Breadcrumb

STUDIEREN MIT BEHINDERUNG: SEHR GUT MÖGLICH

Es ist selbstverständlich möglich, mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit in Deutschland zu studieren. Die meisten Hochschulen haben sogar spezielle Angebote für Studierende, die eingeschränkt sind. Eine frühzeitige Planung ist jedoch wichtig.

von: Redaktion und Florian Schubert (Stand: Mai 2019)

Ältere Frau spricht mit internationalem Studierenden © DAAD/Abbis
Beratungsgespräch . © DAAD/Abbis

Die Hochschulschulrektorenkonferenz (HRK) hat am 21.04.2009 in Deutschland „Eine Hochschule für alle“ beschlossen und damit auch dem Diskrimierungsverbot des deutschen Grundgesetzes und weiteren Gesetzen zur Gleichbehandlung behinderter Studierender entsprochen. Das Gesetzt gilt natürlich auch für internationale Studierende: Du hast also das Recht, selbstbestimmt und gleichgestellt wie andere Studierende die deutsche Hochschule zu besuchen.

Ziel ist, „dass behinderte Studierende in ihrem Studium nicht benachteiligt werden und die Angebote der Hochschule möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können.“ (§ 2 Abs. 4 HRG). Das bedeutet, dass Hochschulen in Deutschland ihre Einrichtungen auch für Menschen mit Behinderung oder einer chronischen Krankheit gleichermaßen zugänglich machen müssen. Diese Aufgabe ist in Deutschland fest im Hochschulrahmengesetz (HRG) verankert. Deshalb haben viele Hochschulen in den letzten Jahren in den Ausbau der Zugänglichkeit, in die Hilfe und Beratung und verschiedene Programme investiert.

11% aller Studierenden in Deutschland gaben 2016 an, eine oder mehrere gesundheitliche Beeinträchtigung(en), die sich nach Aussagen der Betroffenen erschwerend auf das Studium auswirkt bzw. auswirken, zu haben (21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks) – du bist also nicht allein.

Was bedeutet Gleichstellung an den Hochschulen für dich?

Internationaler Studierender schreibt Test © DAAD/Jan Zappner
Nachteilsausgleich bei Prüfungen . © DAAD/Jan Zappner

An der Hochschule kann durch verschiedene Maßnahmen ein Nachteilsausgleich für dich geschaffen werden, der dir ermöglicht an den Unterrichtsinhalten und Prüfungen gleichermaßen wie andere Studierende teilzunehmen.

Bewerbung/Zulassung:

Schon bei der Bewerbung bzw. Zulassung zu einem Studiengang kannst du einen Nachteilsausgleich erhalten: Wenn du spezielle Voraussetzungen für den Studiengang aufgrund deiner Behinderung oder chronischen Krankheit nicht nachweisen kannst, können auch andere Leistungen zählen, mit denen du die Voraussetzungen erfüllst. Erkundige dich hier am besten direkt an der Hochschule im Fachbereich deines Studiengangs.

Da du oft mehr Vorbereitungszeit für deinen Aufenthalt in Deutschland benötigst, erhältst du an den Hochschulen früher als andere Studierende eine Benachrichtigung, ob du zum Studiengang zugelassen bist. So bleibt genügend Zeit, alles strukturiert vorzubereiten, sodass du dich während deines Studienaufenthaltes rundum wohlfühlen kannst und alles hast, was du benötigst.

Studium/Prüfungen:

Die Hochschulen haben die Aufgabe, stets Alternativlösungen zu finden, wenn sich ein Nachteil für dich aufgrund deiner Behinderung oder chronischen Krankheit ergibt. Das bedeutet, dass die Prüfungsordnungen der Studiengänge auch chancengerechte Möglichkeiten für dich aufzeigen müssen. Wenn du z. B. blind bist, müssen Alternativlösungen visuelle Prüfungsfragen gefunden werden.

Die Studienstruktur, die im Bachelor- und Mastersystem oft sehr klar festgelegt ist, kann für dich mit der Hochschule flexibel je nach deinen Bedürfnissen gestaltet werden. Die Regelungen dafür sind meist bereits in der Studien- und Prüfungsordnung deines Studiengangs festgelegt. Am besten erkundigst du dich bei deiner Hochschule nach den jeweiligen Regeln, die jede Hochschule unterschiedlich festlegen kann.

Auf deinen Abschlusszeugnissen oder dem Abschließen der einzelnen Kurse dürfen alle diese Nachteilsausgleiche aber nicht vermerkt werden. Das heißt, dein Zeugnis sieht genauso aus wie das von allen anderen Studierenden.

Du kannst also ein ganz normales Studium aufnehmen mit den auf dich persönlich angepassten flexiblen Strukturen wie alle anderen Studierenden auch.

HILFE UND BERATUNG

Rollstuhlzeichen auf Gehweg © DAAD/Florian Schubert
Weg für Rollstuhlfahrer . © DAAD/Florian Schubert

Wenn du in Deutschland studieren willst, solltest du dich so früh wie möglich beraten lassen.

Deutsches Studentenwerk

Beim Deutschen Studentenwerk gibt es seit 1982 eine „Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS)“. Diese Stelle berät dich allgemein zum Studium mit Behinderung oder einer chronischen Krankheit in Deutschland. Hier kannst du erste Informationen einholen oder alle Fragen stellen, die dir auf dem Herzen liegen.

Zur Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung

Beauftragter für die Belange der Studierenden mit Behinderung an den Hochschulen

An jeder Hochschule in Deutschland gibt es einen „Beauftragten für die Belange der Studierenden mit Behinderung“ oder eine Servicestelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, der oder die dir dabei hilft, alles Notwendige zu planen und den oder die du zu jeder Zeit bei Problemen oder Fragen kontaktieren kannst. Manchmal sitzen diese Personen auch im Studentenwerk der jeweiligen Hochschule.

Informiere dich frühzeitig bei deiner Hochschule über diese Beratung und nimm sie in Anspruch.

Zu den Kontaktdaten der Beauftragten an den Hochschulen

International Office

Das International Office ist in erster Linie Ansprechpartner für alle internationalen Studierenden, die an der Hochschule studieren möchten. Sie können dir zusätzlich auch den Kontakt zum Beauftragten für die Belange der Studierenden mit Behinderung mitteilen und dir bei allgemeinem Fragen als internationaler Studierender helfen.

Zu den International Offices

FINANZIERUNG UND STIPENDIEN FÜR STUDIERENDE MIT BEHINDERUNG

Wenn du mit einem Stipendium nach Deutschland kommst, kannst du oft zusätzliche Leistungen, z. B. für spezielle Wohneinrichtung etc. erhalten. Dies ist jedoch je nach Stipendium individuell. Z. B. kannst du bei Erasmus zusätzliche Gelder für deinen Aufenthalt beantragen.

Es gibt jedoch auch Stipendien speziell für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Frage hier am besten direkt an deiner Hochschule nach.

Wenn du spezielle Medikamente benötigst, solltest du dich vorher genau informieren, ob die Medikamente bei dem Abschluss einer Krankenversicherung für deinen Aufenthalt in Deutschland weiterfinanziert werden.

WOHNEN FÜR STUDIERENDE MIT BEHINDERUNG

Bunte Wohnheime © DAAD/contentküche
Wohnheim . © DAAD/contentküche

Du kannst dich für einen Platz im Studentenwohnheim bewerben und wirst sogar an vielen Hochschulen bevorzugt behandelt. So hast du meist sehr gute Chancen direkt einen Wohnheimplatz zu erhalten. Beachten solltest du jedoch, ob du spezielle Einrichtungen oder Gegebenheiten benötigst. Dies solltest du vorher abklären bzw. spätestens bei der Bewerbung um einen Wohnheimplatz dem Studierendenwerk mitteilen.

FACHWÖRTER, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Barrierefreiheit

Barrierefrei bedeutet zum Beispiel, dass dir Orte oder Verkehrsmittel trotz Behinderung zugänglich sind und dass du auch mit Behinderung an allen Lehrveranstaltungen teilnehmen kannst oder E-Learning-Angebote und Websites für dich zugänglich sind.

Nachteilsausgleich

Nachteilsausgleich bedeutet, dass du dieselben Chancen wie andere Studierende erhalten musst, wenn du z. B. bestimmte Voraussetzungen nicht nachweisen kannst oder du an Prüfungsaufgaben aufgrund deiner Behinderung oder chronischen Krankheit nicht teilnehmen kannst, müssen dir vergleichbare andere Formen angeboten werden.

ATTESTE

Namenschild einer Ärztin © DAAD
Namenschild einer Ärztin . © DAAD

Atteste sind ärztliche Bescheinigungen über den Gesundheitszustand. Sie sind sehr wichtig, um deine Behinderung nachzuweisen und Auswirkungen zu erklären. Diese Atteste musst du von einem amtlich vereidigten Dolmetscher ins Deutsche übersetzen lassen. Dein Arzt sollte für seinen Bericht die ICD und ICF Klassifikationen der WHO benutzen. Auf der Website der WHO findest du Informationen zu den WHO-Klassifikationen.

Diese Bescheinigung benötigst du für die Bewerbung an der Hochschule und auch bei zusätzlichen Leistungen.

CHECKLISTe

Wichtig ist es, so früh wie möglich mit der Planung zu beginnen. Um alles gut organisieren zu können, solltest du ungefähr zwei Jahre vorher anfangen, dich zu informieren und alles vorzubereiten, bis du ins Ausland gehen möchtest. Aber selbstverständlich ist auch ein kürzerer Zeitraum möglich, je nach deiner Behinderung oder chronischen Krankheit.

Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Punkte und Ansprechpartner.

Visum und Aufenthaltsstatus

  • Bestimmungen für das Visum für dein Herkunftsland

Leben und Finanzen

  • Leistungen, die du aufgrund der Behinderung in Anspruch nehmen musst (Hilfsmittel, Assistenten oder Pfleger)
  • Kosten (Studentenwerk und Behindertenbeauftragte der Hochschule)
  • Welche Leistungen werden von der Krankenversicherung in Deutschland übernommen? (Studentenwerk)
  • Gibt es an der Hochschule ein Wohnheim, das geeignet ist? (Studentenwerk)
  • Ist die Hochschule barrierefrei? (Behindertenbeauftragter)

Atteste

  • Ist die Behinderung in Deutschland anerkannt? (Behindertenbeauftragter)
  • Atteste in der Landessprache
  • Deutsche Übersetzung der Atteste von einem amtlich vereidigten Dolmetscher
Zurück nach oben