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Der Limes: Auf den Spuren der Römer

Im Umland von Gießen kannst du dich auf die Spuren des Römischen Reichs machen und die ehemalige Grenzbefestigung Limes erkunden. Bei einer Fahrradtour durch Wald und Wiesen lernst du die Region am besten kennen.

von: Sophie Nagel

Der Römerturm am Limes © Nagel/DAAD
Der Römerturm am Limes . © Nagel/DAAD

Bundesland: Hessen
Eignet sich für Studierende in: Gießen, Marburg, Siegen
Ticket: Semesterticket

Über die Region

Der Limes ist mit etwa 550 Kilometer Länge das größte Kulturdenkmal Europas und das zweitlängste Bauwerk nach der chinesischen Mauer. Seit 2005 zählt er zum Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Durch das Bundesland Hessen verlaufen etwa 180 Kilometer. Der Limesweg entstand 2005 als gemeinsames Projekt der beteiligten Gemeinden mit Unterstützung des Landkreises Gießen. Der Weg führt vom rekonstruierten Wachtturm 4/49 beim Obersteinberg zum Kleinkastell Holzheimer Unterwald und folgt dem Limes. Die Strecke verläuft schnurgerade durch Feld und Wiesen. Am meisten siehst du, wenn du von Grüningen mit dem Fahrrad nach Butzbach fährst.

Der Limes

Der Limes stellt die befestigte Grenze des Römischen Reiches dar und wurde um 83 n. Chr. im Anschluss an den Feldzug Kaiser Domitians gegen die Chatten erbaut. Er ist eine Anlage von Erdschanzen, Blockhäusern und Holztürmen. Verstärkt wurde die Anlage unter den Kaisern Hadrian (117-138) und Antonius Pius (138-161). Die Holztürme wurden durch Steintürme ersetzt, der Palisadenzaun errichtet.

So kommst du hin

Deine Fahrradtour startest du am besten in Grüningen. Vom Bahnhof Gießen fährt Bus 377 mehrmals täglich dorthin, von Marburg oder Siegen nimmst du bis Gießen die Regionalbahn. In Grüningen steigst du an der Haltestelle Kirche aus.

Wenn du kein eigenes Fahrrad hast, kannst du dir zum Beispiel im Fahrradladen in Gießen-Wieseck eines ausleihen. Pro Tag zahlst du 17,50 Euro für ein Fahrrad mit Gepäckträger. Wenn du die Tour in einer Gruppe machst, lässt die Besitzerin gerne mit sich über den Preis verhandeln. Vom Bahnhof Gießen fährt die Buslinie 5 nach Wieseck. Nach 20 Minuten steigst du an der Haltestelle Friedhof aus und gehst zum Fahrradladen. Generell darf man Fahrräder kostenlos im Stadtbus transportieren. Manchmal sind die Busse aber einfach zu voll, dann fährst du lieber mit dem geliehenen Fahrrad zum Bahnhof zurück.

Aussicht nach Grüningen © Nagel/DAAD
Aussicht nach Grüningen . © Nagel/DAAD

Herrlicher Blick in die Landschaft

In Grüningen angekommen, gehst du von der Haltestelle die Taunusstraße wenige Meter zurück und folgst links der Beschilderung zur Burg Grüningen. Es wird vermutet, dass die Burg im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut wurde. Die Burg verfiel  im 30-jährigen Krieg und wurde ab 1983 restauriert. Unweit der Burg an der Untergasse (Parallelstraße) liegt der Diebsturm. Er ist der besterhaltene Teil der um 1400 erbauten spätmittelalterlichen Stadtbefestigung. Am Turm sichtbar ist noch das Profil der Stadtmauer bis in acht Meter Höhe. Der Diebsturm diente als Gefängnis. Aus dem oberen Geschoss sind die Kirche und die Grüninger Warte zu sehen, was auf eine militärische Bedeutung des Turms hinweist. Die Burg ist nur donnerstags (April bis Oktober) ab 18 Uhr oder auf Nachfrage geöffnet. Am ersten Sonntag des Monats kannst du zudem das Burg-Café ab 13 Uhr besuchen.

Meine Meinung

Ich persönlich verbinde mit dem Römerturm bei Grüningen einen wichtigen Teil meiner Kindheit. Zum kalendarischen Sommerbeginn gibt es hier jedes Jahr ein großes Sonnenwendfeuer, das ich immer gerne mit meiner Familie besucht habe. An der Grüninger Warte haben wir viele Geburtstage gefeiert und gegrillt.

In etwa 400 Meter Entfernung weiter oben im Feld erreichst du den Wartturm Grüninger Warte. Dieser bietet einen herrlichen Rundumblick in die Landschaft. Die Warte wurde vor 300 Jahren als Windmühle nach holländischem Muster erbaut und war 80 Jahre lang in Betrieb. Vor 50 Jahren wurde die Ruine restauriert und als Aussichtsturm ausgebaut. Der Wartturm ist immer zugänglich.

Der Wachtposten 4/49

Nordwestlich von der Warte am Waldrand findest du den Römerturm am Limes. Mit dem Fahrrad orientierst du dich einfach am Waldrand und folgst dem asphaltierten Feldweg zurück in Richtung Watzenborn-Steinberg. Der sogenannte Wachtposten 4/49 liegt an einem steilen Geländeabfall über den Niederungen des Flachsbaches. Von hier aus ließ sich diese Verbindung zwischen Wetter- und Lahntal gut überblicken. Neben den Fundamenten des römischen Wachtpostens wurde 1967 ein Steinturm mit Wall, Graben und Palisadenzaun nach dem damaligen Kenntnisstand rekonstruiert. Heute ist bekannt, dass der Turm ein weiteres Stockwerk besaß und insgesamt etwas anders aussah. Geh doch mal die steile Holztreppe rauf und schau, was du von dort oben alles sehen kannst!

Der Wanderweg von Grüningen in den Holzheimer Unterwald

Durchs Feld in Richtung Holzheimer Unterwald folgst du nun grob der Beschilderung für den Wanderweg. Die kleinen Schilder haben den rekonstruierten Wachtturm als Zeichen. Immer wieder stößt du auf Informationstafeln, die Hinweise zum Welterbe Limes geben und zeigen, an welchen Stellen sich Wachtposten befanden. Leider lässt sich nur noch erahnen, wie es hier vor rund 1800 Jahren einmal ausgesehen haben muss, doch die Landschaft ist sehr schön und lädt an vielen Stellen zum Picknick ein. Das Römerkastell bei Holzheim liegt von der Burg Grüningen etwa drei Kilometer entfernt. Du kommst an Pferden, Obstbäumen und bunten Blumenwiesen vorbei – die schönen Seiten des Landlebens.

Mehr Fotos

Wenn dir der Weg mit dem Fahrrad etwas zu holprig ist, bleibst du einfach auf den asphaltierten Wegen. Dann kommst du auf die Bundesstraße 488. Zunächst orientierst du dich an Bettenberg. Wenn du Holzheim hinter dir gelassen hast, kommst du noch an Gambach und Griedel vorbei, bis du nach knapp 13 Kilometern Butzbach erreichst. In Butzbach (liegt auf der Zugstrecke von Gießen nach Frankfurt) stehen westlich der Stadt auf dem Schrenzerberg die Nachbildung eines Holzturmes und das Fundament eines Steinturmes. Der Holzturm bei Butzbach zählt zu den ältesten Rekonstruktionsversuchen eines Wachtturmes aus Holz, der am Limes unternommen wurde. Der Berg hinauf zum Turm ist zwar sehr steil (du folgst den Schildern zum Freibad Schrenzerbad), doch oben wirst du mit einer schönen Aussicht am Waldrand belohnt, kannst Kirschen von den umstehenden Bäumen naschen und bei gutem Wetter eine Pause im Schwimmbad einlegen.

Fachwerkhäuser und wunderschöner Marktplatz

Die Stadt Butzbach selbst mit ihren knapp 24.000 Einwohnern ist definitiv einen Besuch wert. Oft wird der Marktplatz mit dem Marktbrunnen, dem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und einigen gut erhaltenen Fachwerkhäusern zu den schönsten Plätzen in Hessen gezählt. Die gotische Markuskirche aus dem 15. Jahrhundert liegt am Kirchplatz unweit des Stadtmuseums in der Färbgasse. Auch kleine Reste der Stadtmauer mit typischen Schwibbogenhäusern sind in Butzbach noch zu finden.

Marktplatz in Butzbach © Nagel/DAAD
Marktplatz in Butzbach . © Nagel/DAAD

Zur Stärkung eignet sich das Ausbildungsrestaurant Deutsches Haus direkt am Bahnhof. Hier kochen und servieren junge Menschen, die Berufe in der Gastronomie erlernen. Ein Dreigänge-Menü kannst du schon für rund sieben Euro genießen. In der Altstadt findest du weitere günstige Möglichkeiten für ein Mittagessen sowie Eis. Zurück nach Gießen fährst du, falls du müde geworden bist, mit dem Zug. Etwa alle 30 Minuten gibt es eine Regionalbahn. 

Wichtige Hinweise

Achte darauf, dass das Fahrradgeschäft Krumme Speiche in Gießen dienstags geschlossen hat.

Wenn du die Burg Grüningen von innen sehen willst, musst du vorher telefonisch um einen Termin bitten, da sie generell nur donnerstags ab 18 Uhr geöffnet ist. Du wirst jedoch mit der Warte, dem Römerturm und in Butzbach noch genügend schöne alte Gebäude sehen können.