Mittweida: Klein, aber sehr international

„Mittweida ist, was du draus machst“ – ist das Motto der Kleinstadt in Sachsen. Der Ort mit 16.000 Einwohnern bietet auf den ersten Blick nicht gerade das, was als Entertainment pur gilt. Wer etwas erleben will, muss genauer hinschauen, wird aber auf jeden Fall fündig.

von Maria Horschig


Mittweida im Überblick

 

Winterliche Altstadt von Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Winterliche Altstadt von Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Gleich vorab – in Mittweida gibt es zwar keine Disco, aber deshalb wirst du dich trotzdem nicht langweilen wirst! Mittweida ist klein, aber das heißt auch, dass du alles zu Fuß erreichst! Ein paar Buslinien gibt es zwar, aber die nutzen höchstens ältere Leute.
Im Sommer wie Winter schön ist der Schwanenteichpark gleich neben dem Campus der Hochschule. Egal ob ausgiebiger Spaziergang, in der Sonne liegen, grillen oder Volleyball spielen, hier ist immer etwas los und Platz gibt es genug. 
Sehenswert ist vor allem die Gegend um den Markt herum. Verwinkelte Gassen, ein kleines Flüsschen und die Stadtkirche sind sehr beschaulich. Auch der Markt ist mit seinen historischen Fassaden ein begehrtes Fotomotiv und lädt mit den vielen Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein.  
Falls du Hunger auf etwas Süßes hast, mach doch einen kurzen Zwischenstopp in der Bäckerei Blochberger, die am Ende der Rochlitzer Straße auf der rechten Straßenseite liegt (Rochlitzer Straße 80). Du kannst sie nicht verfehlen, denn die blauen Fließen im Schaufenster sind einmalig. Auf der Straße liegen zwar unzählige Bäckereien und Konditoreien, aber diese originale Inneneinrichtung wie zu Omas Zeiten gibt es nur hier.
Wasserturm in der Nähe von Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Wasserturm in der Nähe von Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Etwas außerhalb liegt der Wasserturm der Stadt. Sollte gerade Tag der offenen Tür sein – unbedingt nutzen und bis ganz nach oben steigen, der Ausblick ist herrlich. Aber auch von außen ist der rote Riese seit seiner Restauration hübsch anzuschauen und auch von unten hat man einen tollen Blick auf Mittweida.

 

 


Hochschulen im Überblick

 

Hochschule Mittweida

Hochschule Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Hochschule Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Dass der Erfinder der Automarke Audi aus einer kleinen Provinz im Herzen Sachsens kommt, mag kaum einer glauben. Ist aber so. August Horch begann am „Technikum Mittweida“ seine Karriere. Mit ihm auch Walther Bruch, der Erfinder des PAL-Systems, das Menschen in aller Welt heutzutage ein farbiges Fernsehbild beschert. Diese Liste ließe sich noch um einige bedeutende Erfinder fortsetzen (wie Friedrich Opel – der Gründer der gleichnamigen Automarke). Bis heute genießt die Hochschule einen sehr guten Ruf, vor allem was die technischen und die Medienstudiengänge betrifft. Ein überschaubarer Campus und unzählige Auslandskooperationen sind nur zwei der Vorteile der Hochschule, die rund 4000 Studierende zählt. Dass der Mathedozent aus dem ersten Bachelorsemester einen selbst noch im Masterstudium grüßt, spricht für sich.
Auch unter den ausländischen Studierenden ist Mittweida sehr beliebt. Viele kommen aufgrund der Empfehlung von Kommilitonen, die bereits hier waren, zum Studium. Viele Austauschstudierenden kehren nach ihrem ersten Aufenthalt zurück, planen es oder haben noch in Mittweida verlängert.


Freizeit in Mittweida

 

Zschopautal, Foto: Horschig/DAAD
Zschopautal, Foto: Horschig/DAAD
An Frühlings- und Sommertagen lädt die Aue des Flusses Zschopau in Lauenhain ein, 20 Minuten Fußweg von Mittweida. Dort kannst du sowohl auf der Wiese liegen und deine Ruhe genießen, ein Tretboot leihen und über das Wasser fahren. Wenn du keine Lust auf Anstrengung hast, lass dich mit der Fähre auf dem Fluss herum schippern - und fahr dann am besten gleich bis zur Talsperre Kriebstein. Dort gibt es Kultur und Action nah beieinander. Im Sommer spielt das Ensemble des Mittelsächsischen Theaters auf der Seebühne. Egal ob „Die Schatzinsel“ oder „Odysseus“ – sich ein Stück anzuschauen lohnt in jedem Fall! Die Schauspieler leisten ganzen Körpereinsatz und so kann es auch schon vorkommen, dass ein Darsteller platschend im Wasser der Talsperre landet. Nebenan liegt gleich der Kletterwald, wo du dich wie Tarzan von Seil zu Seil schwingen kannst. Je sicherer du in den Seilen bist, desto höher geht es hinaus. 
Die Burg Kriebstein, zehn Minuten von der Talsperre entfernt, ist eine der schönsten Burgen in Mittelsachsen und definitiv einen Besuch wert, nicht zuletzt wegen des Ausblicks, den du von dort auf das Flusstal hast. Besonders lohnt sich dafür eine Führung durch den Turm. Zurück nach Mittweida geht es entweder per Bus oder wieder mit der Fähre.
Marktplatz in Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Marktplatz in Mittweida, Foto: Horschig/DAAD
Wenn nach einem langen Tag der Magen knurrt, ist ein Stopp im Dönerimbiss „Bosporus“ sehr empfehlenswert. Der liegt in der Nähe der Bäckerei Blochberger in der Rochlitzer Straße 74. Sehr freundliches Personal und eine angenehme Atmosphäre laden zum Essen ein. Mit ein bisschen Glück serviert Inhaber Hamit auch einen knallgrünen Apfeltee, der aufs Haus geht.
Auf einen Absacker geht es danach in den „Wintergarten“ an der Ecke Heinrich-Heine-Straße/ Bahnhofstraße. Die Besitzerin hat der Bar einen amerikanischen Touch gegeben, da sie selber längere Zeit in den USA gelebt hat. Die Getränkepreise sind dort studentenfreundlich, weshalb du dort immer junge Leute treffen wirst. Willst du dich lieber berieseln lassen, geh doch ins Kino! Dienstags ist Studententag und Mittwoch „Tag des besonderen Films“. Hier legt der „Filmvorführer“ noch ganz altmodisch die Filmrollen vor jedem Film ein!


Interview mit Muath aus Jordanien

 

Muath Bani Amer aus Jordanien studiert seit dem Sommersemester 2010 an der Hochschule Mittweida. In seiner Heimat studiert der 23-Jährige Biomedical Engineering an der Deutsch-Jordanischen Universität in Amman.

Muath Bani Amer, Foto: Horschig/DAAD
Muath Bani Amer, Foto: Horschig/DAAD
Muath, du hast deinen Aufenthalt in Mittweida nach einem Jahr um ein weiteres Semester verlängert. Warum?
Ganz einfach, Mittweida ist sehr schön.

Warum hast du Mittweida für deinen Auslandssemester gewählt?
Ich hatte neben Mittweida die Wahl zwischen Lübeck, Gießen, Dresden und Berlin. Aber Studenten, die bereits hier waren, haben mir so viel über Mittweida erzählt, dass ich unbedingt hier hin wollte.

Und du hast deine Entscheidung nicht bereut?
Nein, Mittweida ist eine tolle Kleinstadt. Alle Leute sind wie eine Familie. In einer großen Stadt ist man nur einer von vielen, hier nehmen einen die Leute wichtiger. Auch die Betreuung im Akademischen Auslandsamt ist ein wichtiger Grund dafür. Wenn ich könnte, würde ich immer hier bleiben! Es ist wie meine zweite Heimat geworden.

Welche Orte magst du in Mittweida besonders?
Den Schwanenteichpark! Wenn ich traurig oder nervös bin, gehe ich dort hin zum Spazieren oder einfach nur Dasitzen.  Es ist dort so schön ruhig.  Ich bin auch gern im Dönerimbiss  von Hamit.

Was machst du in deiner Freizeit gern?
Im Sommer machen wir fast jeden Tag eine Grillparty mit den internationalen Studenten. Wir sind wie eine Familie. Mittweida ist wirklich eine großartige Chance für ausländische Studenten.


Nützliche Links

 

Studentenwerk Freiberg - auch für Mittweida zuständig
Informationen über Mittweida
Kletterwald in Kriebstein
Kriebstein-Talsperre

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.