Greifswald: Junge Stadt an der Ostsee

Von Jahr zu Jahr entscheiden sich mehr Studierende für die sympathische Stadt an der Mündung der Ryck. Die exzellenten Studienmöglichkeiten, das reichhaltiges Kulturangebot und die vielen jungen Menschen machen Greifswald besonders attraktiv. Natürlich ist auch die nahegelegene Ostsee ein überzeugendes Argument.

von Christoph Berger


Greifswald auf einen Blick

 

Greifswald Markt, Foto: Berger/DAAD
Greifswald Markt, Foto: Berger/DAAD
„Fällt die Entscheidung auf Greifswald, weint man meistens zweimal.“ Diesen Satz hört man des Öfteren, wenn man sich dort mit Studierenden unterhält. Und leider sind es beide Mal keine Freudentränen. Das erste Mal kommen die Tränen, wenn man erfährt, dass es nach Greifswald geht und man sich fragt: Was soll ich dort eigentlich, so ganz da oben im Nordosten Deutschlands? Tränen fließen dann jedoch auch zum Abschied. Denn relativ schnell überzeugt und nimmt einen die Hansestadt an der Ostsee für sich ein. Auch Scheiden tut weh.
Ein Grund für die schnell wachsende Sympathie könnte sein: Greifswald ist nach eigenen Angaben die jüngste Stadt Ostdeutschlands. Ein Viertel der knapp 60.000 Einwohner ist zwischen 18 und 30 Jahre alt. Dies ist auf den Straßen spür- und erlebbar. Im Zentrum gibt es neben den üblichen Einkaufs- und Modeketten auch zahlreiche Cafés und Spezialitätenläden. Und die Stadt ist auf Fahrräder ausgerichtet – sie wechselt regelmäßig mit Münster die Spitzenposition unter Deutschlands fahrradfreundlichsten Städten.
Unweit der Fußgängerzone ist die Geschichte der einstigen Handelsmacht innerhalb der Hanse erlebbar. Du kannst zum Beispiel den Dom besuchen, eine mittelalterliche Backsteingotikkirche, mit deren Bau bereits Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen worden war. Ein anderer Ort, an dem du die Geschichte der Stadt erleben kannst, ist Deutschlands größter Museumshafen. Dort liegen 50 Traditionsschiffe vor Anker. Auch der historische Marktplatz mit den typisch hanseatischen Gebäuden ist sehenswert und lädt zum Verweilen ein.
Zur Ostsee ist es auch nicht weit. Mit dem Fahrrad oder mit dem Bus bist du zum Beispiel schnell im Stadtteil Wiek, einem ehemaligen Fischerdorf mit kleinen Stränden in der Nähe.



Hochschulen im Überblick

 

Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald

Uni Greifswald, Foto: Berger/DAAD
Uni Greifswald, Foto: Berger/DAAD
Bereits 1456 wurde die Greifswalder Universität gegründet. Sie gehört damit zu einer der ältesten Universitäten in Deutschland. Der historische – heute jedoch zu großen Teilen sanierte – Campus befindet sich gleich hinter den alten Wallanlagen und damit direkt am Stadtzentrum. Dort befinden sich unter anderem das Universitäts-Hauptgebäude und andere Verwaltungsabteilungen der Universität.
Von einer reinen Campus-Universität kann jedoch heute nicht mehr die Rede sein. Denn auch an anderen Teilen der Stadt befinden sich Hochschulgebäude sowie Teile des Klinikums. In Richtung Südosten, etwas raus aus der Stadtmitte, oberhalb der Anklamer Straße liegt der neue Campus mit zahlreichen modernen Neubauten und der Universitätsbibliothek als Zentrum. Angesiedelt sind dort vor allem die naturwissenschaftlichen Institute und der Neubau des Universitätsklinikums, das nach seiner endgültigen Fertigstellung zu den modernsten in Europa zählen soll.
Heute bietet die Universität an fünf Fakultäten 47 Studienfächer an. Etwa 12.000 Studierende sind eingeschrieben. Zum Vergleich: 1991 waren es nur 3.000. Mit dem Anwachsen der Studentenzahlen stieg und steigt im Umfeld der Universität auch die Zahl an Forschungsunternehmen und -einrichtungen. Angesiedelt haben sich zum Beispiel das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, das Friedrich-Loeffler-Institut und das Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg.



Freizeit in Greifswald

 

Greifswald Wiek, Foto: Berger/DAAD
Greifswald Wiek, Foto: Berger/DAAD
An sonnigen Tagen zieht es Studierende vor allem an die Ufer des Flusses Ryck. Dort wird gegrillt. Eingeleitet wird die wärmste Jahreszeit außerdem regelmäßig mit der Fête de la Musique im Juni, einem Musikfest, dass sich über die gesamte Stadt verteilt.
Überhaupt findest du Party- und Ausgehmöglichkeiten im gesamten Stadtgebiet – in manchen Lokalitäten kannst du bis in die Morgenstunden die Zeit mit Freunden verbringen. Beliebt sind der Mensaclub, der Studentenclub "Kiste", der Geokeller mit etwas härterer Musik oder der TV-Club. Als Bar und Treffpunkt sind die Domburg, das Cafe Ravic und das Deja Vu, die Falle und der Treffpunkt gern frequentierte Orte. Konzerte werden unter anderem im Klecks gespielt.
Greifswald Zentrum, Foto: Berger/DAAD
Greifswald Zentrum, Foto: Berger/DAAD
Einziges Manko sind die Wohnverhältnisse in der Stadt. Der AStA verspricht zwar, dass alle ein Zimmer finden, doch die Wohnsituation ist schwierig. Wer nicht in einem der acht Studentenwohnheime (Mieten zwischen 175 und 250 Euro) unterkommt, sollte sich ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft suchen, die in allen Stadtteilen zu finden sind. Die Kosten liegen je nach Größe und Lage zwischen 150 und knapp 400 Euro, sind damit aber meist noch billiger als ein Zimmer in einem der privaten Studentenwohnheime, für die man schon mal 420 Euro für 20 Quadratmeter zahlt.



Interview mit Grzegorz Lisek aus Polen

 

Grzegorz aus Polen ist 25 Jahre alt und schreibt momentan in Greifswald seine Doktorarbeit in Slawistik über Sprachpolitik. Zuvor absolvierte er in der Hansestadt den Master-Studiengang Sprache und Kommunikation an der Philosophischen Fakultät.

Grzegorz aus Polen, Foto: Berger/DAAD
Grzegorz aus Polen, Foto: Berger/DAAD
Grzegorz, du kommst aus Polen. Wieso hast du dich für Greifswald entschieden?
Mein ursprünglicher Traum bestand darin, dass ich eines Tages mal einen deutschen Abschluss besitzen wollte. Deswegen hatte ich auch immer den Wunsch, in Deutschland zu studieren. Meinen Bachelor-Abschluss in Angewandter Linguistik machte ich jedoch noch in Posen, einer Stadt im Westen von Polen. Als die Uni dort dann eine Rund-Mail verschickte, dass es die Möglichkeit gäbe, in Deutschland zu studieren, bewarb ich mich sofort. Erst ging ich für ein Semester nach Halle (Saale). Dann wechselte ich als Landesstipendiat nach Greifswald und machte meinen Masterabschluss. Jetzt werde ich mit dem Bogislaw-Stipendium gefördert. Ich finde es mehr als lobenswert, dass sich die Uni um den wissenschaftlichen Nachwuchs kümmert, weil es heutzutage doch nicht als selbstverständlich gilt. So gute Studien- und Lebensbedingungen habe ich in meinen schönsten Träumen noch nicht gesehen.

Wie gefällt es dir?
Im Frühling, im Sommer und im Herbst ist es wunderbar, in Greifswald zu leben. Im Winter würde ich manchmal gerne an einem anderen Ort sein (lacht). Da kann es schon sehr trist werden. Außer diesem kleinen Manko fühle ich mich aber sehr wohl in der Stadt. Ich habe schnell sehr viele Leute an der Uni kennengelernt. – Auch meine Freundin. Außerdem fühle ich mich sehr sicher. Und inzwischen kann ich sagen: Ich habe mich in Deutschland verliebt. Das liegt auch an den Bedingungen hier an der Universität. Die Ausstattung und die Betreuung sind musterhaft. Ich kann jederzeit meine Dozenten konsultieren, das Verhältnis zu ihnen ist sehr gut. Natürlich steht man aufgrund eines so engen Kontakts auch irgendwie immer unter „Beobachtung“. Aber dem Studium schadet das ja nicht. Zu meiner schnellen Integration hat auch beigetragen, dass allen ausländischen Studierenden zu Beginn Tutoren zugeordnet werden, die einem die ersten Schritte sehr erleichtern. Zu meiner Mutter sage ich heute immer: Ich fahre jetzt nach Hause.

Wie sieht dein Studentenleben aus?
Natürlich studiere ich ernsthaft und will meine selbstgesteckten Ziele erreichen. Doch auch in meiner Freizeit unternehme ich einiges. Was mir hier in Greifswald besonders gut gefällt, ist die Eigeninitiative der Studierenden. Viele Studenten organisieren etwas für das studentische Miteinander und warten nicht nur darauf, bis ihnen etwas geboten wird. An schönen und ruhigen Nachmittagen setze ich mich entweder in ein Café am Marktplatz oder fahre raus nach Wieck an die Fischerhütten, um die Natur zu beobachten.  An beiden Orten kann ich sehr gut abschalten und die Zeit genießen. Meine liebsten Lokale sind das Koeppenhaus, die Kulturbar und zum Austoben die Kiste.

Was ist dir besonders aufgefallen?
Im ersten Moment erscheinen einem die Greifswalder sehr harsch. Das liegt vielleicht auch an ihrer Beziehung zum Meer. Doch sie sind eigentlich sehr herzlich, offen, sympathisch und hilfsbereit. Die Stadt vermittelt ein junges Flair und nach dem Überwinden der anfänglichen Distanz eine regelrechte Menschenwärme. In einer Großstadt würde ich mich verloren fühlen. Hier hingegen bin ich am richtigen Platz und könnte mir vorstellen, auch über die Doktorarbeit hinaus hier zu leben.




Nützliche Links

 

Internetseite der Stadt
International Office
Welcome Center Greifswald
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