Knigge ist in!

Natürlich möchtest du an deiner Hochschule, bei deinem Vermieter und auch bei deinen neuen Freunden einen guten Eindruck machen. Falls du noch ein bisschen unsicher bist, wie du dich in bestimmten Situationen richtig verhältst, haben wir ein paar Tipps für dich.

Hände schütteln zur Begrüßung, Bild: Britta Simon.jpgHände schütteln zur Begrüßung, Bild: Britta Simon.jpg
Tonio ist bei einem Mitstudenten eingeladen. Es ist seine erste Party in Deutschland. Als er den Gastgeber erblickt, geht er zielsicher auf ihn zu und umarmt ihn zur Begrüßung. Doch anstatt die Umarmung zu erwidern, schaut dieser irritiert. Tonio ist ratlos. „So etwas machen wir hier eher nicht“, klärt ihn ein anderer Gast auf.

Deutsche Umgangsformen, auch Knigge genannt, sind für Außenstehende nicht immer sofort zu erkennen. Deswegen ist es hilfreich, ihnen etwas Aufmerksamkeit zu schenken.

Richtiges Benehmen öffnet Türen

„Umgangsformen sind Bestandteil der Kultur eines jeden Landes. Sie sind keine starren Regeln, sondern spiegeln das Verhalten der Menschen zueinander wider“, sagt Andreas Weinzierl, der seit vielen Jahren als selbstständiger Knigge-Berater und Image-Trainer arbeitet. Ist Knigge also in? „In unserem Land haben sich die Umgangsformen unter dem Einfluss der gesellschaftlichen Veränderungen entwickelt.“ Das bedeutet für uns: Würde heute jemand zur Begrüßung eine Verbeugung, einen Knicks machen oder einer Dame einen Handkuss geben, wäre sein Gegenüber wohl ziemlich irritiert. Vor hundert Jahren sah dies noch ganz anders aus.

Freundlichkeit, Respekt, Höflichkeit und Pünktlichkeit sind laut Weinzierl die wichtigsten Charaktereigenschaften. Besitzt man diese, ist es ziemlich leicht, sich als Gast in Deutschland zurecht zu finden. Kommt es dennoch einmal zu einem Missverständnis, weiß der Experte Rat: „Man sollte sich für sein Fehlverhalten kurz entschuldigen. Auf keinen Fall sollte man eine große Diskussion darüber anfangen. Am besten fragt man einfach jemanden, was in dieser Situation das richtige Verhalten gewesen wäre und die Angelegenheit hat sich für die Zukunft erledigt.“

Pünktlichkeit und allgemeine Themen

Damit du im Alltag Fettnäpfchen umgehen kannst, haben wir an dieser Stelle eine kurze Liste mit den wichtigsten Do's and Don'ts für den Alltag zusammengestellt:

Anrede

+ Außerhalb des Freundeskreises wird das „Sie“ verwendet. Lediglich Studierende untereinander verwenden das „Du“
- Eine Verbindung von „Sie“ mit dem Vornamen ist unüblich, dasselbe gilt für „Du“ mit dem Nachnamen

Begrüßung

+ Die Begrüßung erfolgt mit einem Handschlag.
- Umarmungen oder Küsse auf die Wange werden höchstens im engen Freundeskreis verwendet
+ In Unterhaltungen ist direkter Blickkontakt gefragt. Ausweichen wird schnell als unhöflich empfunden

Gesprächsführung

+ Deutsche sind in der Regel etwas zurückhaltender und reden ungern über Privates. Wähle lieber erst allgemeine Themen wie Beruf oder Studium.
- Verzichte auf Themen wie Politik und Religion. Auch die Frage: "Wie viel Geld verdienen Sie?" ist nicht üblich und wird von den Meisten sehr ausweichend beantwortet
+ Sei höflich, aber übertreibe es nicht. Zu viele Komplimente können aufdringlich wirken.

Verabredung

+ Sei pünktlich! Verspätest du dich oder kannst du den Termin nicht einhalten, solltest du dies früh genug mitteilen und persönlich bzw. telefonisch Bescheid sagen.
+ Jeder zahlt das, was er gegessen oder getrunken hat selbst. Jemanden einzuladen kann, besonders beim weiblichen Geschlecht, schnell missverstanden werden.

Essen

+ In einem Lokal oder Restaurant kannst du dir in der Regel den Tisch selber auswählen
+ Die Rechnung wird direkt am Tisch bei der Bedienung bezahlt. Ein Trinkgeld ist dabei üblich, aber bitte nicht übertreiben. Aufrunden des Betrages reicht völlig.
- Kreditkarten werden in Deutschland nur sehr selten akzeptiert. Habe lieber Bargeld bei dir, damit du am Ende nicht Teller spülen musst

Ausführlichere Informationen und noch mehr Regeln findest du unter:
www.german-way.com
www.image-trainer.de