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Tradition seit über 200 Jahren: : Das Oktoberfest in München

Weißbier, Achterbahnen und viele Menschen: Das Oktoberfest ist weit hinaus über die Grenzen von Deutschland bekannt. Jährlich kommen bis zu sieben Millionen Besucher in die bayerische Hauptstadt München, um das größte Volksfest der Welt mitzuerleben. Mit der brasilianischen Studentin Larissa habe ich das Oktoberfest besucht und einiges über Traditionen, Bräuche und langes Anstehen vor den Festzelten gelernt.

von: Johanna Wendel

Oktoberfestzelt © DAAD/Johanna Wendel
Oktoberfestzelt . © DAAD/Johanna Wendel

Die meisten von euch werden vielleicht schon einmal vom Münchner Oktoberfest gehört haben. Jährlich lädt die Theresienwiese in München von Mitte September bis Anfang Oktober zum größten Volksfest der Welt ein. Aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern weltweit kommen Menschen zusammen, um gemeinsam zu feiern oder sich auf den vielen Fahrgeschäften zu vergnügen. Außerdem existieren viele Traditionen und Bräuche rundum das berühmte Fest. Aber wie ist es überhaupt entstanden?

Das allererste Oktoberfest

Oktoberfest © DAAD/Johanna Wendel
Oktoberfest . © DAAD/Johanna Wendel

Das erste Oktoberfest fand am 17. Oktober 1810 statt. Damals wurde es zu Ehren des königlichen Brautpaars Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen mit einem großen Pferderennen veranstaltet. Der Name der Wiese auf der es stattfand, wurde damals zu Ehren der Prinzessin „Theresienwiese“ getauft. Deshalb trägt das Oktoberfest heute auch den Beinamen „Wiesn“. Den Teilnehmern gefiel das erste Oktoberfest so gut, dass es die kommenden Jahre wieder stattfand. 1819 übernahm dann die Stadt München die Veranstaltung des Festes und machte es so zu einem festen Bestandteil für die Stadt und ihre Bewohner.

Das Fest hat sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt: Das Pferderennen wurde abgeschafft und es kamen immer mehr große Bierzelte und Fahrgeschäfte  wie Karusselle, Geisterbahnen und Achterbahnen dazu, die für die „Wiesn“ bis heute ein wichtiger Teil des Festes sind. Neben großen Bierzelten von bekannten bayerischen Brauereien und Karussellen für Erwachsene und Kinder gibt es aber noch viele andere Traditionen, die das Oktoberfest ausmachen.

Dirndl, Maß und Hendl findest du auf dem Oktoberfest überall

Auch wenn der bayrische Dialekt immer weniger gesprochen wird, auf der Wiesn sieht das anders aus: Hier hat der bayrische Dialekt nichts von seinem Charme verloren und ist in jeder Ecke der Festwiese wiederzufinden. Hier sind die wichtigsten Begriffe:

Das Dirndl

Als allererstes fällt auf, dass fast alle Frauen auf dem Oktoberfest die gleiche Art von Kleid tragen, das sogenannte „Dirndl“. Das Dirndl ist eigentlich gar kein traditionelles Kleidungsstück, sondern wurde Ende des 19. Jahrhunderts vor allem von Menschen aus der Stadt getragen, wenn diese Urlaub auf dem Land machten. Eigentlich wird das Dirndl erst seit den letzten dreißig Jahren vermehrt auf Festen und Feiern in Alpenregionen und Süddeutschland getragen und scheint es der jungen Generation angetan zu haben.


Die Maß

Eigentlich ist „die Maß“ nichts anderes als eine Maßeinheit für das Bier auf der Wiesn, nämlich genau ein Liter. Sie wird in großen „Maßkrügen“ serviert und ist die einzig gebräuchliche Größe in den Festzelten. Alkoholfreie Getränke dürfen auch als „halbe Maß“ bestellt werden. Bier gibt es aber nur als ganzen Liter, da machen die Kellnerinnen keine Ausnahme.


Das (Brat-) Hendl

Im Hochdeutschen bedeutet Hendl gebratenes Hähnchen. In den Festzelten des Oktoberfests geht es neben dem Bier am häufigsten über die Theke und es werden jährlich bis zu 500.000 davon verkauft. Neben den gebratenen Hähnchen, die üblicherweise als Hälfte verkauft werden, gibt es aber auch noch andere berühmte Fleischgerichte auf dem Oktoberfest. Beispielsweise die Haxn, Teil des Beines eines Schweins und Würschtl, also Würstchen.


Die Oide Wiesn

Wenn den Besuchern der Trubel zu viel werden, können sie eine kleine Zeitreise machen und der „Oide Wiesn“ einen Besuch abstatten. Oide Wiesn bedeutet „alte Wiesn“ und sie beherbergt eine Vielzahl an traditionellen Fahrgeschäften und nostalgischen Verkaufsständen. Hier können die Besucher eine fast hundert Jahre alte Schiffschaukel besteigen, die nur mit der eigenen Körperkraft angetrieben wird oder bei dem Traditionstheater „Auf geht’s beim Schichtl“ vorbeischauen, welches seit 1869 Teil des Oktoberfests ist.

Besuch des Oktoberfests mit Larissa aus Brasilien

Larissa aus Brasilien © DAAD/Johanna Wendel
Larissa aus Brasilien . © DAAD/Johanna Wendel

„Ich war noch nie auf dem Oktoberfest, obwohl ich schon seit fünf Jahren in München wohne“, gibt Larissa zu bevor wir das Festgelände betreten. Larissa kommt ursprünglich aus Brasilien und macht gerade ihren Master in Bauingenieurwesen an der Technischen Universität in München. Im letzten Moment hat sie sich noch entschieden das Oktoberfest zu besuchen, um ihre Wahlheimat noch ein bisschen besser kennenzulernen.

Jetzt trägt Larissa ein traditionelles Dirndl, das sie sich von einer Freundin geliehen hat. Sie zeigt auf das Band, das mit einer Schleife um ihre Hüfte gebunden ist und erklärt: „Links gebunden bedeutet Single, Rechts vergeben.“ Das sei hier so eine Tradition, die sie von einer Münchner Freundin kennt, aber ob die Leute das wirklich ernst nehmen, da ist sie sich nicht so sicher.

Laura und Johanna in Dirndl © DAAD/Johanna Wendel
Laura und Johanna in Dirndl . © DAAD/Johanna Wendel

Auf dem Festgelände

Als erstes steigt einem der Duft von Lebkuchen in die Nase, der von einem Stand links neben dem Eingang herüberweht. Rechts versuchen Männer in Lederhosen auf dem ältesten Fahrgeschäft des Oktoberfests, dem Toboggan, ein Laufband hoch zu rennen und bemühen sich dabei nicht auszurutschen. Als Belohnung dürfen die kühnen Helden, die es hinauf geschafft haben, anschließend auf einer Rutsche wieder hinunter. Einige Besucher bleiben stehen und vergnügen sich beim Anblick der stolpernden Männer. Auch wir verweilen kurz, um uns das Spektakel anzusehen.

Es ist der letzte Samstag des Oktoberfests und das Gelände ist brechend voll. Das Wetter ist grau, was bei den ganzen strahlenden Gesichtern aber kaum auffällt. „Ein solches Fest gibt es in Brasilien nicht. Meine Mutter könnte sich gar nicht vorstellen wie riesig das ist.“, erklärt Larissa während wir uns an Souvenirständen und Menschengruppen vorbeidrücken. Sie will sich gleich mit ihren Freundinnen treffen, um dann einen der beliebten Plätze in einem der insgesamt 14 Festzelte zu ergattern. Nur hier wird die berühmte Maß ausgeschenkt, die auf dem Rest des Geländes nichts zu suchen hat.

Das Reinkommen in das Festzelt gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es ist bereits 15 Uhr und die meisten Besucher suchen sich ihren Platz im Festzelt bereits morgens oder reservieren sie schon Monate vorher. Jetzt ist erst einmal langes Warten angesagt und wir grübeln vor dem Festzelt, wie wir hineinkommen. „Die Türsteher sehen nicht bestechlich aus“, witzelt Larissa. Eine gute Stunde dauert es, dann haben wir es endlich geschafft.
 

Festzelt © DAAD/Johanna Wendel
Festzelt . © DAAD/Johanna Wendel

Im Festzelt herrscht feierliche Stimmung

Von Innen wirkt das Zelt viel größer als die Fassade vermuten lässt. Hier haben über 8.000 Menschen Platz und dieser wird auch komplett ausgefüllt. Und auch wenn die Luft schon etwas dünn geworden ist, sind die Besucher ausgelassen und in Feierlaune. Dafür sorgt auch eine Musikkapelle, die auf einer Bühne in der Mitte des Zelts spielt. „Erschrick nicht, die Kellnerinnen sind recht gewöhnungsbedürftig“, warnt Larissas Freundin nachdem wir uns auf einer Bierbank niedergelassen haben. Und tatsächlich ist der Ton der Bedienung etwas rau. Die meisten Besucher scheinen sich daran aber nicht zu stören. Die robuste Art der Kellnerinnen gehört nun mal zur Wiesn. Larissa schaut sich den großen Maßkrug an, der vor ihr steht. „So viel Bier trinke ich sonst nie. Aber deswegen kommen die meisten Leute ja hierher“, sagt sie. Dann singt sie gemeinsam mit ihren Tischnachbarn die altbekannten Oldies und modernen Popklassiker mit und bleibt dann doch noch etwas länger als geplant.  

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