Das Ruhrgebiet: Studieren im ''Pott''

Im Herzen eines der größten Ballungsgebiete Europs liegen die Städte Bochum, Duisburg und Essen. Das Ruhrgebiet lockt Studierende aus aller Welt nicht nur mit jungen Universitäten und renommierten Forschungsinstituten, sondern auch mit einem vielseitigen Kultur- und Freizeitangebot.

von Janna Degener


Das Ruhrgebiet auf einen Blick

 

Zeche Zollverein, Foto: Ruhr Tourismus/Jochen Schlutius
Zeche Zollverein, Foto: Ruhr Tourismus/Jochen Schlutius
„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt!“ besang der bekannte deutsche Musiker Herbert Grönemeyer in den achtziger Jahren seine Heimatstadt Bochum. Wie Duisburg und Essen liegt Bochum mitten im größten Ballungsgebiet Deutschlands, dem Ruhrgebiet. Im Herzen Europas gelegen, bildet das Ruhrgebiet gemeinsam mit dem Rheinland eine Metropolregion, die sich mit seinen rund 11 Millionen Einwohnern und seiner ausgebauten Infrastruktur an Städten wie London oder Paris messen lassen kann. Lange Zeit galt die ehemalige Industrieregion als schwarze Lunge Deutschlands. Inzwischen aber schätzen  Studierende aus aller Welt nicht nur die sauberere Luft, sondern auch die dichte Bildungs- und Forschungslandschaft und das vielfältige Freizeit- und Kulturprogramm in der Region: Ob du gerne shoppen gehst oder lieber in Szenediskos abtanzt, Kunstaustellungen oder Bundesligaspiele besuchen möchtest – hier kommst du ganz bestimmt auf deine Kosten. Eine Besonderheit der Region ist die so genannte Industriekultur, die aus dem Umbau ehemaliger Produktionsstätten entstanden ist: Wo früher Kohle gefördert wurde, gibt es jetzt Kunst- und Designausstellungen. Und wo damals die Schornsteine der Hochöfen rauchten, schlendern Bewohner und Touristen heute durch grüne Erholungsgebiete. Stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet war die Stadt Essen deshalb zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 gewählt worden.


Hochschulen im Überblick

 

Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Audi-Max der Ruhr-Uni Bochum, Foto: Ruhr-Uni Bochum
Audi-Max der Ruhr-Uni Bochum, Foto: Ruhr-Uni Bochum
1965 wurde die Ruhr-Universität Bochum als erste neue Universität der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. Heute gilt sie mit ihren rund 32000 Studierenden nicht nur als eine der ganz großen Unis, sondern auch als Vorreiterin bei der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Über 4000 ausländische Studierende aus rund 120 Nationen sind an der RUB Zuhause. In fünf Minuten vom Hörsaal in die Mensa? Mit den Natur-, Ingenieur- und Geisteswissenschaften, sowie der Medizin sind alle großen Disziplinen auf einem großen Campus vereint. Kurze Wege erleichtern hier nicht nur den Alltag, sondern auch einen interdisziplinären Austausch. Fachübergreifende Forschungsschwerpunkte sind u. a. Neurowissenschaften, Proteinforschung, Strukturbiologie, Plasmaforschung, Systemchemie, Materialwissenschaften, IT-Sicherheit und Religionswissenschaft.

Universität Duisburg-Essen
Wie die Ruhr-Universität Bochum gehört die Universität Duisburg-Essen mit rund 32 000 zu den größten Universitäten Deutschlands, fast 5000 Studierende kommen aus dem Ausland. Die jüngste Universität Nordrhein-Westfalens ist 2003 durch die Fusion der Gesamthochschulen in Duisburg und Essen entstanden und hat bis heute in jeder der der beiden Städte einen Campus. In der Forschung setzt die Universität auf fünf Profilschwerpunkte: Nanowissenschaften; Genetische Medizin und Medizinische Biotechnologie; Urbane Systeme, Logistik und Verkehr; Wandel von Gegenwartsgesellschaften sowie schließlich die Empirische Bildungsforschung.



Freizeit im Ruhrgebiet

 

Innenhafen Duisburg, Foto: Ruhr Tourismus/Jochen Schlutius
Innenhafen Duisburg, Foto: Ruhr Tourismus/Jochen Schlutius
Vormittags in Europas größtem Einkaufszentrum "Centro" in Oberhausen shoppen, nachmittags Kunstbesichtigungen im Essener Museum Folkwang oder dem Duisburger Wilhelm-Lehmbruck Museum und dann am Abend ein Besuch im lauten Bochumer Musical Starlight-Express – dank der guten Verkehrsanbindungen ist so ein vielfältiges Tagesprogramm im Ruhrgebiet möglich. Und mit dem supergünstigen NRW-Ticket für Studierende spricht auch nichts gegen einen Abstecher in die Rheinmetropolen Düsseldorf oder Köln oder sogar ins benachbarte Holland.
Wer sich für die Geschichte des Ruhrgebiets interessiert, kann auf der Route der Industriekultur bis zu 52 herausragende Zeugnisse der industriellen Vergangenheit bestaunen. Im Rahmen der Ruhrtriennale verwandeln sich die bekanntesten Industriedenkmäler des Ruhrgebiets wie die Zeche Zollverein in Essen, der Landschaftspark Duisburg-Nord oder die Jahrhunderthalle Bochum zu Aufführungsorten für Musik, Theater, Literatur und Tanz. Und wer die Nächte lieber in Kneipen oder Biergärten verbringt, kommt am Wochenende im Bochumer Bermuda-Dreieck oder dem Duisburger Innenhafen auf seine Kosten. Schließlich bieten Duisburg, Essen und Bochum mit  der Sechs-Seen-Platte, dem Baldeneysee, dem Kemnader Stausee und zahlreichen Radwanderwegen auch Natur- und Wanderfreunden ein Zuhause.



Interview mit Ju aus China

 

Die Chinesin Ju Zhang (28) macht sie der Universität Duisburg-Essen ihren Master in Technischer Logistik und Maschinenbau. Im Interview berichtet sie von ihrem Leben in Duisburg.

Ju Zhang, Foto: privat
Ju Zhang, Foto: privat
Warum hast dich dafür entschieden, in Duisburg zu studieren?
Ich wollte in Deutschland studieren und meine chinesische Uni hat ein Austauschprogramm mit der Uni Duisburg-Essen. Deshalb habe ich mich für die Stadt entschieden. Das war also eher Zufall. Später habe ich gelesen, dass es für meinen Studiengang Technische Logistik die beste Uni in Deutschland sein soll.

Wie hast du dir das Ruhrgebiet vorgestellt, als du noch in China warst?
Ich habe im Geographie-Unterricht in der Grundschule sehr viel über das Ruhrgebiet gelernt. In der Klassenarbeit mussten wir Dortmund, Leverkusen und Duisburg auf einer Karte eintragen. Daran erinnere ich mich sehr gut. Damals habe ich mir beim Gedanken an das Ruhrgebiet viel Industrie und Hochhäuser vorgestellt und Schiffe mit schwarzem Rauch, die über die Ruhr und den Rhein fahren. (lacht)

Und wie würdest du es jetzt beschreiben?
Es stimmt ja, dass das Ruhrgebiet traditionell ein Industriegebiet ist. Aber schmutzig ist es hier nicht und der Himmel ist blau. Ich habe noch nie so ein grünes und sauberes Industriegebiet gesehen. Außerdem sind viele alte Industriegebäude umgebaut worden, zum Beispiel zu Museen.

Und wie gefällt dir das Leben in Duisburg?
Sehr gut! Die Menschen sind sehr offen und es gefällt mir, dass sie sehr direkt sind (lacht). Die Stadt bietet auch sehr viel. Ich gehe zum Beispiel gerne in den Landschaftspark. Da kann man sich Spuren der alten Stahlindustrie ansehen, aber auch einfach seine Zeit genießen: Wandern, Kaffee trinken, Spaß haben. Das gefällt mir sehr gut. Und ich bin ein großer Fan vom Duisburger Zoo.

Hast du noch mehr Freizeittipps für Studenten, die neu in die Stadt kommen?
Wenn man nach Duisburg kommt, sollte man in eins der vielen Museen gehen. Mir hat zum Beispiel das Lehmbruck Museum gut gefallen. Einkaufen kann man am besten in der Königsstraße und im Eiscafé Panciera kann man meiner Meinung nach das beste Eis essen. Zwischen April und Oktober kann man auch Hafenrundfahrten in Innenhafen machen, dabei erfährt man viel über die Industriegeschichte von Duisburg.



Nützliche Links

 

Informationen der Ruhr-Universität Bochum mit Links zur Kultur in Bochum und dem Ruhrgebiet
Informationen zum Leben in Duisburg und Essen, dem öffentlichen Nahverkehr und dem Kulturleben Studentenwerke der Ruhr-Universität Bochum und der Uni Duisburg Essen
Informationen zum Freizeit- und Kulturprogramm findest du auf den Portalen von Duisburg nonstop, Ja-zu-Bochum.de, Metropohle Ruhr

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.