war schwer, eine Schule zu finden oder irgendeinen Ort, an dem sie mit anderen in Kontakt kommt“, sagt Bakiye bedrückt und schüttelt den Kopf. Bakiye studiert seit sechs Semestern BWL an der Fachhochschule Köln. In Deutschland hat sie sich schnell eingelebt, die Arbeit mit anderen Menschen war ihr neben dem Studium immer ein großes Anliegen. Sie findet es wichtig, dass alle Menschen in die Gesellschaft integriert sind. In Deutschland hat sie sich auch schon in einem Jugendzentrum engagiert und verschiedene Schulen für Menschen mit einer Behinderung besucht. „Man muss jeden Menschen akzeptieren und mögen, wie er ist“, sagt Bakiye. Diese Einstellung hat ihr geholfen, keine Berührungsängste zu haben.

Kultur und Sprache kennenlernen

Bakiye ist überzeugt von ihrem Engagement. Sie tritt selbstbewusst auf, wenn sie mit Kooperationspartnern spricht. Und doch ist es nicht immer einfach, auf Deutsch über ihre Ambitionen zu sprechen. „Aber ich lerne sehr viel dazu“, erzählt die Studentin. Neben der Sprache lernt Bakiye, ihre Zeit neben der Hochschule gut einzuteilen und organisiert zu arbeiten. Ihr Engagement ist aber gut mit der Universität zu vereinbaren. An manchen Wochen muss sie mehrere Stunden investieren, aber oft hat sie auch eine Woche frei. Außerdem kommt sie mit deutschen Behörden und politischen Vertretern in Kontakt. „Ohne das Engagement wüsste ich viel weniger über die Deutschen und vor allem ihre Arbeitsweise“, lacht Bakiye.

Bakiye organisiert nicht nur eine Kooperation mit einer deutschen und einer türkischen Schule, sondern hat auch selbst viel Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung. Wenn du Lust hast, dich in diesem Bereich zu engagieren, brauchst du vor allem Spaß und Motivation. Die Berührungsängste verlierst du dann ganz von allein. Auch deutsche Schulen und Heime suchen immer Unterstützung. Über das Internet oder die Stadtverwaltung bekommst du alle notwendigen Informationen.

Meine Erfahrung

Ich engagiere mich schon sehr lang im Bildungsbereich. Ich organisiere und leite Seminare für Schülerinnen und Schüler und unterstütze sie in ihrem Engagement. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Nach den Seminaren sind die Schülerinnen und Schüler motiviert und führen ihre eigenen Projekte durch. Wenn ich politische Seminare mache, freue ich mich sehr, wenn die Jugendlichen sich danach mehr für Politik interessieren und mit anderen darüber diskutieren.