Die Stusta: Das größte Wohnheim Deutschlands

14 Gebäude formieren sich in der bayrischen Landeshauptstadt München zum größten Wohnheim Deutschlands: der Studentenstadt. Cafés, Studentenclubs und ein Mal im Jahr ein riesen Kulturspektakel lassen keinen Platz für Langeweile.

Haltestelle "Stusta", Bild: Steuer/DAAD
Haltestelle "Stusta", Bild: Steuer/DAAD
„Nächster Halt: Studentenstadt!“, hallt es blechern durch die U6 im Münchner Untergrund. Kurz darauf spuckt die U-Bahn Rucksackträger und Einkaufstütenschlepper aus, die alle Richtung Deutschlands größter Studierendensiedlung strömen.

Es ist eine Stadt in der bayerischen Landeshauptstadt, die sich da im Norden auf 88 000 Quadratmetern ausbreitet. Architektonisch ein Zeitzeugnis der betonlastigen 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, beherben die 14 Gebäude der „Altstadt“ und „Neustadt“ einen Querschnitt aller Kontinente. 2 500 der über 90 000 Studierenden in Deutschlands teuerster Stadt haben hier Unterschlupf gefunden.

HSH, StuStaculum und MKH

Blick auf Teile der Studentenstadt, Bild: Steuer/DAAD
Blick auf Teile der Studentenstadt, Bild: Steuer/DAAD
Die meisten davon leben im Hans-Seidel-Haus. Auf 19 Etagen stapeln sich über 600 Studierende in dem äußerlich schmucklosen Kasten, dessen Inneres aber an Pipi Langstrumpfs Villa Kunterbunt erinnert. Mit Comicfiguren bemalte Briefkästen und Wände auf der einen, die Schatten aller Stockwerksbewohner in schwarzer Farbe auf einer anderen Etage, sorgen für farbenfrohe Akzente. „Die Farbe können sich die Bewohner in der Werkstube abholen. Die Ideen haben sie selbst“, erzählen Markus Kunzmann und Fabian Eckl.

Die beiden umtriebigen Studierenden gehören seit drei bzw. vier Semestern zum aktiven Kern, der die Selbstverwaltung des XXL-Wohnheims am Laufen hält. Beide waren im Vorstand des Vereins „Kulturleben in der Stusta e.V.“ und haben bei der Organisation des „StuStaculum“ mitgemischt, dem größten studentischen Kulturspektakel Europa.

Mittlerweile beschränken sie sich auf ihre Rolle als Tutoren, organisieren Filmabende und Ausflüge und geben gern auch mal den Nikolaus: „Am 6. Dezember stellen wir jedem ein Päckchen vor die Tür.“

In den Genuss derart süßer Überraschung kommt Anastasia Tsibakova als Bewohnerin des Max-Kade-Haus (MKH) nicht. Trotzdem gefällt ihr das Leben in diesem Mikrokosmos unweit des Englischen Gartens. „Die Miete ist günstig und die Nähe zur Natur finde ich toll, weil ich gern spazieren gehe“, erzählt die 25-jährige Russin. Doch nicht nur Büsche und Bäume in üppigen Zahlen wachsen praktisch direkt vorm Wohnheimfenster.

Raum zur Selbstverwirklichung

Karolina Albrecht und Jaime Rojas, Bild: Steuer/DAAD
Karolina Albrecht und Jaime Rojas, Bild: Steuer/DAAD
Auch Kneipen, Clubs und Getränkekiosk finden sich auf dem weitläufigen Gelände. Damit Neuankömmlinge nicht die Orientierung verlieren, sollten sie sich vom ersten Tag an die Farbe der Fensterrahmen merken, nach denen die Häuser in der Neustadt benannt sind. Im Orangen Haus kocht und brodelt es im Keller. „Potschamperl“ hat jemand in roten Lettern an die Wand geschrieben, darunter ein Koch und keine WC-Zeichen für Männlein und Weiblein. Karolina Albrecht und Jaime Rojas haben seit anderthalb Jahren das Sagen im „Nachttopf“, der aussieht wie ein Studentenclub, alles bietet wie ein Studentenclub und trotzdem keiner ist. „Offiziell trägt nur die TribüHne den Titel Studentenkneipe. Wir sind laut Gesetz eine ‚hausinterne Gemeinschaftseinrichtung’ für die Studierenden, die hier wohnen“, erklärt Albrecht. Für die Sportstudierende im vierten Semester ist die Arbeit im „Potschamperl“ mehr als nur ein Job: „Es ist ein Stück Selbstverwirklichung, denn wir können uns hier ausprobieren, wollen aber gleichzeitig was cooles bieten.“

Mut zur Lücke

Bunte Briefkästen, Bild: Steuer/DAAD
Bunte Briefkästen, Bild: Steuer/DAAD
Platz für Kreativität wird im wahrsten Sinne auch auf jeder Etage in jedem Gebäude der „Schtuschta“ gelassen. Der chronischen Wohnungsnot und semesterlanger Wartelisten zum Trotz wird ein Zimmer pro Stockwerk nie vermietet, denn es ist ein „GAP“ – ein Gemeinschaftsappartment und kein Werbegag einer amerikanischen Modekette. „Das GAP dient als Treffpunkt für die Etagenbewohner, hat Kühlschrank, Kochplatten und manchmal sogar einen Beamer“, erzählt Markus Kunzmann. Solche Extras finanziert jedoch nicht das Studentenwerk, sondern z.B. Erlöse aus Gangpartys. „Und wenn Neuankömmlinge „Gäp“ statt „Gap“ sagen, reden wir ihnen das ganz schnell aus“, sagt Kunzmann und grinst.

Wer lieber bei einem gepflegten Bierchen Höhenluft schnuppern will, muss dem HSH fast aufs Dach steigen, um in Münchens höchstem Biergarten im 19. Stock zu relaxen. Bei guter Sicht kann man von hier nicht nur das „Schlauchboot“ (Allianz Arena) und den als „Tatzelwurm“ geneckten, unfertigen Zubringer zur A 9 im Norden sehen, sondern mit etwas Glück sogar die Zugspitze im Süden.

Tipp: Über die Website des Münchner Studentenwerks können sich Studierende für ein Zimmer in der StuSta oder eines der anderen 20 Wohnheime bewerben. Eine Lotterie bei der Wohnheimplätze verlost werden, gibt es am Wohnheimtag.

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