Die "Neue Burse": Umweltfreundlich und hochmodern

Um aus der alten Burse eine neue zu machen, griffen das Hochschul-Sozial-Werk in Wuppertal zu ungewöhnlichen Mitteln. Sie "schnitten" einen Teil aus dem Gebäude heraus und rüsteten es zum energiesparenden, modernen Wohnheim um.

Die "Neue Burse", Bild: Steuer/DAAD
Die "Neue Burse", Bild: Steuer/DAAD
Quietschgrün ist der Türrahmen von Bakr Fadels Zimmer. Die Farbe hat sich der Student mit den ägyptischen Wurzeln nicht selber ausgesucht, sondern sie ist Teil eines umfangreichen Konzepts, dass aus einem ehemals hässlichen Wohnheim einen echten Hingucker machte. Als Bakr 2007 in die "Neue Burse" in Wuppertal einzog, um seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der nahen Uni zu beginnen, war der letzte Baustaub jedoch längst verflogen.

Kaum vorstellbar, dass sein 20 Quadratmeter großes Zimmer mit bodentiefen Fenstern, Eichenparkett und einer hübschen Küchenzeile vor wenigen Jahren noch ein kleiner, dunkler und ungemütlicher Raum war. Einzig eine schmale Rille in der Wand, die sich auf Höhe seines Schreibtischs senkrecht durch den Raum zieht, beweist, dass hier früher wirklich alles anders war.

Gemeinschaftsdusche für 32 Leute

Denn bis ins Jahr 2000 war an der Rille Schluss. Eine Waschbetonfassade umhüllte das Gebäude hoch über dem Wupper Tal, die kleinen Fensterchen ließen kaum Licht ins Innere. Kahle Treppenhäuser mit ebenso dunkle Gängen und Gemeinschaftsduschen und –küchen für 32 Leute vervollständigten das Bild des hässlichen Entleins. Das Wohnheim „Alte Burse“ direkt auf dem Campus der Uni Wuppertal brauchte dringend eine Schönheitskur.

Mehr Platz und energiesparend

Farbenfroher Flur, Bild: Steuer/DAAD
Farbenfroher Flur, Bild: Steuer/DAAD
Statt mit ein bisschen Farbe die schlimmsten Makel zu übertünchen, ging es dem Gebäude von 1976 an die Substanz. Erst musste die Fassade weichen, dann folgten die ungeliebten Treppenhäuser mitsamt der Küchen und Duschen. „Dadurch das wir dieses Stück herausgeschnitten haben, waren auf einen Schlag alle Probleme gelöst“, erinnert sich Matthias Hensche vom Hochschul-Sozialwerk Wuppertal. Denn nun war der Weg frei für grüne Ideen und eine umweltfreundliche Bauweise, die der „Neuen Burse“ in der Folgezeit viele Preise einbringen sollte.

Während die neue Holzfassade und die begrünten Dächer, der neu gewonnene Innenhof mit Teich und Sitzbänken auf den ersten Blick zu erkennen sind, fühlen Besucher den größten Trumpf der insgesamt vier Gebäuden viel eher. Ob in den Gängen oder in den Zimmern, überall ist es angenehm warm – dank ausgeklügelter Heiztechnik. „Die 10 und die 12 sind Niedrigenergiehäuser, Nr. 14 und 16 sogar Passivenergiehäuser, die über einen Lüftungsschacht in der Küche angewärmt werden“, erklärt Matthias Hensche. Dass es trotzdem in jedem Badezimmer und Apartment sichtbare Heizkörper gibt, liegt an den Studierenden. „Wir wollen die Leute nicht überfordern, denn vielen fehlt einfach etwas, wenn sie in ihrem Zimmer keine Heizung finden“, erklärt der Verwalter lächelnd. Regulieren lässt sich darüber aber nur die Temperatur im Zimmer, „geheizt“ wird mit 19 °C warmer Luft.

Bakr sorgt für das "richtige Feeling"

Bakr Fadl, Bild: Steuer/DAAD
Bakr Fadl, Bild: Steuer/DAAD
Bakr Fadl interessiert weniger der technische Schnickschnack mit dem die „Neue Burse“ punkten will, sondern vielmehr die zentrale Lage: „Das Wohnheim ist echt Luxus, denn man ist direkt an der Uni, hat die Mensa und auch sonst alles, was man braucht“, schwärmt er. Wuppertal sei eine tolle Stadt, mit einem schönen kulturellen Leben, fügt er hinzu. Um ausländische Studierende daran teilhaben zu lassen, engagiert sich der gebürtige Frankfurter seit zwei Monaten als Tutor und kümmert sich um das „richtige Feeling“, wie er mit einem breiten Grinsen verrät. Gemeinsam mit elf anderen Studierenden organisiert er zum Beispiel Partys im Studentenclub „0815“ oder schenkt in der Adventszeit Glühwein aus.

Matthias Hensche ist froh über diesen Einsatz, denn mit 626 Zimmer ist die „Neue Burse“ kein Wohnheim, wo jeder jeden kennt. Eine gewisse Anonymität lässt sich nicht vermeiden. „Insgesamt ist das Leben hier oben aber sehr friedlich“, betont er. Was vielleicht auch am bereits erwähnten Farbkonzept liegt. Verantwortlich dafür zeichnet sich ein Professor der Uni Essen-Duisburg mit dem passenden Namen Friedrich Schmuck. Er strich die Flurwände abwechselnd in zitronengelb, orange und pink, himmelblau, froschgrün und flieder und über 60 weiteren Farben mit dem Ziel, Vandalismus vorzubeugen. Ob das tatsächlich wirkt, darauf möchte sich Matthias Hensche nicht festlegen, aber: „Die Farben erregen auf jeden Fall Aufmerksamkeit und führen nicht selten dazu, das Studierende von sich behaupten: Ich bin die rote Tür.“

Linktipp: http://www.hsw.uni-wuppertal.de/hsw

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