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Kiel: Studieren am Meer

Möwen fliegen über dich hinweg. Der Wind bläst den Duft des Meeres in die Stadt. Die Stadt ganz im Norden Deutschlands hat eine ganz eigene Atmosphäre. Wenn du deine Zeit gerne an der frischen Luft verbringst, ist Kiel deine Stadt. Ob auf einem Segelboot oder mit dem Fahrrad – Kiel hat mehr als nur das Meer zu bieten.

von: Sophie Nagel

Rathaus © Arne List/wikicommons
Rathaus . © Arne List/wikicommons

Zahlen & Fakten

Einwohner:
238.000
Studierende:
31.900
Hochschulen:
3
Miete/Monat:
290 €
Tipp:
Iss ein Fischbrötchen und fahr zum Falckensteiner Strand!
Website:
www.kiel.de

Willkommen in Kiel

Kiel ist die nördlichste Großstadt in Deutschland. Sie liegt direkt am Meer, an der Ostsee. Sie ist der Endpunkt von einer der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen der Welt, des Nord-Ostsee-Kanals. Kiel ist ein bedeutender Stützpunkt der Deutschen Marine und bekannt durch ein internationales Segelereignis, die "Kieler Woche".

Die Kieler Woche findet einmal im Jahr statt. Zur Segelregatta wird ein riesiges Rahmenprogramm organisiert. Es besteht aus Konzerten und anderen künstlerischen Darbietungen. Während des Fests kannst du auch gleich die Delikatesse der Region probieren. Das ist eine Fischspezialität namens „Kieler Sprotten“.

Möwe am Hafen © Nagel/DAAD
Möwe am Hafen . © Nagel/DAAD

Die Landeshauptstadt des Bundeslandes Schleswig-Holstein liegt nah an der Grenze zu Dänemark. Kiel ist eine Hansestadt. Das kannst du an der typischen Architektur, der Backsteingotik sehen. Vor den Toren Kiels kannst du das Marine-Ehrenmal in Laboe und eins von fünf übrig gebliebenen deutschen U-Booten aus dem Zweiten Weltkrieg, das U 995, besichtigen.

Zum Meer gehört natürlich auch ein Hafen. Er liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof, so dass dich die Ostsee gleich nach Ankunft in der Stadt willkommen heißt. Der Weg entlang der Kieler Förde, die Kiellinie, führt dich zum Seehundbecken und dem Aquarium des „Geomar“-Instituts. Die Lage an der Ostsee hat auch den Vorteil, dass du nach Vorlesungsende schnell mit dem Fahrrad an einen der vielen Strände fahren kannst, die sich außerhalb der Stadt befinden.

Zu den Sehenswürdigkeiten in Kiel gehören auch der Alte Botanische Garten, der 106 Meter hohe Rathausturm, Deutschlands ältestes Studierendentheater, der Sechseckbau, und der Schrevenpark, der im Sommer sehr voll wird.

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Leben in Kiel

Entspannen wird dir in Kiel leicht gemacht. Das Meer ist in der ganzen Stadt zu spüren und lässt unmittelbar ein Gefühl von Freiheit wach werden. Über die Hochschulen kannst du günstig an Segel- oder Surfkursen teilnehmen. Es gibt sogar eine eigene Yacht des International Office, die Albertina, auf der du jeden Samstag mitsegeln darfst. Wenn du deine Zeit gerne an der frischen Luft verbringst, ist Kiel deine Stadt. Es gibt verschiedene Fährlinien, die dich von der Innenstadt zu den Anlegestellen von Laboe, Falckenstein und Friedrichsort bringen.

Rathaus © Manja Kuerschner
Rathaus . © Manja Kuerschner

Kulturell ist in Kiel auch einiges los. Nahe der Anlegestelle Reventlou findest du den Alten Botanischen Garten mit dem Literaturhaus, in dem regelmäßig Vorträge und Lesungen stattfinden. Neben dem Sechseckbau gibt es auch ein professionelles Theater mit Oper, Ballett und Schauspiel. Dort bekommen Studierende Ermäßigungen. Das gilt auch für die Kunsthalle.

Einen neueren Botanischen Garten gibt es auf dem Gelände der Christian-Albrechts-Universität an der Olshausenstraße. Hier kannst du dich in einer Freistunde zurückziehen oder nach dem Essen in der Mensa einen Spaziergang im Grünen genießen. Auch das Gelände der "Forstbaumschule" ist unter Kielern sehr beliebt. Die Parkanlage liegt zwischen Förde und Feldstraße, hat ein gutes Restaurant und lohnt sich immer wieder für einen Konzertbesuch.

Mein Tipp

Bei schönem Wetter fährst du nach einem frischen Fischbrötchen von der "Fischbar" mit der Fähre nach Falckenstein an den Strand.

Nicht zu vergessen ist der Schrevenpark, der sich im Sommer in eine riesige Grillwiese verwandelt. An der Ostseite des Parks kannst du im "Kiosk Castello" günstig leckere Pommes essen. Nicht weit entfernt liegt auch das "Kitty Rock Belly Full", wo du hausgemachte Burger in Bioqualität bekommst. In Kiel eröffnen immer mehr kleine individuelle Läden und Lokale, die es zu entdecken gilt. Ein Geheimtipp ist das "Eisparadies". Für das hausgemachte Eis mit vielen natürlichen Zutaten wartest du sicher gerne etwas länger in der Schlange.

Für Konzerte und Tanzabende kannst du in der "Pumpe" vorbeischauen. Das Kulturzentrum hat auch ein eigenes Kino. Ähnlich geht es in der "Traum GmbH" zu. Zu elektronischer Musik kannst du im "Detail" tanzen. "Prinz Willy" bietet Konzerte, vegane Speisen und regelmäßige Flohmärkte.

Interview mit Guy aus Kamerun

Guy Martial Kenmoe ist 29 Jahre alt und studiert Elektrotechnik und Informationstechnik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel.

Bild von Guy aus Kamerun © Nagel/DAAD
Guy aus Kamerun . © Nagel/DAAD

Seit wann bist du in Kiel und wie kam es dazu?

Ich wollte von zu Hause weg, weil dort nur eine bestimmte Elite ein gutes Studium bekommt. Zum Glück lebt einer meiner Cousins in Lübeck, bei dem ich zunächst wohnen konnte. Im Juni 2008 habe ich dann in Kiel einen Einstufungstest gemacht und anschließend ein Semester für die DSH-Prüfung gelernt.

Was sollte ein zukünftiger Studierender, der nach Deutschland kommt, schon vor der Abreise organisiert haben?

Ich habe schon zu Hause einen Sprachkurs gemacht und hatte Sprachkenntnisse auf dem Niveau B2. Bei meinem Visaantrag habe ich gemerkt, dass ich gar nicht weiß, wo Kiel liegt. Du solltest dich vorher besser informieren, was du in Deutschland genau machen kannst, wo du hin willst und welche Unterlagen du dafür brauchst.

Schrevenpark © Nagel/DAAD
Schrevenpark . © Nagel/DAAD

Dein Tipp, den Start in Deutschland zu erleichtern?

Die Sprache ist der Schlüssel! Ich fand es sehr hilfreich, mich regelmäßig mit meinem Tandempartner Ole zu treffen. Er hat mir nicht nur geholfen, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern mir auch die Stadt gezeigt. So konnte ich schneller Leute kennenlernen. Vieles hängt von deiner eigenen Einstellung ab. Ich nehme Hürden eher sportlich. „Das Leben ist kein Ponyhof“, wird in Deutschland gesagt. Es lohnt sich auf jeden Fall, Angebote der Universität wahrzunehmen, um sich in einer neuen Stadt schneller zurecht zu finden.

Arbeitest du neben dem Studium?

Seit dem dritten Semester bin ich Tutor im International Office, wo ich internationale Studierende betreue. Gerade diejenigen, die für einen englischsprachigen Master nach Kiel kommen, haben große Schwierigkeiten mit der Sprache und bei der Wohnungssuche. Hierbei versuche ich sie so gut es geht zu unterstützen.

Botanischer Garten © Nagel/DAAD
Botanischer Garten . © Nagel/DAAD

Warum ist Kiel ein guter Ort zum Studieren?

Kiel ist in meinen Augen eine sehr schöne, angepasste, studentische Stadt. Hier lenkt dich nicht so viel ab wie in Hamburg. Die Professoren sind sehr hilfsbereit. Die Universität bietet gerade für internationale Studierende auch viele günstige Exkursionen an. Während der Segelsaison fahre ich zum Beispiel gerne auf der „Albertina“ mit.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deinem Heimatland und Deutschland?

In Jaunde, der Hauptstadt von Kamerun, gibt es kein Meer. Dort bin ich auch viel öfter Taxi gefahren. Hier nehme ich das Fahrrad. In Deutschland sind die Menschen auch viel beschäftigter als in Kamerun. Dort stehen wir auf der Straße oft zusammen, um zu reden. Und wenn wir zusammen Fußball gucken, sind wir dabei viel lauter und emotionaler als die Deutschen!