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Bochum: Spröder Charme und ehrliche Menschen

Alte Industriebauten und grüne Parks: Bochum ist eine Stadt, die sich verändert. Wenn du dich darauf einlässt, wirst du ihren Charme erkennen und die Ehrlichkeit der Bewohner lieben lernen. Bochum liegt im Ballungsraum Ruhrgebiet, einer ehemaligen Industrieregion, die mittlerweile Kulturhauptstadt ist.

von: Bastian Rothe / Florian Schubert

Deutsches Bergbau-Museum Bochum © Schlutius/Ruhr Tourismus
Deutsches Bergbau-Museum Bochum . © Schlutius/Ruhr Tourismus

Zahlen & Fakten

Einwohner:
363.000
Studierende:
56.835
Hochschulen:
5
Miete/Monat:
320 €
Tipp:
Pommes mal anders - probier das leckere Angebot von max Frituur!
Website:
www.bochum.de

Willkommen in Bochum

Es muss eine besondere Beziehung sein, die die Bochumer zu ihrer Stadt haben: Die ehemalige Bergbau- und Industriestadt im Ballungsraum Ruhrgebiet sucht noch ihren Weg in die Zukunft und wird gerade deswegen von ihren Bewohnern geliebt. Du wirst wohl erst einen Moment brauchen, um in dem spröden Charme die Liebenswürdigkeit der Stadt zu erkennen. Der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer hat ein Lied über Bochum geschrieben. Darin singt er: „Du bist keine Schönheit – vor Arbeit ganz grau – du liebst dich ohne Schminke – bist ne ehrliche Haut“. In so wenigen Worten kann man Bochum zusammenfassen: nicht so schön, aber ehrlich.

Ruhr-Universität Bochum © Universität Bochum
Ruhr-Universität Bochum . © Universität Bochum

Das Ruhrgebiet war früher ein Zentrum der Schwerindustrie. Kohle und Stahl waren typisch für die Industrieregion, die auch „Schwarze Lunge Deutschlands“ genannt wurde. Zechen, Hochöfen und Fördertürme prägten das Stadtbild. Der so genannte „Ruhrpott“ hat sich mittlerweile zur Kulturstadt gewandelt. Das Gebiet, in dem über fünf Millionen Menschen leben, wurde 2010 zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt.

Wenn du durch die Stadt läufst, entdeckst du an manchen Ecken noch Zeugnisse aus der Vergangenheit: Die letzten Zechengebäude am Stadtrand, stillgelegte Fabriken, in denen Stahl verarbeitet wurde, oder auch die eine oder andere Kneipe, in der sich heute noch ehemalige „Kumpel“ (Männer, die im Bergbau tätig waren) treffen. Früher war Bochum grau und trist, von Fabriken und Arbeitern gezeichnet. Das erkennst du auch in den oft prunklosen, funktional gebauten Häusern. Eine hübsche Altstadt wirst du vergeblich suchen. Funktionalität bestimmt sogar die Architektur der Ruhr-Universität, die sich am Stadtrand an einen Hang schmiegt. Die klobigen Gebäude aus den 1970er Jahren sind nach Fachrichtungen aufgeteilt und nach einer strikten Ordnung auf dem Campus verteilt.

Jahrhunderthalle © Bastian Rothe
Jahrhunderthalle . © Bastian Rothe

Einen Eindruck von früheren Zeiten bekommst du in Bochums berühmtestem Museum: dem Deutschen Bergbaumuseum. Dort erlebst du die Bedeutung der Kohle für die Stadt und siehst Wehmut in den Augen einiger Besucher. Auch die "Jahrhunderthalle", in der heute Konzerte und Aufführungen stattfinden, versprüht diese Anmut aus vergangener Zeit.

Leben in Bochum

Ein Besuch der Jahrhunderthalle lohnt sich vor allem im Sommer. Im Westpark nebenan kannst du picknicken und Sport machen. Hier triffst du immer viele Studierende. Wenn du an einem ruhigen Vormittag in den Park gehst, kannst du von nebenan ein lautes Hämmern hören: Dort wird immer noch Stahl produziert – so wie in vergangener Zeit.

Bermudadreieck © Stadt Bochum Presse- und Informationsamt
Bermudadreieck . © Stadt Bochum Presse- und Informationsamt

Noch mehr Natur findest du im Süden von Bochum am Kemnader See. Ein etwa acht Kilometer langer Weg rund um den See bietet Möglichkeiten zum Joggen, Inline skaten, Radfahren und Wandern. Schwimmen darfst du in dem See nicht, aber du kannst dir vor Ort ein Tretboot oder ein Kanu ausleihen und über den See fahren.

Mein Tipp

Geh zu „Max Frituur“ im Bermudadreieck und iss Fritjes mit mindestens drei verschiedenen Saucen – zum Beispiel Safran oder Pili Pili. Die Saucen sind meist selbstgemacht und immer ein besonderes Highlight.

Wenn Bochumer ausgehen, treffen sie sich im "Bermudadreieck". Der Straßenzug am Rande der Innenstadt ist gefüllt mit Kneipen, Bars und Clubs. Im Sommer sitzen hier viele Menschen draußen und genießen das Wetter. In der Alten Hattinger Straße gibt es das Orlando und die Goldkante. Das Orlando ist ein stilvolles Café mit Ambiente. Der Charme des Lokals ergibt sich aus den alten, großen Sesseln und der liebevollen Einrichtung. Die "Goldkante" ist Kneipe, Club und Veranstaltungsraum in einem: Hier finden Konzerte, Partys und Veranstaltungen verschiedener Arten statt, die vor allem von Studierenden besucht werden.

Ein Höhepunkt im Sommer ist das Festival „Bochum Total“. Es gibt vier Tage lang kostenlose Konzerte von bekannten und neuen Bands in der gesamten Stadt.

Festival Bochum Total © Stadt Bochum Presse- und Informationsamt
Festival Bochum Total . © Stadt Bochum Presse- und Informationsamt
Schauspielhaus © Habekuss/DAAD
Schauspielhaus . © Habekuss/DAAD

Bochum ist über seine Grenzen hinaus für ausgezeichnete Theater und Schauspielerei bekannt. Das Bochumer Schauspielhaus ist das größte Theater der Stadt und bietet dir ein Programm aus Klassikern und modernen Inszenierungen. Etwas kleiner, aber mindestens genauso bekannt ist das Prinzregenttheater. Je nach Spielplan werden auch hier klassische und moderne Inszenierung auf der Bühne gezeigt. Teils außergewöhnlich sind die Stücke im Theater „Rottstraße 5“. Lass dir von einheimischen Studenten empfehlen, welche Stücke sich lohnen angesehen oder erlebt zu werden.

Interview mit Giordano aus Italien

Giordano Tuvo ist 22 Jahre alt und studiert Modern Languages an der Ruhr-Universität Bochum.

Foto von Giordano aus Italien © Privat
Giordano aus Italien . © Privat

Warum hast du Bochum ausgewählt?

Der Campus der RUB (Ruhr-Universität Bochum) ist einer der größten in Deutschland und ich wollte schon immer diese “Campus-Erfahrung”. Große Städte mag ich nicht so gerne, deswegen dachte ich eine kleine Studentenstadt wäre das richtige für mich, es ist nicht so teuer und das Sozialleben ist auch interessant! Außerdem ist Bochum strategisch gut gelegen! Man kann einfach in andere schöne deutsche Städte wie Köln, Düsseldorf oder Bonn fahren. Mit den Studententickets sogar umsonst! Und man ist schnell in den Niederlanden oder Belgien.

Wie hast du dich auf deinen Aufenthalt in Bochum vorbereitet?

Ich habe mich mit den Ex-Bochum Erasmus Studenten von meiner Universität in Italien ausgetauscht und von ihnen Tipps und Tricks erfahren, wie man zum Beispiel eine Unterkunft findet oder welche Kurse sich lohnen.

Was sollte man unbedingt erledigen bevor man nach Deutschland kommt?

Ich habe Modern Languages studiert, deswegen konnte ich schon Deutsch sprechen, aber einige meiner Freunde, konnten damals noch kein Wort. Ich glaube es hilft sehr, wenn man zumindest ein bisschen Deutsch kann, damit man am Anfang mit der Bürokratie zurechtkommt.

Ich hatte kein Problem mit ein paar verregneten Tagen aber man sollte immer im Kopf haben, dass es in Deutschland mehr regnet als in Italien. Ins Gepäck gehören deswegen unbedingt auch Gummistiefel und ein Mantel: Deutsches Wetter ist unberechenbar!

Hattest du Erwartungen an Bochum?

Der Hauptgrund weswegen ich Bochum ausgewählt habe ist, dass die Lebenskosten im Vergleich mit den anderen Städten relative niedrig waren. Dazu soll die Universität im Vergleich zu anderen sehr gut ausgestattet sein. Das waren also meine Erwartungen.

Hat Bochum deinen Erwartungen entsprochen?

Absolut! Sowohl die Lebenshaltungskosten als auch die Universität. Es ist einfach nicht zu viel auszugeben und trotzdem Spaß zu haben. Die RUB gibt dir hier gute Möglichkeiten: Eine gigantische Bibliothek, Cafés, Fitness Räume und ein riesiger botanischer Garten.

Was war das Schwerste zu Beginn deines Aufenthalts?

Die deutsche Bürokratie fordert am Anfang definitiv viel Geduld von jedem.

Wie bist du damit umgegangen?

Ich habe meine Tage nach den Bürosprechzeiten geplant und hatte immer im Kopf, dass ich den ganzen Papierkram erst erledigen muss bevor ich mich auf etwas Anderes konzentrieren kann. Man sollte auch nie vergessen, dass man nicht der einzige Austauschstudent ist, der seine Schwierigkeiten mit der Bürokratie hat, und ich habe meine besten Freunde plötzlich in den Schlangen vor dem International Office getroffen. Wir haben uns gegenseitig geholfen! Außerdem sind die Angestellten dort sehr effizient und hilfsbereit, man sollte also keine Angst haben, einfach mal zu fragen!

Was war die größte Überraschung an Bochum?

Bochum ist bestimmt nicht die schönste Stadt zum Leben oder zum Besuchen, aber sie hat viel Geschichte! Deutschland hat es geschafft, eine der meistverschmutzen Gegenden Europas in eine vibrierende und lebenswerte Region zu verwandeln. Du kannst Schlittschuh in einer alten Stahlmühle laufen oder ein Theaterstück in einer alten Kohlemine sehen. Und das sind nur zwei Beispiele für die Einzigartigkeit dieser Stadt. Bochum und das Ruhrgebiet sind stark unterschätzt! 

Tricks um mit Deutschen in Kontakt zu kommen?

Deutsche mögen Smalltalk nicht so gerne und wirken am Anfang oft kalt, aber das ist oft nur eine kulturelle Besonderheit, und sie tauen schnell auf, wenn man sie besser kennt. Ich habe am Tandemprogramm teilgenommen, dass die RUB organisiert hat. Das Ziel ist, Leute zusammenzubringen, die die Muttersprache des jeweils anderen sprechen und die dann zusammen üben können. Ich fand das sehr hilfreich um meine Deutschkenntnisse zu verbessern und um ein paar Einheimische kennenzulernen.

Für mich bedeutet in Deutschland studieren...

Mich selbst in ein völlig anderes akademisches System zu begeben und zu versuchen so viel von einer fremden Kultur zu lernen wie möglich.

Beschreibe Deutschland in drei Worten…

Effizient, Ernst, Gemütlich