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Studieren mit Kind: Eltern bekommen Unterstützung

Zwischen Windeln, Nebenjob und Seminaren: Ein Studium mit Kind ist nicht ganz einfach, aber Hochschule und Studentenwerk unterstützen die Eltern mit vielen Angeboten. So lassen sich Studium und Familie vereinbaren.

von: Sophie Nagel (Text) und Sarah Schultes (Film)

Enno und Anna © Nagel/DAAD
Enno und Anna . © Nagel/DAAD

Anna Grenzebach studiert als alleinerziehende Mutter im fünften Semester den Bachelor „Bildung und Förderung in der Kindheit“. Ihr zweijähriger Sohn Enno wird in der Woche in der Kindertagesstätte (Kita) des Studentenwerks Gießen, den „Kiwis“ (Kinder der Wissenschaft) betreut. Die Kita bevorzugt alleinerziehende Studierende und so hat Anna für ihren Sohn kurzfristig einen Platz bekommen.

Die 29-Jährige ist sehr froh, dass sie ihren Sohn auch bis 18 Uhr in der Einrichtung lassen kann, wenn es wegen einer Pflichtveranstaltung an der Uni nötig ist. Die Öffnungszeiten stellen eine große Entlastung für die Studierende dar. Auch die Zeiten für das Bringen und Abholen sind hier extra auf die studierenden Eltern zugeschnitten. Ab 07.30 Uhr ist geöffnet.

Probleme mit dem Stundenplan

Aber auch nach 18 Uhr finden noch Veranstaltungen an der Hochschule statt. Anna hat Glück, dass ihre Eltern in der Nähe wohnen und gerne auf Enno aufpassen. Ohne Ennos Großeltern wäre vieles nicht machbar, da Anna kein BAföG bekommt und am Wochenende arbeitet. Hinzu kommen Referate, Hausarbeiten und Vor- und Nachbereitung der Seminare und Vorlesungen.

Das Studium läuft nun, angespornt durch ihre Verpflichtungen als Mutter, schneller, sagt Anna. Die Schwangerschaft mit Enno war der entscheidende Auslöser, möglichst schnell den Bachelorabschluss zu erreichen.

Enno in der Kita © Nagel/DAAD
Enno in der Kita . © Nagel/DAAD

Hilfe vom Studentenwerk

Neben einer Ferienbetreuung und einem Tagesmütternetzwerk können studierende Eltern an der Universität Gießen auch einen Babysitterzuschuss beantragen. Ergänzend zur Kita gibt es in den so genannten „Randstunden“ auch die Möglichkeit der Betreuung in den Eltern-Kind-Räumen auf dem Campus. Anna hätte dieses Angebot gerne in Anspruch genommen, um eine wichtige Vorlesung von 18 bis 20 Uhr zu besuchen. Enno kam jedoch mit dieser zusätzlichen Betreuung am Ende eines Kita-Tages und zudem in den Abendstunden, wo andere Kinder bettfertig gemacht werden, nicht gut zurecht.

Rabea Pfeifer (27) profitiert mit ihrer achtjährigen Tochter Lelia von einem Studentenwohnheim für Familien des Studentenwerks in Bonn-Poppelsdorf. Normalerweise ist dieses Viertel etwas teurer, aber durch die öffentliche Förderung sind die Mietpreise akzeptabel und den Studierenden steht zudem ein Gemeinschaftsgarten zur Verfügung.

Rabea lässt sich etwas mehr Zeit mit ihrem Lehramtsstudium. Sie war sogar mit Tochter Lelia für ein Auslandssemester in Spanien. „Laut International Office war ich tatsächlich die Erste, die das in Angriff genommen hat. Bei den Anträgen für das Erasmusgeld konnte mir das International Office natürlich helfen. Aber um Kita und Wohnung musste ich mich selbst kümmern.“

Ein Forschungsinstitut der Universität Gießen unterstützt promovierende Eltern mit einem einzigartigen Programm, das die Vereinbarkeit von Familie und Doktorarbeit fördern will. Die Eltern erhalten nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sie können auch eine Hilfskraft bekommen, die ihnen Hilfstätigkeiten wie das Kopieren von Büchern abnehmen.

Viele Eltern sind der Meinung, dass das Studium bei allem Stress eigentlich der ideale Zeitpunkt für ein Kind ist. Denn die Zeit lässt sich flexibler einteilen, als bei einem festen Job in einem Unternehmen. Bei allem Organisationsdruck steht aber immer die Freude am Nachwuchs im Vordergrund.