Bielefeld – Die Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt

Die Stadt Bielefeld gibt es eigentlich gar nicht – glaubt man den Gerüchten, die seit 1994 im Internet kursieren. Andere behaupten hingegen, Bielefeld sei eine vollkommen normale Stadt. Was richtig ist? Mach dir selbst ein Bild davon und komm vorbei!

von Hanna Irabi



Bielefeld auf einen Blick

 

Sparrenburg, Bild: Irabi/DAAD
Sparrenburg, Bild: Irabi/DAAD
Entgegen diesem Mythos ist Bielefeld mit knapp 325.000 die größte Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe. Rund 30.000 Studierende leben und lernen in der ehemaligen Leineweberstadt. Während die Neustadt vor allem mit großen Shoppingketten auf sich aufmerksam macht, lädt die Altstadt mit ihren liebevoll renovierten Patrizierhäusern, Spezialitätenläden und kleinen Boutiquen zum Flanieren und Entdecken ein. Einkehren kannst du in den zahlreichen kleinen und großen Cafés, die in den vergangenen Jahren in großer Zahl neu eröffneten und für jeden Geschmack das Passende bereithalten: Ob schick, rustikal, im Caféhausstil oder studentisch-alternativ.
Oberhalb der Altstadt, erreichbar zu Fuß in etwa zehn Minuten, liegt Bielefelds Wahrzeichen, die Sparrenburg. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Festungsanlage liegt am knapp 160 Kilometer langen Hermannsweg, der als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands gilt.
Aber auch im Bielefelder Stadtgebiet gibt es die Möglichkeit zu wandern und die Natur zu genießen: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bist du in zehn Minuten mitten im Teutoburger Wald, der sogenannten „Grüne Lunge“ Bielefelds. Direkt am „Teuto“, wie die Bielefelder ihren Wald liebevoll nennen, liegt die Universität Bielefeld. Praktisch ist, dass du in Bielefeld viele zentrale Punkte in kurzer Zeit mit dem Fahrrad erreichen kannst: Von der Universität bis ins Zentrum sind es nicht mehr als zehn Minuten. Falls du die Großstadt genauso wie das ländliche Leben schätzt, ist Bielefeld der richtige Ort für dich. 14 Museen, zahlreiche freien Theater und verschiedene Chören zählen zum reichhaltigen kulturellen Angebot der Stadt.



Hochschulen im Überblick

 

Universität Bielefeld

Uni Bielefeld, Foto: Irabi/DAAD
Uni Bielefeld, Foto: Irabi/DAAD
Die Universität Bielefeld mit ihren knapp 18.000 Studierenden ist vielleicht nicht die schönste Universität Deutschlands, wohl aber eine der praktischsten. Das häufig als „bahnhofshallenartig“ bezeichnete Gebäude aus den 70er Jahren vereint 13 Fakultäten und 82 Studiengänge unter einem Dach. Damit ist die Uni Bielefeld eine Hochschule der kurzen Wege und rühmt sich zu Recht damit, dass jeder Ort innerhalb des Gebäudes in fünf Minuten zu erreichen sei. Das verträgt sich gut mit ihrem fächerübergreifenden Verständnis von Forschung. Dieses ist sowohl in der Lehre als auch in der Forschung spürbar. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), das internationalen Experten sämtlicher Disziplinen gemeinsame Forschungsprojekte ermöglicht. Aber auch die Uni-Bibliothek, die im bundesweiten CHE-Ranking aktuell den zweiten Platz belegt und die vielfältigen, kostenlosen Sportmöglichkeiten zählen zu den Vorzügen der Universität Bielefeld.

FH Bielefeld
An der 1971 gegründeten Fachhochschule Bielefeld studieren derzeit rund 7000 Studierende. Sie bietet ein vielfältiges Angebot an Bachelor- und Master-Studiengängen in den Bereichen Gestaltung, Ingenieur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, sowie Pflege- und Gesundheitswissenschaften. In den letzten Jahren wurden viele Bachelor-Studiengänge neu eingerichtet. Dazu zählen unter anderem  „Anleitung und Mentoring in den Gesundheitsberufen“, „Apparative Biotechnologie“, „Pädagogik der Kindheit“, „Produktions- und Kunststofftechnik“, „Projektmanagement Bau“ oder „Regenerative Energien“.

Fachhochschule des Mittelstands (FHM)
Die FHM ist eine staatlich anerkannte private Fachhochschule, deren Studienangebot  Bachelor- und Master-Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Medien, Kommunikation und Gesundheit umfasst. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet und unterrichtet aktuell knapp 1000 Studierende.



Freizeit in Bielefeld

 

Siegfriedplatz, Bild: Irabi/DAAD
Siegfriedplatz, Bild: Irabi/DAAD
Besonders beliebt an sonnigen Tagen sind bei Studierenden der Oetkerpark im Westen der Stadt, aber auch die Sparrenburgpromenade oder der Nordpark. An warmen Sommerabenden sitzen viele noch bis tief in die Nacht auf dem Siegfriedplatz oder aber in einem der zahlreichen Cafés im Bielefelder Westen oder der Innenstadt.
Das Partyleben spielt sich in knapp zehn Clubs und Diskotheken ab. Rock und Pop, aber auch elektronische Klänge und Reggae stehen auf dem Programm der Veranstalter; die Eintritte sind mit durchschnittlichen fünf Euro günstig. Auch in der Universität und der Fachhochschule finden zahlreiche Partys statt, die unter den verschiedensten Mottos stehen, aber fast immer preiswerte Getränke und gute Stimmung garantieren. Die jeweils zum Semesterstart steigende Westendparty ist mit rund 10.000 Besuchern die größte Uni-Indoor-Party Deutschlands, und daher weit über die Grenzen Bielefelds bekannt.
Im Sommer gibt es ein Open Air Kino im Ravensbergerpark, das neben aktuellen Produktionen auch Klassiker im Programm hat. Außerdem finden Stadtfeste, wie etwa der „Carnival der Kulturen“ - ein bunter Karnevalszug durch die Innenstadt - oder das mittelalterliche Sparrenburgfest statt. Kulturinteressierte bekommen in Bielefeld nicht nur viel zu sehen, sondern können auch selber aktiv werden: Etwa in einem der zahlreichen freien Theater, Chöre, oder beim hochschuleigenen Radiosender Hertz 87.9, der Studierenden die Möglichkeit bietet,  eigene Radiobeiträge zu produzieren oder Moderationserfahrung zu sammeln.
Bielefeld West, Bild: Irabi/DAAD
Bielefeld West, Bild: Irabi/DAAD
Die Mietpreise in Bielefeld sind relativ günstig. Ein Zimmer in einer stadtnahen WG liegt je nach Größe meist zwischen 250 und 350 Euro, im Studentenwohnheim kannst du sogar schon für knapp 170 Euro Warmmiete einen Platz zum Wohnen finden. Insgesamt finden 2300 Studierende in einem der zehn studentischen Wohnheime eine Unterkunft.
Für das leibliche Wohl der Studierenden sorgen fünf Mensen sowie zahlreiche weitere Restaurants und Snackbars. Neben der größten Mensa, die sich in der Universität findet, gibt es viele Alternativen, die für Abwechslung sorgen. Bei vielen Studierenden beliebt ist die Mensa des Fachbereichs Sozialwesen an der Kurt-Schumacher-Straße, die bundesweit den vierten Platz der „Mensa des Jahres 2010“ belegt und für ihre abwechslungsreiche, frische Kost bekannt ist.



Interview mit Viktoriya aus Bulgarien

 

Seit acht Jahren lebt und studiert Viktoriya in Bielefeld. Nach ihrem Bachelor in Germanistik, studiert sie nun "Interdisziplinäre Medienwissenschaften" auf Master.

Viktoriya, Bild: Irabi/DAAD
Viktoriya, Bild: Irabi/DAAD
Du stammst aus Bulgarien. Wie bist du nach Bielefeld gekommen?
Viktoriya: Für mich war immer klar, dass ich in Deutschland studieren möchte. Nach dem Abitur durfte ich mich an Universitäten in fünf Städten bewerben. Ich wählte vier größere Städte aus und hatte nun noch eine Wahlmöglichkeit frei. Meine damalige Deutsch-Nachhilfelehrerin empfahl mir Bielefeld: Eine super Stadt zum studieren, sehr grün, sehr freundlich. Die erste Zusage kam dann tatsächlich aus Bielefeld! Später habe ich noch drei andere Zusagen bekommen, aber Bielefeld hat mir gleich so gut gefallen, dass ich mir die anderen Städte nicht mehr angesehen habe. Im September 2002 habe ich begonnen, meinen Bachelor in Germanistik zu machen. Am Anfang war es nicht leicht, Studium und Alltag in einem fremden Land zu vereinen. Außerdem hatte ich ein Einzelzimmer, was schade war, weil ich so anfangs recht wenig Kontakt hatte. Mittlerweile lebe ist seit 8 Jahren hier und mache meinen Master in interdisziplinären Medienwissenschaften.

Wie gefällt dir die Uni?
Ich finde es super, dass alles unter einem Dach ist. Man kann vieles nebenbei erledigen, was toll ist, wenn man wenig Zeit hat. Zum Beispiel gibt es im Unigebäude eine Post und kleine Läden zum Einkaufen. Außerdem gefallen mir die Referate (Anm. der Redaktion: Die Referate setzen sich für besonders benachteiligte Gruppen wie etwa Studierende mit Behinderungen ein) und dass für jeden ein Ansprechpartner da ist.

Nicht so gut gefällt mir, dass man anders als zum Beispiel in Bulgarien keine feste Klasse hat, mit der man studiert. So verliert man sich leichter aus den Augen.

Wie gefällt dir Bielefeld?
Viele sagen, dass hier nichts los ist, aber ich finde man kann wirklich viel machen. Ob Kultur oder Sport - man bekommt sehr viel geboten. Ich mag aber auch die Stadt an sich - sie ist nicht zu groß und nicht zu klein. Wenn ich mal was anderes sehen will, setze ich mich in den Zug und fahre nach Dortmund, Hannover oder Münster. In ein bis zwei Stunden ist man da. Ich finde, das ist keine Entfernung. Aber für meinen Alltag, für mein Leben ist Bielefeld optimal. Das Einzige, was ich anfangs nicht so leicht fand, war neue Leute kennenzulernen. Aber wenn du erst welche für dich gewonnen hast, dann bleiben sie dir treu.

Wie geht es für dich weiter?
Ende des Jahres möchte ich meine Abschlussarbeit abgeben. Parallel zum Schreiben bewerbe ich mich auf Praktika und Stellenangebote im Bereich Werbung, Public Relations und Marktforschung. Ich plane auf jeden Fall in Bielefeld oder Umgebung zu bleiben. Mit der Jobsuche habe ich während meines Studiums nur gute Erfahrungen gemacht- es ging immer um meine Leistung und nicht um meine Herkunft.

Hast Du einen Lieblingsplatz in Bielefeld?
Ja, das ist ganz klar der Obersee in Schildesche. Dort kann man Sport treiben, es gibt tolle gastronomische Angebote, eine Strandbar, Wiesen, auf denen man picknicken kann und viel Wasser. Das ist für mich ein Stück Lebensqualität.



Nützliche Links

 

Film-Trailer und Roman zur Bielefeld Verschwörung
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Campusplan
Mensaplan
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Mentorenprogramm für ausländische Studierende
Deutschkurse an der Uni

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.