Einkaufen im Supermarkt der Zukunft

Über 300 Kilometer trennen die Orte Tönisvorst und Haßloch. Trotzdem haben die beiden Dörfer eines gemeinsam: Sie gestalten die Zukunft des deutschen Einzelhandels.

1599 wurde das älteste Haus von Haßloch gebaut, Bild: Wikicommons1599 wurde das älteste Haus von Haßloch gebaut, Bild: Wikicommons
Haßloch ist klein, sehr klein. Knapp 20 000 Einwohner hat das Dorf in der Nähe von Mannheim. Touristen zieht es eher in den nahen Freizeitpark, als in das Heimatmuseum vor Ort. Das Besondere an Haßloch wird am ehesten im Supermarkt sichtbar. Wer genau hinschaut und darüber hinaus die gesamte Produktpalette der wichtigsten Marken kennt, wird in den Regalen ab und zu Waren finden, die es nirgendswo sonst gibt - noch. Denn Haßloch ist Deutschland im Kleinen, eine "Magic Town" die die Bevölkerungsstruktur des ganzen Landes widerspiegelt und wurde deshalb zur Teststadt der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ausgewählt.

Seit 1986 zählt die Meinung der Einwohner des Dorfes, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung einer Schokolade, Keksen oder auch eines neuen Deos geht. Dafür wurden 3 500 Haushalte mit speziellen Chipkarten ausgestattet, die bei jedem Einkauf gescannt werden und alles dokumentieren, was von den Dorfbewohnern gekauft wird. Produkte, die in Haßloch durchfallen, werden es nie in die bundesweiten Supermärkte schaffen.

Roboter in Tönisvorst

Ähnliches gilt für die Technologien, die im "Real Future Store" in Tönisvorst zum Einsatz kommen. 2008 wurde der dortige, bis dahin völlig normale Supermarkt umgebaut und zur realen Teststrecke für technische Erfindungen und Marktkonzepte erklärt. Zur Neueröffnung hatten auch "Ally" und "Roger" ihren ersten Arbeitstag. Die beiden Roboter flitzen abwechselnd durch die Regalreihen und helfen den Kunden dabei, ihre Einkaufszettel abzuarbeiten. Eine anstrengende Aufgabe, die bereits nach einer Stunde an der Steckdose endet, wenn die Batterien aufgeladen werden müssen.

Dass Handys nicht nur zum telefonieren geschaffen wurden, sondern sehr wohl auch als Scanner und virtueller Einkaufszettel taugen, können Kunden ebenfalls direkt ausprobieren. Möglich macht es der "Mobile Einkaufsassistent" kurz "MEA" mit Unterstützung der Handykamera. Strichcode der Nudelpackung, des Joghurts oder der Milch anvisieren und "piep" speichert der "MEA" alles. Weil Obst und Gemüse naturgemäß ohne Strichcode wachsen, kümmert sich die "intelligente Waage" um das Problem. Ebenfalls dank Kamera erkennt sie ungefähr, was der Kunde wiegen möchte und zeigt die möglichen Optionen auf ihrem Display an. Ein weiterer Klick auf "Bananen" und das Obst ist ebenfalls codiert.

Roboter Ally, Bild: Real Future StoreRoboter Ally, Bild: Real Future Store
Während die technischen Besonderheiten klar als solche zu erkennen sind, fallen die besonderen Farben einiger Bereiche, die Anordnung der Regale oder die Hintergrundmusik nur den Wenigsten auf. Doch auch diese Dinge sind hier anders, als in einem normalen Supermarkt und liefern den Experten Informationen über das veränderte Kaufverhalten der Menschen. Stürzen sich zum Beispiel die Kunden auf den frischen Fisch, weil im Hintergrund das Meer rauscht? Oder liegt mehr Wein in den Einkaufswägen der Tönisvorster, weil es eine Weinverkostung gibt und sie in diesem Bereich über dunkelbraunes Laminat laufen, statt über die üblichen weißen Fliesen?

Selbst das Bezahlen wird im "Future Store" ein Erlebnis. An den SB-Kassen scannt jeder Kunde seinen Einkauf selbst ein, sofern der "MEA" das nicht schon übernommen hat. Bezahlt wird entweder mit EC-Karte, Handy oder sogar Fingerabdruck. Und für all jene, die für ihr Leben gern in einer Schlange stehen und Smalltalk mit der Kassiererin halten wollen, gibt es immer noch die normale Kasse mit Band und Bargeld. www.future-store.org

Tipp: Wenn du wissen möchtest, welcher Supermarkt in deiner Nähe aktuell die besten Schnäppchen hat, surf auf www.kaufda.de