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Studieren mit Behinderung: Frühe Beratung ist wichtig

Die meisten Hochschulen haben ein Angebot für internationale Studierende und für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Oft wirst du Fachwörtern begegnen, die du kennen solltest. Je nach Herkunftsland gibt es Unterschiede bei der Finanzierung.

von: Florian Schubert

Wegweiser  © Schubert/DAAD
Wegweiser . © Schubert/DAAD

Wenn du in Deutschland studieren willst, solltest du dich so früh wie möglich beraten lassen. Die meisten Hochschulen haben ein Angebot für internationale Studierende und für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Diese Stellen haben unterschiedliche Bezeichnungen, zum Beispiel „International Office“ oder „Beratungsstelle für behinderte und chronisch kranke Studierende“. Die Beratungsstelle ist für vieles verantwortlich, was mit deiner Behinderung oder Krankheit und deinem Studium zu tun hat. Zudem gibt es das Deutsche Studentenwerk. Auf dessen Website findest du unter den Informationen zum Studieren mit Behinderung Kontaktdaten zu den Behindertenbeauftragten an den meisten deutschen Hochschulen und weitere Informationen. Eine Beratung kann auch über Telefon, E-Mail oder Skype erfolgen, du musst hierfür also nicht vor Ort sein.

An vielen Hochschulorten in Deutschland gibt es ein Studentenwerk, das oft für mehrere Hochschulen zuständig ist. Dies ist unter anderem dein Ansprechpartner, wenn du ein barrierefreies Zimmer benötigst. Geht es um Fragen zu deinem Studium, wendest du dich direkt an die Hochschule, zum Beispiel zu angepassten Studien- und Prüfungsbedingungen („Nachteilsausgleich“).

Broschüre
Broschüre "Studium und Behinderung" . © Schubert/DAAD

Viele Fachwörter

Oft wirst du Fachwörtern begegnen, die du kennen solltest. Zwei davon sind „barrierefrei“ und „Nachteilsausgleich“. Barrierefrei bedeutet zum Beispiel, dass dir Orte oder Verkehrsmittel trotz Behinderung zugänglich sind und dass du auch mit Behinderung an allen Lehrveranstaltungen teilnehmen kannst oder E-Learning-Angebote und Websites für dich zugänglich sind.

Mit einer Behinderung hast du in Prüfungen oft Nachteile. Mit dem „Nachteilsausgleich“ versucht die Hochschule das auszugleichen. Du kannst zum Beispiel am Computer statt mit der Hand schreiben. Die Regeln hierfür sind an jeder Hochschule und Fakultät anders - frag also am besten direkt den Behindertenbeauftragten.

Es geht ums Geld

Je nach Herkunftsland gibt es Unterschiede bei der Finanzierung. Ein Studium in Deutschland kann mit Behinderung schnell teuer werden. Benötigst du zum Beispiel technische Hilfsmittel, Assistenz oder Gebärdendolmetscher, um studieren zu können, musst du das selbst organisieren und in der Regel auch selbst zahlen. Die Hochschule ist dafür nicht zuständig. Wenn du aufgrund einer chronischen Krankheit regelmäßig Medikamente benötigst, musst du vor Abschluss einer Krankenversicherung für die Zeit des Studiums in Deutschland klären, ob diese Medikamente weiter bezahlt werden.

Machst du einen Austausch im Rahmen eines Programmes, wie zum Beispiel Erasmus, ist vieles einfacher. Wenn du zum Beispiel Gebärdensprachdolmetscher benötigst, muss deine jetzige Hochschule einen Antrag für die Finanzierung dieser Leistungen stellen. Wende dich dafür vor dem Auslandsaufenthalt an die zuständige Person deiner jetzigen Hochschule. Auch hier gilt, lass dich auf jeden Fall beraten!

Weg für Rollstuhlfahrer © Schubert/DAAD
Weg für Rollstuhlfahrer . © Schubert/DAAD

Wenn es ums Geld geht, betrifft das oft bereits das Visum. Wenn du eine Behinderung oder chronische Krankheit hast, kann es sein, dass auch hier andere Bestimmungen für dich gelten.

Atteste

Atteste sind wie Beweise von einem Arzt. Sie sind sehr wichtig, um deine Behinderung nachzuweisen und wie sie sich auswirkt. Diese Atteste musst du von einem amtlich vereidigten Dolmetscher ins Deutsche übersetzen lassen. Dein Arzt sollte für seinen Bericht die ICD und ICF Klassifikationen der WHO benutzen. Auf der Website der WHO findest du Informationen zu den WHO-Klassifikationen.

Checkliste

Wichtig ist es, so früh wie möglich mit der Planung zu beginnen. Mindestens zwei Jahre Zeit solltest du noch haben, bis du ins Ausland gehen möchtest. Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Punkte und Ansprechpartner.

Visum und Aufenthaltsstatus

Leben und Finanzen

  • Leistungen, die du aufgrund der Behinderung in Anspruch nehmen musst (Hilfsmittel, Assistenten oder Pfleger)
  • Kosten (Studentenwerk und Behindertenbeauftragte der Hochschule)
  • Welche Leistungen werden von der Krankenversicherung in Deutschland übernommen? (Studentenwerk)
  • Gibt es an der Hochschule ein Wohnheim, das geeignet ist? (Studentenwerk)
  • Ist die Hochschule barrierefrei? (Behindertenbeauftragter)

Atteste

  • Ist die Behinderung in Deutschland anerkannt? (Behindertenbeauftragter)
  • Atteste in der Landessprache
  • Deutsche Übersetzung der Atteste von einem amtlich vereidigten Dolmetscher