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Zum ersten Mal in Deutschland? Nicht den falschen Zug nehmen:)

26/03/2015 - 08:25-2 Comments by | georgia flag

Ich habe ein Weilchen überlegt, worüber ich genau meinen ersten Blogeintrag schreiben sollte. Dann bin ich zu dem Schluss gekommen, ihn über meinen ersten Besuch in Deutschland im Jahr 2006 zu schreiben, weil er mich dazu motiviert hat, dass ich gerade in Deutschland studiere. Als Germanistikstudent aus Georgien war es für mich eine 10399978_1206453234790_6532794_nwunderbare Möglichkeit mit einem DAAD-Stipendium im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal nach Deutschland zu kommen und einen einmonatigen Deutschkurs an der Universität Duisburg-Essen zu besuchen. Das war die positive Seite. Die negative Seite war aber, dass ich trotz meines Germanistikstudiums kaum Deutsch konnte und ebenfalls kaum Ahnung von Deutschland und von den Deutschen hatte. Alle meine Hoffnungen hier klarzukommen basierten auf den Vorurteilen, die natürlich nicht stimmten.
Das Abenteuer fing gleich bei der Ankunft in Düsseldorf an, als der Bahnmitarbeiter mir aufgrund meiner unverständlichen Aussprache statt eines Zugtickets nach Essen, ein Hessenticket verkaufte, was mindestens 13-mal mehr kostete als das Ticket nach Essen. Natürlich bin ich in den falschen Zug gestiegen und nette Bauarbeiter ließen mich dann weit entfernt von Essen auf einer mir bis heute unbekannten Haltestelle in den richtigen Zug umsteigen, in dem ich dann mit dem Hessenticket in Nordrhein-Westfalen nach Essen gefahren bin. Angekommen an der Universität Duisburg-Essen, eröffnete sich vor mir die Welt, die ich so noch gar nicht kannte. Mit tollen Bibliotheken, einer Cafeteria, Mensa, Sportplätzen. Nicht nur die Uni, sondern auch die Stadt fand ich super, weil man da einiges entdecken konnte. Statt einen zusätzlichen Kurs für Germanisten zu besuchen, habe ich einen allgemeinen Kurs besucht, um mehr Zeit für das Land zu haben. Statt hauptsächlich in der Uni-Bibliothek zu recherchieren, bin ich durch die Stadt gelaufen, habe mit unbekannten Menschen auf der Straße, in der Bäckerei und in der Mensa gesprochen. Als Germanistikstudent dachte ich nach der Sommerschule, dass es falsch war, auf den Germanistenkurs zu verzichten und nicht die ganze Zeit in der Bibliothek die Recherche für die Bachelorarbeit gemacht zu haben, aber im Nachhinein bereue ich es nicht mehr.
Da ich Deutsch sowieso nicht konnte, habe ich durch die intensive Kommunikation mit unterschiedlichen Menschen in den Kneipen, in der Mensa und auf den Straßen die Hürde der Sprechhemmungen überwunden. So konnte ich außerdem eine ausgeprägte Vorstellung von Deutschland und von den Deutschen bekommen, die sich im Gegensatz zu meinen Vorurteilen äußerst hilfsbereit und warmherzig erwiesen haben. Die Universität und das Studentenleben  haben mich einfach begeistert. Umso mehr begeistert hat mich die kulturelle Vielfalt vor allem im Rahmen unseres Sommerkurses und auch in Deutschland selbst. Als in dem geschlossenen Raum, in der Sowjetunion geborenes Kind, aber später zwar im unabhängigen aber durch Kriege geprägten Georgien aufgewachsener junger Mensch, hat die DAAD-Sommerschule für mich die Tür zur großen Welt geöffnet. Zur Zeit promoviere ich in Deutschland und inzwischen bin diesem Land sehr dankbar, weil es mir sehr viel gegeben hat.

Tags: German Blog Post, German Language, Student Life, Transportation

Comments

2 Comments

    Hallo Mikheil
    Ich bin aus Aserbaidschan. Informieren Sie mir bitte über Goethe Institut in Tbilisi. Haben sie gute Lehrer für Deutsche Sprache?

    Comment by Yagub created 31/03/2015 - 17:53

    Hallo Yagub,

    Goethe-Institut in Tbilisi gibt es seit langem und es ist ein guter Platz um Deutsch zu lernen oder zu verbessern. Das Institut befindet sich im Zentrum der Stadt und ist einfach zu finden. Ich habe da mal vor vielen Jahren einen Kurs besucht und es hat mir sehr geholfen. Ich gehe davon aus, dass die Lehrer und Lehrerinnen des Goethe-Instituts aktuell auch gut qualifiziert sind.
    Näheres kannst du auf deren Webseite finden: http://www.goethe.de/ins/ge/de/tif.html

    Comment by Mikheil Sarjveladze created 01/04/2015 - 21:47

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