Heidelberg: Historisch und modern zugleich

Wenige Universitäten können auf eine Geschichte zurückblicken, die bis ins Jahr 1386 zurückreicht. Doch die älteste Universität Deutschlands hat mehr zu bieten als lange Tradition. In der malerischen Altstadt am Ufer des Neckar genießen Austauschstudenten auch das Ambiente ihres Studienortes.

von René Andrée


Heidelberg auf einen Blick

 

Heidelberger Altstadt, Bild: Andrée/DAAD
Heidelberger Altstadt, Bild: Andrée/DAAD
Schnell wirst du dich hier orientieren können und mit Sicherheit wohlfühlen. Im Norden des Bundeslandes Baden-Württemberg gelegen, ist Heidelberg mit nur 145 000 Einwohnern, davon über 30 000 Studenten, eine überschaubare Stadt. Ihre Größe macht sie gemütlich, ihre Lage in einem Tal zwischen bewaldeten Bergen geradezu idyllisch. Für viele ist Heidelberg der Inbegriff deutscher Romantik, nicht nur weil auf einem der umliegenden Berge, dem Königstuhl, hoch über der Stadt die berühmte Heidelberger Schlossruine thront.
Unterhalb des Schlosses liegt die Heidelberger Altstadt, das kulturelle und kommerzielle Zentrum, wo sich ein großer Teil des studentischen Lebens abspielt. Auf der gegenüber liegenden Seite des Neckar erhebt sich der Heiligenberg, ein Ausläufer des Odenwalds. Wer gerne wandert, kommt dort auf hügeligen Pfaden voll auf seine Kosten. Sogar berühmte Schriftsteller wie Goethe oder Hölderlin haben auf dem „Philosophenweg“ schon ihre Gedanken schweifen lassen.
Weiter westlich erstreckt sich das Neuenheimer Feld. Dort ist auf einem eigenständigen Campus der naturwissenschaftliche Teil der Heidelberger Uni untergebracht. Außerdem befindet sich auf dem Campus die Uniklinik und nicht weit davon das riesige Sportzentrum der Uni.
Aber sollte es dir in der Stadt einmal zu eng werden, kannst du von einem der drei S-Bahnhöfe im Stadtgebiet bequem und direkt nach Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen fahren. Der Hauptbahnhof bietet außerdem schnelle Verbindungen nach Frankfurt und Stuttgart. Alle diese Städte sind in weniger als einer Stunde zu erreichen.


Hochschulen im Überblick

 

Ruprecht-Karls-Universität

Alte Uni, Bild: Andrée/DAAD
Alte Uni, Bild: Andrée/DAAD
Die Uni Heidelberg ist eine Volluniversität mit rund 25 000 Studenten, mehr als 400 Professoren, über 3500 wissenschaftlichen Mitarbeitern, aufgeteilt auf zwölf Fakultäten. Neun Nobelpreise gingen bisher nach Heidelberg, der letzte im Jahr 2008 an den Krebsforscher Harald zur Hausen. Man kann in Geistes-, Natur- und sogenannten Lebenswissenschaften (fast) alles studieren. Seit 2007 zählt sie zu den „Elite-Unis“.
Etwa 20 Prozent der Immatrikulierten kommen nach Angaben der Uni aus dem Ausland. Heidelberg steht damit an der Spitze klassischer Universitäten in Deutschland. Vielleicht liegt es aber auch an ihrem guten Ruf in der naturwissenschaftlichen Forschung. Viele graduierte Studenten fühlen sich außerdem von den vier Heidelberger Max-Planck-Instituten angezogen. Hier arbeiten Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt an „Papers“ für ihre wissenschaftliche Karriere.

Fachhochschule Heidelberg
Außerhalb des Stadtzentrums, im grünen Stadtteil Wieblingen, liegt die Fachhochschule der SRH. Sie ist eine private, praxisorientierte Hochschule mit knapp 2000 Studenten. Das Angebot umfasst hauptsächlich Studiengänge, die von der Ruprecht-Karls-Uni nicht angeboten werden, wie Architektur und ingenieurwissenschaftliche Ausbildungen.

Hochschule für Jüdische Studien (HfJS)
In Heidelberg gibt es die einzige Hochschule Deutschlands nur für jüdische Studien. Die HfJS wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragen. Die Studierenden der HfJS haben die Möglichkeit, ihr Studium mit Fächern an der Ruprecht-Karls-Universität (s. oben) zu kombinieren.

Pädagogische Hochschule
Circa 4000 zukünftige Lehrer an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen werden an der Pädagogischen Hochschule (PH) ausgebildet. Die PH ist eine eigenständige Hochschule, auch wenn sich ihr Hauptgebäude dem Neuenheimer Campus der Ruprecht-Karls-Uni befindet.

Hochschule für Kirchenmusik
In der Hochschule für Kirchenmusik geht es für viele der etwa 500 Studenten darum, Gottesdienste musikalisch zu gestalten.



Freizeit in Heidelberg

 

Hauptstraße Heidelberg, Bild: Andrée/DAAD
Hauptstraße Heidelberg, Bild: Andrée/DAAD
Egal, an welcher Hochschule du studierst, in Heidelberg wirst du dich nicht langweilen. Der naturwissenschaftliche Campus der Ruprecht-Karls-Universität, das Neuenheimer Feld, ist eine eigene Welt mit Geschäften und Wohnheimen. Besonders die Mensa „Chez Pierre“ ist beliebt für ihre regelmäßigen Erasmus-Partys.
Der größere Teil des studentischen Lebens spielt sich allerdings in der Altstadt ab. Gleich neben der Hauptstraße, der Shopping-Meile der Stadt, reihen sich auf der "Unteren Straße" die Kneipen dicht aneinander. Besonders der „Mohr“, die „Destille“ oder die „SonderBar Betreutes Trinken“ sind bei Studierenden sehr beliebt. Viele gehen nach dem Kneipenbesuch noch in die kleine Diskothek „Tangente“ in der Kettengasse, ein paar hundert Meter südlich der Unteren Straße.
Am Nachmittag ist während des Sommers die „Neckarwiese“ entlang des Neuenheimer Ufers einer der wichtigsten Anlaufpunkte. Viele Studenten nutzen die riesige Grünfläche entlang des Neckar für Sport und Spiele oder sonnen sich einfach. Manche verlagern ihre Lektüre bei gutem Wetter kurzerhand von der Bibliothek hierher. Bis spät abends wird dort gegrillt. Aber aufgepasst: Grillen ist nur in den ausgewiesenen Grillzonen erlaubt! Oft gibt es auf der Westseite gleich neben der Brücke größere Veranstaltungen. Auf der anderen Seite der Brücke kann man dagegen Tret- und kleine Motorboote mieten.
Schloss Heidelberg, Bild: Andrée/DAAD
Schloss Heidelberg, Bild: Andrée/DAAD
Sportlich Interessierte finden im gut ausgestatteten Sportzentrum des Neuenheimer Feldes mit seinem Fitnessstudio und dem Olympiastützpunk, einem 50-Meter-Hallen-Schwimmbecken und dem nur im Sommer geöffneten „Freizeitbad Tiergartenstraße“ ein Mekka. Für Studierende können aus einem umfangreichen Kursangebot wählen: Von Krafttraining über verschiedene Tanzkurse bis zu Ballsportarten ist alles dabei. Die Meisten davon sind noch dazu kostenlos. Auch außerhalb des Sportzentrums gibt es Kurse, etwa im Rudern auf dem Neckar.
Das Studentenwerk bietet dir viele nützliche Dienstleistungen. Es betreibt Cafeterien und drei große Mensen, davon zwei in der Altstadt und eine im Neuenheimer Feld. Die Speisepläne gibt es im Internet. Zudem vermietet das Studentenwerk insgesamt 3500 Plätze in Wohnheimen und hilft bei der Vermittlung von privatem Wohnraum.
Die unabhängige Studentenzeitung "Ruprecht" informiert dich über das Geschehen an der Uni. In der Redaktion können nicht nur deutsche Studierende mitarbeiten, sondern auch ausländische und so ihre Sprachkenntnisse vertiefen. Wer kulturell interessiert ist, wird sich über die Studierendenangebote des Heidelberger Theaters und Philharmonischen Orchesters, beispielsweise die „Unicard“ freuen. Im Sommer spielt das Theater sogar Stücke auf einer Bühne im Hof des Heidelberger Schlosses.


Interview mit Matthew Angle aus den USA

 

Matthew Angle ist PhD-Student am Heidelberger Max-Planck-Institut für medizinische Forschung (MPImF). Für study-in.de hat er einige Fragen beantwortet.

Matthew Angle, Bild: privat
Matthew Angle, Bild: privat
Warum hast du dir gerade Heidelberg ausgesucht?
Ich wusste zwar kaum etwas über die Stadt und noch weniger über die Uni. Aber ich war mir über die besonderen wissenschaftlichen Möglichkeiten am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung klar. Im Rückblick bin ich froh, dass meine Arbeitsgruppe hier ist und nicht an einem kälteren, dunkleren Flecken auf der Welt.

Was gefällt dir am PhD-Programm, das du hier absolvierst?
Die Flexibilität der Fakultät für Biowissenschaften und ihre enge Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für medizinische Forschung haben mir unheimlich geholfen. Für amerikanische Studenten kann das Zulassungsverfahren an deutschen Universitäten abschreckend sein. Deshalb war es umso schöner, dass die Verwaltung sehr hilfsbereit war. Sie hat versucht, den bürokratischen Aufwand für mich zu minimieren. Was mir besonders gefällt, ist, dass die PhD-Programme am MPImF viel Autonomie zulassen. Ich finde es gut, dass graduierte Studenten in Deutschland selbst zwischen stärker strukturierten und freieren Stellen wählen können. Die größere Freiheit zum amerikanischen oder britischen System ist vielleicht das, was mir am meisten gefällt.

Was ist dein Eindruck von der Stadt?
Für mich als US-Amerikaner ist es kaum zu glauben, dass eine Stadt gleichzeitig interessant und sicher sein kann. Ein so dicht bevölkerter und pulsierender Ort wie Heidelberg praktisch ohne Gewaltverbrechen ist für uns utopisch. Ich bin auch immer wieder erstaunt, was für eine gebildete Stadt Heidelberg ist, selbst im Vergleich mit anderen kleinen Städten, die eine große Universität haben. Fast jeder, den man trifft, ist entweder Arzt, Forscher, Professor oder Student. Das ist eine statistische Anomalie, die allerdings etwas abgemildert wird durch die Massen amerikanischer Touristen, die sich in der Altstadt herumtummeln.
Wenn mich jemand fragt, was er sich unbedingt ansehen soll, nenne ich neben den bekannten Sehenswürdigkeiten immer drei Dinge: Den fantastischen Falafel-Imbiss bei der Jesuitenkirche, einen gut sortierten indischen Lebensmittelladen beim „Bauhaus“ in der Weststadt („Masala“) und „Salve“, eine Bar, in der ich den besten Cappuccino außerhalb von Italien getrunken habe. Glücklicherweise ist sie gleich auf der anderen Straßenseite meines Instituts.

Was hast du als Nächstes vor?
Zunächst einmal habe ich viel Arbeit in Heidelberg. Danach werde ich mich wahrscheinlich um eine Stelle in den USA bemühen. Aber etwas Konkretes habe ich noch nicht geplant.


Weitere Links

 

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Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.