Das kleinste Wohnheim Deutschlands

Es ist der Traum von jedem Studierenden: Das eigene Haus! In Osnabrück kann ein glücklicher Studierender sogar seinen eigenen Turm bewohnen. Das kleinste Studentenwohnheim Deutschlands ist sehr begehrt, und das aus guten Gründen.
von Sebastian Dargel

Felix vor seinem Turm, Bild: Sebastian Dargel
Felix vor seinem Turm, Bild: Sebastian Dargel
„Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt Felix Grau, der Bewohner des kleinsten Studentenwohnheims Deutschlands. Er lebt in seinem eigenen kleinen Reich: 19m², verteilt auf drei Etagen. Bis der alte Sicherungsturm aber für die Studierenden eröffnet werden konnte, war es ein weiter Weg.

99 D-Mark für 99 Jahre

Der Turm wurde um das Jahr 1280 als Teil der Osnabrücker Stadtmauer gebaut. Nachdem die Stadtmauer nicht mehr notwendig war für die Stadt, fristete der Turm ein unnützes Dasein. Das Studentenwerk zeigte Interesse an dem Objekt, und als es 1995 fast komplett niederbrannte, sicherte sich das Studentenwerk die Pachtung des Turmes, für damals eine Deutsche Mark pro Jahr. „Da haben wir direkt 99 DM für 99 Jahre in den Turm investiert“, freut sich Ursula Rostenstock, Abteilungsleiterin für Studentisches Wohnen in Osnabrück. Die Renovierungsarbeiten nach dem Brand gingen schnell voran. Bereits 1997 konnte der erste Studierende einziehen und bis heute stand der Turm keinen Tag leer.

Wenig Platz, viel Ordnung

Der Platz im Turm ist natürlich etwas begrenzt. Im Erdgeschoss befindet sich der Eingang. Durchschreitet man diesen steht man direkt in der Diele. Außerdem findet man hier unten das Badezimmer, das auf kleinstem Raum alles bietet, was man für die tägliche Hygiene braucht. Das die Architekten beim Wiederaufbau des Turmes mitgedacht haben, bemerkt man hier sofort. Der Platz ist optimal genutzt und das Flair einer alten Wehranlage ist allgegenwärtig. Über eine Wendeltreppe geht es in das private Reich des Jurastudenten, dem Schlafzimmer. Ein großes Bett und ein Regal, mehr braucht man hier nicht. „Das Schöne ist, das der Turm den Bewohner zur Ordnung zwingt“, sagt Felix Grau. Im obersten Geschoss befindet sich die Küche und das Wohnzimmer. Die Küche ist, wie das ganze Haus, komplett möbliert. Von hier aus kann man nun auch eine Außentreppe nutzen, um wieder nach unten zu kommen.

Dachbalken ersetzen Nägel

Felix im Turm, Bild: Sebastian Dargel
Felix im Turm, Bild: Sebastian Dargel
Die Enge des Raumes und die Umstände in denen er lebt, zwingen den 23-jährigen aber nicht nur zur Ordnung, sondern auch zu Ideenreichtum. „Man darf keine Nägel in die Wände schlagen, weil das Haus aus Lehm ist“, betont Ursula Rosenstock. Für den glücklichen Turmbesitzer ist das aber kein Problem „Es ist halt ein sehr altes Gebäude und wer hier einzieht, weiß was ihn erwartet.“ So schwebt sein Fernseher an einer Art Flaschenzug befestigt. Dank der alten Deckenbalken ist es im ganzen Haus immerhin möglich, Gegenstände aufzuhängen. „Das spart sehr viel Platz, den ich brauche, wenn mal Besuch vorbei bekommt.“ Und den bekommt Felix häufig. Immer wieder klingeln Bürger der Stadt und fragen, ob sie sich mal im Turm umsehen dürfen. „Das stört mich aber nicht“, sagt Felix. Die Leute wollen den Turm aber nicht nur von innen sehen, sondern begutachten auch seine Fassade, und zwar sehr genau. „Der Turm ist dank der vielen Fenster gut einsehbar. Deswegen lassen wir lieber Männer dort wohnen“, verrät Ursula Rosenstock und grinst. Felix nimmt das gelassen in Kauf. Denn auch Träume haben ganz kleine Schattenseiten.

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