Das Extrastück Zucker im Kaffee

Amitabh Banerji ist Wissenschaftler – und Teilnehmer beim „Science Slam“. In zehn Minuten erklärt er dem Publikum das Thema seiner Forschung und bringt die Bühne zum Leuchten.

von Timo Stukenberg

Amitabh Banerji auf der Bühne, Foto: Oliver Adria
Amitabh Banerji auf der Bühne, Foto: Oliver Adria
„Unser nächster Teilnehmer mit der Startnummer zwei ist Amitabh Banerji!“, ruft der Moderator des Kölner Science Slams. Amitabh macht einen Satz auf die Bühne und gibt ein Zeichen. Das Licht geht aus und die Dunkelheit verschluckt den 33-jährigen Doktoranden. Die 150 Zuschauer starren gebannt in seine Richtung. Plötzlich scheinen neongelbe Glühwürmchen über die Bühne zu schweben.

„Was Ihr hier seht, ist der letzte Schrei in der Disco“, verkündet Amitabh, als das Licht wieder an ist und zeigt auf sein T-Shirt, auf dem die vermeintlichen Glühwürmchen leuchten. Die kleinen, gelben Punkte sind nämlich keine Tierchen, sondern organische Leuchtdioden, kurz OLEDs. Genau solche OLEDs baut er in seiner Doktorarbeit nach – und an diesem Abend auch auf der Bühne. Denn Amitabh ist nicht nur Wissenschaftler, er ist auch Science Slammer.

Zehn Minuten Wissenschaft

Bei einem Science Slam erklären Wissenschaftler auf möglichst spannende Weise, woran sie gerade forschen. „Die Regeln sind einfach“, erklärt Julia Offe, Molekularbiologin und Organisatorin des Science Slams. „Jeder Teilnehmer hat zehn Minuten Zeit für seinen Vortrag. Er darf experimentieren, Powerpoint benutzen oder einen Purzelbaum schlagen. Hauptsache, er überzeugt das Publikum.“ Während der Gewinner in Köln „nur“ eine Ausgabe der Zeitschrift „Geo“ bekommt, wird beim Science Slam in Siegen das „Goldene Gehirn“ verliehen.

Als Julia, die Molekularbiologin, neulich gefragt wurde, ob sie an biologischen Waffen forsche, war sie geschockt. „Keiner weiß, was Forscher eigentlich machen“, sagt sie. Deshalb will die 38-jährige Slam-Masterin, wie man die Organisatorin auch nennt, die Zuschauer für ihre Wissenschaft begeistern. Das funktioniert am besten, wenn die Zuschauer auch mal hinter die Kulissen des wissenschaftlichen Alltags blicken können. „Beim Slam kann man auch mal erzählen, dass es Spaß macht, nachts alleine im Labor mit radioaktiven Stoffen herumzuspielen“, sagt sie und grinst. Oder erfahren, womit sich Physiker vom Schweizer CERN-Labor für ein erfolgreiches Experiment belohnen: Mit einem Extrastück Zucker im Kaffee.

Darmstadt machte 2008 den Anfang

2008 gab es bereits die ersten deutschen Science Slams in Darmstadt und Braunschweig. Mittlerweile hat sich das Science Slam-Fieber auf das ganze Land, die Schweiz und Österreich ausgebreitet. Die zehn besten Science Slammer treten im November bei der Deutschen Meisterschaft in Hamburg gegeneinander an,

Wenn Amitabh nicht gerade auf der Bühne steht, versucht er den Chemieunterricht in deutschen Schulen zu verbessern. Dazu erforscht er in seiner Doktorarbeit, wie man OLEDs einfach im Unterricht nachbauen kann. Und die Ergebnisse seiner Forschung kann er auch beim Slam einsetzen – mit einem Unterschied: „Beim Slam steht der Lerneffekt im Hintergrund“, sagt der gebürtige Inder.

Experiment mit Überraschung

Versuchsaufbau, Foto: Stukenberg/DAAD
Versuchsaufbau, Foto: Stukenberg/DAAD
Eine kleine Glasplatte, ein Winkelschleifer eine chemische Flüssigkeit -  mehr braucht Amitabh für den ersten Schritt seines Experiments nicht. Der Wissenschaftler klebt die Glasplatte auf den Drehkopf des Winkelschleifers und tropft mit ruhiger Hand das so genannte „Superyellow“ darauf. Als er den Winkelschleifer startet, verteilt es sich hauchdünn auf der Glasplatte. Die gelbe Schicht leitet später den Strom durch die OLED. Während die Maschine noch surrt, erklärt Amitabh ruhig, dass die Glasplatte bei diesem Schritt schon mal quer durch den Raum geschossen ist. Das Publikum reagiert gelassen.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Jetzt müssen die OLEDs nur noch leuchten. Schon als er die Batterie an sein Versuchsobjekt klemmt, fängt das Publikum an zu klatschen. Denn auf der Platte leuchten zuerst schwach, dann ganz deutlich die neongelben Punkte auf. Das Experiment ist geglückt. Seine zehn Minuten Show sind rum! Unter tosendem Applaus verlässt er strahlend die Bühne. 81 von 90 Punkten bekommt er für seine „Glühwürmchen“ – mehr als alle anderen Teilnehmer. Das „Geo“ Magazin ist ihm sicher.

Linktipps:

Finde Science Slams in Deutschland und Europa: http://www.scienceslam.de/ oder http://www.scienceslam.org/

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