Halle: Ruhepol in Großstadtnähe

Es muss nicht immer München, Hamburg oder Berlin sein. Manchmal lohnt sich auch ein Blick auf die kleineren, unbekannteren Städte. Zum Beispiel auf Halle an der Saale. Was du hier entdecken kannst? Eine schicke Innenstadt, viel Natur und zahlreiche kleine Gassen, in denen die Architektur mehrere Epochen erhalten geblieben ist. Außerdem den Fluss Saale, der sich durch die Stadt schlängelt und somit eine Reihe gemütlicher Plätze zum Ausspannen bietet!

von Julia Glathe



Halle auf einen Blick

 

Halle Marktplatz, Foto: DAAD/HagenguthHalle ist mit seinen 230.000 Einwohner eine vergleichsweise kleine Stadt. Langweilig oder ländlich ist es hier dennoch nicht. Vielmehr wirst du auf einem Spaziergang durch Halle den Eindruck gewinnen, dich auf einem riesengroßen Campus zu befinden. Überall in der Stadt verteilen sich die verschiedenen Institute und Bibliotheken und somit auch deren Besucher. Obwohl die Wohnviertel ruhig sind, fühlt sich die Stadt lebendig an. Ein vielfältiges Angebot an Kunst- und Kulturprojekten prägt Halle ebenso wie traditionelle Festlichkeiten zu Ehren des gebürtigen Hallensers Georg-Friedrich Händel. Geschichte offenbart sich in den Frankeschen Stiftungen, die 1695 als Sozial- und Bildungswerk gegründet wurden und heute als Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen fortbestehen. Universitäre Einrichtungen sind hier ebenso angesiedelt, wie Museen und Musikschulen. Auch die seit dem Mittelalter erhalten gebliebenen Burganlagen verleihen Halle historisches Ambiente. Das Nachtleben ist vor allem eins: günstig. Meistens liegt der Eintritt unter fünf Euro, in einigen Klubs ist er sogar kostenlos. Auch die Mitpreise liegen unter dem deutschlandweiten Durchschnitt. Ein Zimmer im Zentrum bekommt man bereits ab 170 Euro. Dir bleibt also genug Geld, um sich in einen der vielen Cafes und Bars vom Unialltag zu erholen.



Hochschulen im Überblick

 

Die Martin-Luther-Universität

Uniplatzhalle, Bild: OmiTS/wikipedia
Uniplatzhalle, Bild: OmiTS/wikipedia
Die Martin-Luther-Universität (MLU) zählt derzeit ungefähr 17500 Studierende. Die Atmosphäre ist dadurch vergleichsweise familiär und der Kontakt zu Kommilitonen und Dozenten schnell aufgebaut. Das Studienangebot ist vielfältig. Die insgesamt zehn Fakultäten bieten 259 unterschiedliche Studiengänge an. Forschungsschwerpunkte liegen in der Biowissenschaft, Nanowissenschaft, den Asien- und Afrikastudien, sowie der Aufklärung. Aber auch ausgefallene Studiengänge im geisteswissenschaftlichen Bereich stehen zur Auswahl. So zum Beispiel Berufsorientierte Linguistik im interkulturellen Kontext oder Interkulturelle Europa- und Amerikastudien.
Halle ist zwar nicht Hamburg, aber falls du dich für Medien interessierst, bietet sich ein Studium in Halle dennoch an. Der Bachelor-Studiengang in Medien- und Kommunikationswissenschaft ist praxisorientiert und auch außerhalb der Uni gibt es viele Möglichkeiten Erfahrung im Mediensektor zu sammeln. So kann zum Beispiel jeder Interessierte beim freien Radio Corax einen Radio-Workshop besuchen und dann mit eigenem Programm auf Sendung gehen. Im  Medienkompetenzzentrum werden Seminare für Video-, Bild und Tonbearbeitung angeboten. Zudem steht professionelles Equipment zur Ausleihe bereit.
Da viele Studiengänge zulassungsfrei sind, hast du hohe Chancen an der Universität angenommen zu werden. Und wem das Studienangebot in Halle nicht genügt, der kann dank eines Universitätsverbundes auch in Jena und Leipzig Veranstaltungen besuchen.

Hochschule für Kunst und Design
Die Hochschule für Kunst und Design zählt in ihrem Metier zu den anerkanntesten in Deutschland. Wer hier studieren will, muss sich erst einmal in einer Aufnahmeprüfung beweisen. Das Besondere dieser Hochschule ist, dass sich ein Teil der Ateliers und Werkstätten innerhalb der Burg Giebichenstein befinden. Sie ist die älteste der  Burgen, die im Mittelalter in großer Zahl in Halle gebaut wurden und nur 20 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum entfernt. An warmen Tagen arbeiten die angehenden Künstler draußen. Dann schallt Gypsy-Punk oder andere experimentelle Klänge zwischen den hohen Burgmauern, während die Studenten an ihren Skulpturen feilen.



Freizeit in Halle

 

Diese Bildstrecke benötigt für die richtige Darstellung Javascript. Bitte Klicken Sie hier um die Bilder unformatiert anzeigen zu lassen.

Bildstrecke schließen

<< vorheriges Bild | nächstes Bild >>

  • Frohe Zukunft
  • Goebelbrunnen auf dem Hallmarkt
  • Händel Statue in Halle
  • Halle entdecken
  • Dom zu Halle
  • Auf der Saale

Halle/Saale in Bildern

  • Frohe Zukunft
  • Goebelbrunnen auf dem Hallmarkt
  • Händel Statue in Halle
  • Halle entdecken

Im Norden der Stadt erinnern noch Plattenbau-Siedlungen an vergangene sozialistische Zeiten. Studenten verirren sich dahin jedoch eher selten. Viel lieber trifft sich die junge Generation in der Innenstadt in den vielen Cafes oder Bars. Zum Beispiel im Café "Roter Horizont". Das Angebot an Heißgetränke ist vielfältig. Besonders empfehlenswert ist die heiße Schokolade, die du auch mit Chili oder Kokos-Zimt Aroma genießen kannst. Falls dir Live-Musik gefällt, dann solltest du unbedingt einmal abends im Kaffeeschuppen vorbeischauen. Hier finden regelmäßig Jazzkonzerte und Jamsessions in irischer Pub-Atmosphäre statt. Neben der herausgeputzten Innenstadt sind es aber auch die ans Zentrum angrenzenden Stadtteile, die Halles Charme ausmachen. Im Paulusviertel, dem hallischen Studentenviertel, findet man noch eine Vielzahl von alten Villen und Häusern, die in dieser Art in vielen Städten schon längst abgerissen worden sind. Zwischen den Häuserzeilen sind gemütliche Bars eingerichtet, wo du gemeinsam mit deinen Kommilitonen in Wohnzimmeratmosphäre zusammensitzen kannst. Im "Colonne Morris" kannst du dich auf einem der vielen Sessel und Sofas wie zu Hause fühlen und falls du einen Laptop besitzt auch kostenlos im Internet surfen.
In den Sommermonaten findet das Leben in Halle vor allem auf der Straße statt. Nur wenige Minuten vom Uniplatz entfernt, beginnt die Peißnitzinsel. Die mehrere Kilometer große Parkanlage ist eine der beliebtesten Treffpunkte für viele Studierende. Am Abend besiedeln die großen Wiesen eine Vielzahl von jungen Leuten. Es wird gegrillt und sich für die nächtliche Klubtour eingestimmt.
Die Wochenenden eignen sich perfekt, um Halles nähere Umgebung kennenzulernen. Mit dem Fahrrad kannst du dich auf Erkundungstour begeben und zu Schlössern, Burgen und Stauseen gelangen.  Aber auch in Halle gibt es ein paar nette Plätze zum Entspannen. Am Hufeisensee, wirst du das Gefühl haben, dich mitten auf dem Land zu befinden. Vom Marktplatz erreichst du ihn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in nur rund 15 Minuten.
So wie es sich für eine Studentenstadt gehört, gibt es eine Menge Clubs, in denen du dich für meist weniger als 5 Euro mit Pop, Rock, R&B und elektronischer Musik beschallen lassen kannst. Der Studentenklub "Turm" ist vor allem unter den jüngeren Studierenden sehr beliebt. Er befindet sich in dem historischen Gemäuer der Moritzburg und ist mitten im Stadtzentrum und nur wenige Minuten vom Uniplatz entfernt gelegen. Im Sommer dient der Burggraben als Biergarten und es finden ab und zu Konzerte statt. Wenn du Lust hast, dann schau doch auch einmal beim sonntäglich stattfindende Poetry Slam vorbei. Jeder kann mitmachen und selbstgeschriebene Texte vortragen oder einfach nur auf dem Kissenteppich Platz nehmen und am Ende für seinen Favoriten stimmen.
Für Freunde der elektronischen Musik, sind vor allem das "Charles Bronson" und die "Chaise Lounge" zu empfehlen. Open-Air Parties sind in Halle auch keine Seltenheit. Meist beginnen diese bereits am Nachmittag und enden erst am nächsten Morgen. Ein Highlight im Jahr ist außerdem die Semesterabschlussparty der Kunst- und Design Studierendenschaft. Dann verwandeln sich die Burg Giebichenstein ebenso wie der Design-Campus in ein riesiges Partyareal und es wird bis in die Morgenstunden unter freiem Himmel äußerst ausgelassen getanzt.



Interview mit Unen aus der Mongolei

 

Unen aus der Mongolei ist 24 Jahre alt und studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Romanistik an der Uni Halle.

Unen, Foto: privat
Unen, Foto: privat
Unen, du kommst aus der Mongolei. Wieso hast du dich für Halle entschieden?
Ich bin durch meinen Bruder auf die Idee gekommen, in Deutschland zu studieren. Er lebt und studierte auch hier. Ich wollte wie er eine gute Bildung erhalten. Eigentlich hatte zuerst vor, nach Großbritannien zu gehen, aber das war zu teuer. In Deutschland ist das Leben und das Studium im Vergleich zu anderen Ländern wirklich günstig. Ich habe zuerst zwei Jahre in Freiburg studiert und habe dann nach Halle gewechselt, weil es hier die Möglichkeit gab, Medienwissenschaft zu studieren. Mittlerweile bin ich seit zwei Jahren in Halle.

Wie gefällt es dir?
Halle gefällt mir wirklich sehr gut. Ich habe gleich Freunde gefunden und überhaupt keine Probleme gehabt, mich zu integrieren. Ich fühle mich in Halle auch deshalb so wohl, weil ich das Gefühl habe zu Hause zu sein. Der Riebeckplatz und auch die Neustadt erinnern mich mit ihren Plattenbauten an meine Heimat. Und zum Studieren ist Halle sowieso ideal, weil es relativ klein ist. Ich wohne in der Innenstadt und kann mit dem Fahrrad überall sehr schnell hinkommen. Auch das Studentenwerk in Halle ist super. Die sozialen Leistungen sind bemerkenswert. Zum Beispiel habe ich am Anfang eine Mensakarte bekommen und konnte so kostenlos essen. Generell kann man hier gute finanzielle Unterstützung erhalten.

Wie sieht dein Studentenleben aus?
Ich genieße das Studentenleben in vollen Zügen. Wenn man die richtigen Leute kennt, kann man Montag bis Sonntag durchfeiern. Am Wochenende gehe ich am liebsten in die "Chaise" oder ins "Charles Bronson". Es gibt außerdem viele unangemeldete Partys und Privatfeiern. Halle ist eine Studentenstadt, hier kann man vieles einfach selbst organisieren. In der Woche treibe ich gern Sport und nutze das Angebot der Uni. Momentan spiele ich ein Mal in der Woche Basketball. Nach der Arbeit gehe ich gern in eine Bar etwas trinken, zum Beispiel ins "Cafe Noir" oder ins "Potemkin".

Du bist am Ende deines Studiums angelangt. Welche Erfahrungen hast du hier in Halle gemacht?
Obwohl ich an zwei verschiedenen Fakultäten studiere, gab es nie Überschneidungen. Wahrscheinlich hatte ich einfach Glück. Aber ich habe auch immer gezielt ausgesucht, was mich interessiert und das hat mir dann auch wirklich Spaß gemacht. Wenn ich Fragen hatte oder irgendetwas nicht verstanden habe, dann haben die Dozenten mir immer geholfen.



Nützliche Links

 

Informationen zu Stadt und Universität, Angebot mit Studierenden zu chatten
Studentenwerk der Uni Halle
Sprachzentrum der Uni Halle
Deutsch lernen im Tandem

City-Guide
Studierendenzeitschrift der MLU
Initiative „Bürger für internationale Studierende“
Studierende stellen Halle vor

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.