Braunschweig: die Stadt, die Wissen schafft

Braunschweig hatte lange ein Imageproblem: Zu Zeiten der DDR lag die Stadt im „Zonenrandgebiet“ und galt als wenig attraktiv. Zu unrecht! Denn heute ist Braunschweig nicht nur eine Traditionsstadt, sondern auch boomendes Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum.

von Katharina Mutz



Braunschweig auf einen Blick

 

Braunschweiger Löwe, Foto: DAAD/Hagenguth
Braunschweiger Löwe, Foto: DAAD/Hagenguth
Die beschauliche Altstadt sieht nicht danach aus, aber: Braunschweig ist der Top-Innovationsstandort Europas. Laut einer EU-Studie von 2009 ist Braunschweig nämlich die Stadt, die am meisten in Wissenschaft und Forschung investiert. Deshalb ernannte der Stifterverband der deutschen Wissenschaft Braunschweig 2007 zur „Stadt der Wissenschaft“. Und auch für die Wirtschaft ist Braunschweig attraktiv: VW, Intel und Siemens sind nur einige der großen Firmen, die sich hier angesiedelt haben. Die Stadt, in der so viele kluge Köpfe an neuen Technologien arbeiten, kann aber auch auf eine lange Tradition zurückblicken, und das tun die Braunschweiger nicht ohne Stolz: Schließlich war Braunschweig im Mittelalter eine mächtige Residenzstadt – bis heute zeugen die Burg Dankwarderode und der Braunschweiger Dom von der einstigen Größe der Stadt. Deren Bau veranlasste Heinrich der Löwe, der Herzog von Sachsen und Bayern. Wie der Name schon sagt, wählte Heinrich den Löwen zu seinem Wappentier und bis heute gilt der König der Tiere als das Wahrzeichen der Stadt. Übrigens ist Braunschweig auch landschaftlich reizvoll gelegen: Ein Fluss, die Oker, umschließt den Stadtkern und lädt im Sommer dazu ein, an seinen Ufern zu entspannen. Die TU liegt übrigens in unmittelbarer Nähe…



Hochschulen im Überblick

 

Technische Universität Braunschweig

Altes Gebäude der TUBraunschweig, Foto: WikiCommons/Brunswyk
Altes Gebäude der TUBraunschweig, Foto: WikiCommons/Brunswyk
Die TU Braunschweig war die erste technische Universität Deutschlands überhaupt. Schon 1745 gründete der Herzog Carl von Braunschweig-Lüneburg die Hochschule, zu deren ersten Studierenden übrigens der berühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauß gehörte. Zu den Schwerpunkten der TU zählen heute die Ingenieur- und Naturwissenschaften. Aber natürlich können die rund 13.500 Studierenden an den sechs Fakultäten auch andere Fächer, zum Beispiel Wirtschafts- oder Geisteswissenschaften studieren. Ein Studium an der TU ist renommiert, und das hat gute Gründe: Schon in den ersten Semestern ist das Studium sehr praxisorientiert. Die Studierenden forschen und entwickeln eigene Ideen zu so verschiedenen Bereichen wie digitalem Fernsehen, Autobau oder Systembiologie. Auch der „Campus Forschungsflughafen“, der am Forschungsflughafen Braunschweig gerade gebaut wird, bietet den Studierenden tolle Möglichkeiten: In unmittelbarer Nähe zu einem der führenden Zentren für den Automobilbau der Zukunft können sie an der Vision eines „bürgernahen Flugzeugs“ mitarbeiten.

Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
An der HBK Braunschweig studieren derzeit rund 1200 Studierende bildende Kunst, Schauspiel, Design, Kunstvermittlung, Kunst- oder Medienwissenschaft. Während des Kunststudiums beschäftigen sich die Studierenden nicht nur mit traditionellen Genres wie Malerei und Bildhauerei, sondern auch mit Performancekunst, Filmkunst und Fotografie. Das Kunststudium an der HBK ist offen gestaltet: Es geht weniger darum, einen konkreten Lehrplan zu absolvieren als darum, die individuellen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten zu erkennen und zu entfalten. Die Kunststudierenden lernen in Fachklassen bei renommierten Professoren und Professorinnen; es besteht auch die Möglichkeit, bei verschiedenen Lehrern gleichzeitig zu studieren.

Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften
Die Ostfalia ist an vier Standorten gleichzeitig zu Hause: Neben Braunschweig/Wolfenbüttel ist sie in Salzgitter, Suderburg und Wolfsburg beheimatet. Insgesamt studieren hier rund 9000 Studierende mehr als 60 Studiengänge aus den Bereichen Technik, Wirtschaft, Recht, Ingenieur- und Sozialwesen. Die Bedingungen für einen erfolgreichen Abschluss und einen schnellen Berufseinstieg sind gut, denn die Gruppen, in denen die Studierenden lernen, sind klein und die Studiengänge praxisorientiert. Für alle, die schon während des Studiums Berufserfahrung sammeln wollen, bietet die Ostfalia zehn duale Studiengänge an. Diese verbinden ein Hochschulstudium mit einer Berufsausbildung in einem der Partnerunternehmen der Ostfalia, zu denen unter anderem große Firmen wie Volkswagen, Siemens oder MAN zählen.



Freizeit in Braunschweig

 

An der Oker, Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH
An der Oker, Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH
Wenn Du neu in Braunschweig bist, solltest Du auf jeden Fall einen ausgiebigen Bummel durch das mittelalterliche Stadtzentrum unternehmen. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist beispielsweise der zentral gelegene Burgplatz, den der Dom, die Burg Dankwarderode und das Landesmuseum umschließen. Wer keine Höhenangst hat und die Stadt von oben überblicken möchte, der sollte seine Schritte in Richtung Rathaus lenken: Vom 61 Meter hohen Turm hast Du eine tolle Aussicht über ganz Braunschweig. Hervorragend geeignet für einen Spaziergang sind natürlich auch die Ufer der Oker, die Braunschweigs Zentrum umfließt. Aber die Oker hat noch mehr zu bieten: Sportlich Aktive können Paddel- oder Ruderboote mieten und die Stadt so vom Fluss aus erkunden. Wer es etwas ruhiger angehen lassen möchte, der kann auch auf einem größeren Boot mitfahren und sich übers Wasser fahren lassen. Rund um die Oker laden Cafes und Kneipen zu einem Besuch ein. In jedem Fall solltest Du den Okerterrassen, dem ältesten Café Braunschweigs, einen Besuch abstatten.
Falls das Wetter einmal zu schlecht für einen Bummel an der Oker sein sollte, können Kulturinteressierte einen Abstecher in eines der vielen Braunschweiger Museen machen: Das Herzog Anton Ulrich-Museum ist das älteste öffentlich zugängliche Museum Deutschlands und zeigt Kunst aus ägyptischer Zeit bis zur Gegenwart. Zu den Highlights der Sammlung zählen unter anderem Gemälde von Rubens, Vermeer und Rembrandt. Auch das 300 Jahre alte Staatstheater ist einen Besuch wert: Pro Spielzeit kommen hier etwa dreißig Premieren und zehn Sinfoniekonzerte zur Aufführung. Musikfreunde können sich in Braunschweig auf das Festival BraunschweigClassix freuen, das dreimal im Jahr Konzerte präsentiert, die das ganze Spektrum von Klassik, Jazz, Pop und Rock abdecken. Wenn Du abends richtig abtanzen willst, bist Du im Meier richtig. Hier finden nicht nur verschiedenste Partys statt, sondern auch Konzerte von deutschlandweit bekannten Bands. Auch der Brainklub ist bei Studenten überaus beliebt.



Interview mit Rachid aus Tunesien

 

Rachid Hachaichi studiert an der TU Braunschweig im 9. Semester Maschinenbau und hat sich innerhalb seines Studiengangs auf den Bereich Luft- und Raumfahrttechnik spezialisiert.

Rachid Hachaichi, Foto: privat
Rachid Hachaichi, Foto: privat
Warum hast Du Dich gerade für ein Studium in Braunschweig entschieden?
Das hatte ganz verschiedene Gründe. Zum einen kannte ich die Region gut, weil mein Onkel in Wolfsburg lebt und ich ihn früher regelmäßig in den Ferien besucht habe. Zum anderen habe ich mich natürlich informiert und erfahren, dass die Uni Braunschweig im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik eine der renommiertesten Universitäten Deutschlands ist.

Haben sich Deine Erwartungen bezüglich Deines Studiums erfüllt?
Ja, ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Viele meiner früheren Kommilitonen, die ihr Studium schon abgeschlossen haben, arbeiten inzwischen erfolgreich. Dank der Doppeldiplomprogramme und der vielen Kooperationen der Uni mit dem Ausland bieten sich den Studierenden hier tolle Möglichkeiten. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind dementsprechend gut. Deshalb glaube ich, dass ich mir um meine berufliche Zukunft keine großen Sorgen machen muss.

Was gefällt Dir besonders gut an Braunschweig?
Ich würde Braunschweig nicht mit einer anderen Stadt tauschen wollen: Braunschweig ist klein, aber fein. Es gibt hier alles, was man zum Leben braucht und alles ist relativ nah. In Berlin oder Frankfurt würde ich nicht leben wollen – diese Städte wären mir viel zu groß.

Hast Du Lieblingsplätze in Braunschweig?
Da ich ein ziemlicher Shoppingfreak bin, bummele ich gern durch die Schlossarkaden, ein großes Einkaufszentrum. Nach der Arbeit gehe ich mit meinen Kollegen gern ins Café Fischer, in der Nähe des Hauptbahnhofs. Abends ist es in der Disco „Linnberg“ besonders schön: Hierher kommen auch viele internationale Studierende. Ein super Treffpunkt für ausländische Studis ist übrigens auch der Verein Gauß Friends, der in Kooperation mit dem International Office der Uni Exkursionen, Partys und andere Veranstaltungen organisiert.



Nützliche Links

 

Internetseite der Stadt Braunschweig
Sehenswürdigkeiten und Freizeit
Tipps rund ums Studieren, Wohnen etc
Hochschulsport der TU Braunschweig
Ausgehen in Braunschweig

Städteporträts von Aachen bis Zwickau

Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir in unseren Städteporträts.