Dortmund: Zwischen Industrie, IT und Borussia

Die Heimat von Borussia Dortmund hat sich nicht nur als Fußball-, sondern auch als Industrie- und Arbeiterstadt einen Namen gemacht. Doch heute setzt die Dortmunder Wirtschaft nicht mehr auf Kohle, Stahl und Bier, sondern auf Dienstleistungen und Zukunftstechnologien. Die Hochschulen der Stadt sind für ihren IT-Schwerpunkt bekannt.

von Janna Degener



Dortmund auf einen Blick

 

Dortmund Markt, Foto: DAAD/Hagenguth
Dortmund Markt, Foto: DAAD/Hagenguth
Mit 600 000 Einwohnern ist Dortmund die größte Stadt Westfalens. Die Großstadt liegt am östlichen Rand des Ruhrgebiets und war lange für ihre Kohleöfen, Stahlhütten und Brauereien bekannt. Mit der Schließlung dieser wichtigen Produktionsstätten wurden aus Industriestandorten ungenutzte Landflächen und aus Arbeitern Arbeitslose. Inzwischen wurden hier wie in anderen Städten des Ruhrgebiets Minen durch Museen und Fabriken durch Hochschulen ersetzt. Ein sichtbares Beispiel für diese Entwicklung ist das "Dortmunder U" auf dem ehemaligen Gebäude der Union-Brauerei in der Innenstadt, das heute als Kulturzentrum genutzt wird. Wenn du dich für Brauereien, Hochöfen und Wassertürme, Siedlungen und Kasernen, Schächte und Hütten interessierst, kannst du solche Orte der industriellen Vergangenheit der Stadt auf der Dortmunder Route der Industriekultur (Route 6) besichtigen. Seit die heutige Technische Universität 1968 als erste Hochschule der Stadt gegründet wurde, lockt Dortmund auch Studierende an. Besonders bekannt sind die Dortmunder Hochschulen für ihren Informatik-Schwerpunkt: Rund 6 000 Studierende sind hier allein in den IT-Fächern eingeschrieben. Zum guten Ruf der Disziplin trägt auch der mit rund 280 Unternehmen größte Technologiepark Europas bei, der sich direkt neben dem Universitätscampus befindet. Mit der Initiative dortmund-project versuchen Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft heute, Dortmund als Standort für High-Tech-Unternehmen attraktiver zu machen. Auch der Wohn- und Freizeitwert der Stadt soll erhöht werden, indem man alte Industrieflächen wiederbelebt. Auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks im Stadtteil Hörde zum Beispiel entsteht zur Zeit ein neuer künstlicher See, neben dem bald auch moderne Wohn- und Büroanlagen entstehen sollen.



Hochschulen im Überblick

 

Technische Universität Dortmund (TU)

Mensa der TU Dortmund, Foto: TU Dortmund
Mensa der TU Dortmund, Foto: TU Dortmund
Vom Dortmunder Hauptbahnhof bis zur S-Bahn-Haltestellte „Universität“ sind es nur fünf Minuten und schon sieht man die modernen Gebäude und großen Grünflächen des Hochschulcampus. Um von Campus Nord bis Campus Süd zu kommen, kann man die universitätseigene "H-Bahn" nutzen, die auch bis zum angrenzenden Technologiepark fährt. Ein Max-Planck-Institut und zwei Fraunhofer-Institute befinden sich in unmittelbarer Nähe und tragen zum guten Ruf der Universität bei. An der größten Hochschule der Stadt studieren rund 21 500 Menschen, von denen etwa ein Zehntel aus dem Ausland kommt. Jedes Semester werden die neuen Studierenden von der Rektorin im größten Hörsaal der Stadt begrüßt – dem Stadion von Borussia Dortmund.

Fachhochschule Dortmund (FH)
Neben dem Campus der Technischen Universität nutzt die Fachhochschule Dortmund zwei weitere Standorte in Innenstadt-Nähe. Mit ihren rund 8 200 Studierenden ist sie viel kleiner als die TU. Von Architektur und Design über Informatik und Ingenieurswissenschaften bis hin zu angewandter Sozialwissenschaft und Wirtschaft bietet sie eine große Bandbreite an berufsvorbereitenden und angewandten Studienfächern.

Fachhochschule für Ökonomie & Management (FOM)
Als kleine private Hochschule richtet sich die Fachhochschule für Ökonomie und Management Dortmund an Menschen, die neben Ausbildung oder Beruf einen Bachelor- oder Masterabschluss erlangen möchten.

International School of Management (ISM)
Die private International School of Management in Dortmund bietet seit 1990 verschiedene Studiengänge im Bereich BWL an. Seit 2000 werden am IT-Center Dortmund (ITC) (http://www.itc-dortmund.de/) IT-Spezialisten für die Wirtschaft ausgebildet.



Freizeit in Dortmund

 

Fernsehturm Florian, Foto: Alexostrov/Wikicommons
Fernsehturm Florian, Foto: Alexostrov/Wikicommons
Wenn du das erste Mal nach Dortmund kommst, kannst du dir vom Fernsehturm „Florian“ aus in einer Höhe von 137 Metern einen Überblick über die Stadt und das Umland verschaffen. Und dann hast du die Wahl:
Hast du Lust auf einen Spaziergang in der Natur? Dann kannst du gleich im Westfalenpark bleiben und dir entlang des Rosenwegs rund 2 600 verschiedenen Rosensorten und –arten ansehen. Grünflächen findest du außerdem im  Fredenbaumpark im Norden und im Rombergpark im Süden. Möchtest du lieber shoppen gehen? Dann bist du in der Innenstadt richtig: In der Fußgängerzone entlang des Westenhellwegs und des Ostenhellwegs oder in der Brückstraße findest du viele Geschäfte. Immerhin soll die Dortmunder Fußgängerzone eine die beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands sein!
BVB-Fan, Foto: Stadt Dortmund / Agentur Gerd P
BVB-Fan, Foto: Stadt Dortmund / Agentur Gerd P
Du hast einen Regentag erwischt? Dann besuch doch eines der zahlreichen Museen, etwa die ehemalige Kokerei Hansa oder das Brauereimuseum. Wenn du dann auf den Geschmack gekommen bist, kannst du dich gleich in das Dortmunder Nachtleben stürzen. Kneipen und Cafés findest du auf dem Campusgelände, im schicken Kreuzviertel oder auch in der Innenstadt. Tanzen kann man im "Nightrooms" oder dem zuHouse Club und Jazzfreunde kommen im Domicil auf ihre Kosten. Du gehst nicht gerne in die Disko? Du kannst auch einen Theaterabend in einem der größten deutschen Theater verbringen oder bei einem Heimspiel des Fußballclubs Borussia Dortmund in ein Meer schwarz-gelber Fans eintauchen. Und wenn in Dortmund nichts für dich dabei ist, bist du mit der Bahn in wenigen Minuten in einer der der zahlreichen großen Nachbarstädte des Ruhrgebiets.



Interview mit Ekaterina aus Russland

 

Die Russin Ekaterina studiert im 5. Semester Sozialarbeit an der FH Dortmund. Zurzeit absolviert sie ihr Praxissemester im International Office der Fachhochschule.

Ekaterina, Foto: privat
Ekaterina, Foto: privat
Warum hast du dich entschieden, an der FH Dortmund zu studieren?
Ich bin vor dreieinhalb Jahren als Au Pair-Mädchen nach Deutschland gekommen, weil mein Freund in Dortmund lebt. Das Leben in Deutschland hat mir so gut gefallen, dass ich danach unbedingt hier bleiben wollte. Ich habe zwar in Russland schon ein Diplom in Psychologie gemacht, aber das wird mir hier nicht anerkannt. Deshalb habe ich mich entschieden, noch einmal zu studieren. An der FH gefällt mir besonders, dass der Akzent mehr auf die Praxis gelegt wird als an einer Uni.

Was gefällt dir an dem Leben in Deutschland?
Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Leute sind sehr nett und offen für neue Kontakte, das gefällt mir sehr. Außerdem finde ich es gut, dass hier viele kulturelle Veranstaltungen organisiert werden. Ich war zum Beispiel bei einer Veranstaltung des Ruhr.2010-Projekts in der Zeche Zollverein in Essen. Die ist einfach gigantisch und von Dortmund aus super zu erreichen. Gerade hier in der Region sind so viele Städte, hier ist immer was los.

Wie verbringst du deine Freizeit in Dortmund?
Wenn ich Besuch aus Russland bekomme, zeige ich gerne den Westfalenpark, weil er so gepflegt ist und eine ruhige Atmosphäre hat. Außerdem gehe ich gerne in den Revierpark Wischlingen. Da kann man nicht nur baden, sondern auch Schlittschuh laufen oder Inliner fahren. Und bei schönem Wetter kann man im Park einfach einen Spaziergang machen. Außerdem gefällt mir der Dortmunder Zoo, weil er kleiner und gemütlicher ist als die Zoos in Köln oder Wuppertal. Und einmal war ich bei einem Fußballspiel im Signal Iduna Park, dem ehemaligen Westfalenstadion – die Maßstäbe des Stadions und die Atmosphäre des Fußballspiels waren beeindruckend!

Hast du sonst noch Tipps, was man in Dortmund unternehmen kann?
Das Internationale Kultur-Café "Between" (IKC) an der FH organisiert viele Veranstaltungen, zum Beispiel interkulturelle Abende auf dem Campus, wo man deutsche und internationale Studenten kennenlernen kann. Überhaupt findet das Studentenleben hauptsächlich auf dem Campus zwischen der Fachhochschule und Technischen Universität statt: Hier sind die Studentenwohnheime und die Kneipen. Diskos findet man aber in der Innenstadt.



Nützliche Links

 

Die Internetseite von Dortmund
Handbuch der TU für internationale Studierende mit hilfreichen Tipps für das tägliche Leben in Dortmund 
Wohnungssuche in Dortmund
Über das ktuelle Freizeitprogramm von Dortmund kannst du dich auf den Portalen von HeinzCoolibri oder donight.de informieren.

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.