Chemnitz: Stadt mit Köpfchen und Charme

„Chemnitz – Stadt der Moderne“ steht auf den Schildern der sächsischen Großstadt geschrieben. Das Motto lässt sich leicht erklären: Vor allem in den letzten Jahren hat sich das Bild der ehemaligen Industriestadt deutlich gewandelt. Chemnitz – das Tor zum Erzgebirge mit knapp 250.000 Einwohnern – hat sich in vielfältige Richtungen entwickelt. Das wirst du bei deinem Aufenthalt Schritt für Schritt entdecken.

von Jo Graff



Chemnitz auf einem Blick

 

Chemnitz Innenstadt, Foto: Graff/DAAD
Chemnitz Innenstadt, Foto: Graff/DAAD
Namhafte Architekten haben in Chemnitz gebaut. Doch neben ihrer modernen Baukunst und klassischen Plattenbauten aus DDR-Zeit bietet die Stadt wundervolle Albauten. So ist beispielsweise der Stadtteil Kaßberg – einer von 39 – durch Jugendstil geprägt. In den unterirdischen Gängen unmittelbar am Fluss Chemnitz kannst du Geschichte hautnah erleben. Einen Kurztrip sind die Gemeinden und Sehenswürdigkeiten im Umland wert: Ob Wasserschloss Klaffenbach, Augustusburg oder Greifensteine.
Bei vielen Deutschen ist Chemnitz unter seinem zwischenzeitlichen Namen „Karl-Marx-Stadt“ bekannt. Karl Marx war ein deutscher Philosoph, dessen Theorien zum Sozialismus noch heute kontrovers diskutiert werden. 1953 beschloss die DDR-Regierung, Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umzubenennen. Nach Fall der Mauer sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung jedoch für den ursprünglichen Namen aus. Das sieben Meter hohe Monument aus Bronze, das Marx ehren sollte, ist noch immer ein markantes Zeichen der Stadt und angeblich das größte Portrait der Welt – nach der Sphinx.
Chemnitz wurde durch weitere berühmte Personen beeinflusst. Beispielsweise stammen der erfolgreiche deutsche Expressionist Karl Schmidt-Rottluff und die Eiskunstläuferin Katharina Witt aus der Stadt. Heute setzt Chemnitz ganz auf Wissenschaft und Kunst: Das Museum Gunzenhauser beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen des Grafiker und Malers Otto Dix. Die Kunstsammlungen Chemnitz, das Schauspiel- und Opernhaus sowie das Naturkunde- oder Spielemuseum laden regelmäßig zu Veranstaltungen ein. Der versteinerte Wald und das Kulturkaufhaus Tietz in der Innenstadt stellen eine weitere Besonderheit der Stadt dar. Trotz allem ist der Lebensunterhalt in Chemnitz niedrig. Die Stadt zählt zu den preiswertesten in der Republik. Du solltest also kein Problem bei der Suche nach einer Wohnung haben. Einen Wohnheimplatz bekommst du ab 150 Euro. Mehr als 250 Euro wirst du dort auf keinen Fall ausgeben. Dein WG-Zimmer sollte sich ebenfalls in diesem Rahmen bewegen. Wenn du alleine wohnen möchtest, solltest du zwischen 180 und maximal 300 Euro Miete inklusive Nebenkosten einplanen. Die Miete variiert nach Stadtteil. Obwohl die Kaltmiete in der Regel unter fünf Euro bleibt, sind Wohnungen auf dem Kaßberg beispielsweise teurer als auf dem Sonnenberg oder im Yorckgebiet.



Hochschulen im Überblick

 

Technische Universität (TU)

TU Chemnitz, Foto: Graff/DAAD
TU Chemnitz, Foto: Graff/DAAD
Im Jahr 2011 feiert die TU Chemnitz ihr 175-jähriges Bestehen. Mittlerweile studieren hier etwa 10.400 junge Leute an acht Fakultäten. Davon sind etwa 750 jedes Jahr aus dem Ausland. Der Schwerpunkt des Studiums liegt im Bereich Technik und Forschung. An der TU Chemnitz wurde dank des DAAD der erste integrale und internationale Studiengang Mathematik eingerichtet. Neben klassischen Fächern wie Informatik und Maschinenbau können aber auch andere Bereiche gewählt werden. So bietet die TU Chemnitz beispielsweise Studiengänge wie Medienkommunikation, Europa-Studien und Pädagogik an. Direkt auf dem Campus gibt es zehn Wohnheime. Sie sind preiswert und du kannst quasi aus dem Bett in den Seminarraum fallen.



Freizeit in Chemnitz

 

Schlossteich, Foto: Graff/DAAD
Schlossteich, Foto: Graff/DAAD
In Chemnitz ist das Nachtleben relativ überschaubar. Die meisten Clubs findest du in Nähe der Innenstadt. Es werden alle Musikrichtungen bedient. Im Südbahnhof beispielsweise wird eher Independent und Rock gespielt (www.suedbahnhof-chemnitz.de), wohingegen das AJZ und das Atomino mit ungewöhnlicheren Klängen wie Reggaeton und Sixties locken. Im Starlight und im Fuchsbau kannst du auf verschiedenen Floors unter anderem zu Urban Beats tanzen. Das La Salsa wird dir gefallen, wenn du lateinamerikanische Musik magst. Es gibt aber auch Ausnahmen: Clubs wie das „n:dorphin“ in Borna-Heinersdorf, das „Rio“ in Chemnitz-Schönau oder die „Sanitätsstelle“ in Alt-Chemnitz kannst du zum Teil nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, ein Besuch lohnt sich jedoch. Im Schnitt musst du zwischen drei und fünf Euro Eintritt bezahlen. Selten geht der Eintritt darüber hinaus. Mit deinem Studentenausweis kommst du in manche Clubs günstiger rein, zum Beispiel in das studentische PEB an der Universität oder am Mittwoch im Brauclub. Pflicht für alle Studenten ist natürlich die traditionelle Semesterauftaktsparty in der Mensa.
Auf dem Kaßberg gibt es eine reiche Kunst- und Kulturszene, vor allem eher versteckte Kneipen, in denen immer wieder Livebands auftreten oder Fotoausstellungen gezeigt werden. In der kleinen Kneipe "aaltra" gibt es beispielsweise immer ein abwechslungsreiches Programm. Entspannen kannst du dich im Küchwald und im Stadtpark. Auch der Schlossteich ist ein beliebter Treffpunkt. Hier kannst du viele junge Leute treffen. Den besten Blick auf den Schlossberg hast du übrigens vom Teich aus – das Ruderboot dafür kannst du ausleihen.
Strandbar, Foto: Graff/DAAD
Strandbar, Foto: Graff/DAAD
Im Sommer gibt es verschiedene Bäder wie das Gablenzer oder den Stausee Rabenstein und Strandbars in der Innenstadt, die zum Relaxen einladen. Aber Chemnitz macht auch durch verschiedene kulturelle Veranstaltungen von sich Reden. So ziehen die "Tage der jüdischen Kultur" und die Interkulturellen Wochen viele Besucher an. Auch die Museumsnacht und das kürzlich ins Leben gerufene Fest der Industriekultur kommen an. In der Stadt gibt es verschiedene Kinos. Neben dem klassischen Cinestar, das vor allem Hollywood-Blockbuster zeigt, bieten dir das Metropol, das Clubkino Siegmar und das Kulturzentrum Weltecho spannende Alternativen. Zu günstigen Preisen zeigen sie Filme und Artproduktionen.
Wenn du an der TU Chemnitz eingeschrieben bist, bekommst du ein Sachsenticket, mit dem du nicht nur in Chemnitz, sondern im ganzen Freistaat Sachsen kostenlos öffentliche Verkehrsmittel nutzen kannst. Super, wenn du die Umgebung erkunden möchtest.



Interview mit Iulia und Oli aus Rumänien

 

Iulia (26) und Oli (23) aus Rumänien studieren seit einiger Zeit in Chemnitz. Iulia verbrachte 2006 ein Erasmus-Jahr in der sächsischen Großstadt, um anschließend 2009 für ihren Master in Interkultureller Kommunikation wiederzukommen. In diesem Jahr lernte sie Oli kennen, der 2007 sein Bachelorstudium in Maschinenbau an der TU Chemnitz begann.

Iulia und Oli, Foto: Graff/DAAD
Iulia und Oli, Foto: Graff/DAAD
Warum habt ihr euch Chemnitz als Studienort ausgesucht?
Iulia:
Ich wollte unbedingt nach Deutschland und dann hat es sich beim ersten Mal relativ einfach ergeben hierher zu kommen, weil Chemnitz der Partner meiner Heimatuniversität war. Ich bin sogar mit zwei Kommilitonen gekommen. Mir hat es gefallen und ich wollte gern den Master Interkulturelle Kommunikation hier machen, da bin ich wieder nach Chemnitz. Das Campusleben ist ganz toll. In größeren Städten ist das oft schwierig, haben mir viele erzählt. Hier ist das überhaupt kein Problem. Mittlerweile ist Chemnitz mein Zuhause geworden. Ich würde gern hier bleiben, vielleicht promovieren oder arbeiten.

Oli: Ich habe von Freunden gehört, dass es hier keine Studiengebühren gibt. Die Universität ist sehr gut, vor allem im Bereich Technik. Die Lehre ist praxisnah, die Professoren sind erfahren. Nach einer bestandenen Prüfung habe ich das Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben.

Wie war die Wohnungssuche?
Iulia:
Ich wohne direkt im Wohnheim am Campus. Das war ganz leicht. Ich habe einfach eine Mail an das Studentenwerk geschrieben und als ich hier ankam, habe ich den Schlüssel bekommen.

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  • Grüne Innenstadt, Bild: Graff/DAAD
  • Gemütliche Cafés, Foto: Graff/DAAD
  • Die Chemnitzer Innenstadt, Foto: Graff/DAAD
  • Stadtpark in Chemnitz, Foto: Graff/DAAD
  • Karl-Marx-Büste, Foto: Graff/DAAD
  • Theaterplatz, Foto: Graff/DAAD

Eindrücke von Chemnitz

  • Grüne Innenstadt, Bild: Graff/DAAD
  • Gemütliche Cafés, Foto: Graff/DAAD
  • Die Chemnitzer Innenstadt, Foto: Graff/DAAD
  • Stadtpark in Chemnitz, Foto: Graff/DAAD

Was ist dein Lieblingsort in Chemnitz?
Iulia:
Der Schlossteich. Ich kann dort Boot fahren, spazieren gehen oder entspannen – auch im Winter. Im Zentrum gefällt es mir auch, aber der Schlossteich ist mein Rückzugsort.

Oli: Klar, der Campus. Dort findet man einfach alles. Er gefällt mir nicht nur weil ich dort wohne, sondern weil er mir Lernen und Abwechslung ermöglicht. Dort gibt es die Bibliothek, Hörsäle und Einkaufsmöglichkeiten, aber auch viele Freizeitangebote. Dort sind Clubs und Vereine. Heute Abend ist zum Beispiel wieder ein Themenabend. Das Studentenleben in Chemnitz ist toll.

Was rätst du Studenten, die nach Chemnitz kommen möchten?
Oli:
Auf jeden Fall am Patenprogramm und der Orientierungswoche teilzunehmen. Das hilft ungemein. Dort lernt man alles: wie die Vorlesungen hier funktionieren, wo an der Universität etwas ist und die Stadt wird vorgestellt.



Nützliche Links

 

Touristinformation Chemnitz
Studentenwerk Chemnitz-Zwickau
Tipps zu allen wichtigen Veranstaltungen in Chemnitz und Umgebung: Stadtmagazin 371 oder Stadtstreicher

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.