Das Extrastück Zucker im Kaffee
Amitabh Banerji ist Wissenschaftler – und Teilnehmer beim „Science Slam“. In zehn Minuten erklärt er dem Publikum das Thema seiner Forschung und bringt die Bühne zum Leuchten.
von Timo Stukenberg
Amitabh Banerji auf der Bühne, Foto: Oliver Adria
„Was Ihr hier seht, ist der letzte Schrei in der Disco“, verkündet Amitabh, als das Licht wieder an ist und zeigt auf sein T-Shirt, auf dem die vermeintlichen Glühwürmchen leuchten. Die kleinen, gelben Punkte sind nämlich keine Tierchen, sondern organische Leuchtdioden, kurz OLEDs. Genau solche OLEDs baut er in seiner Doktorarbeit nach – und an diesem Abend auch auf der Bühne. Denn Amitabh ist nicht nur Wissenschaftler, er ist auch Science Slammer.
Zehn Minuten Wissenschaft
Bei einem Science Slam erklären Wissenschaftler auf möglichst spannende Weise, woran sie gerade forschen. „Die Regeln sind einfach“, erklärt Julia Offe, Molekularbiologin und Organisatorin des Science Slams. „Jeder Teilnehmer hat zehn Minuten Zeit für seinen Vortrag. Er darf experimentieren, Powerpoint benutzen oder einen Purzelbaum schlagen. Hauptsache, er überzeugt das Publikum.“ Während der Gewinner in Köln „nur“ eine Ausgabe der Zeitschrift „Geo“ bekommt, wird beim Science Slam in Siegen das „Goldene Gehirn“ verliehen.
Als Julia, die Molekularbiologin, neulich gefragt wurde, ob sie an biologischen Waffen forsche, war sie geschockt. „Keiner weiß, was Forscher eigentlich machen“, sagt sie. Deshalb will die 38-jährige Slam-Masterin, wie man die Organisatorin auch nennt, die Zuschauer für ihre Wissenschaft begeistern. Das funktioniert am besten, wenn die Zuschauer auch mal hinter die Kulissen des wissenschaftlichen Alltags blicken können. „Beim Slam kann man auch mal erzählen, dass es Spaß macht, nachts alleine im Labor mit radioaktiven Stoffen herumzuspielen“, sagt sie und grinst. Oder erfahren, womit sich Physiker vom Schweizer CERN-Labor für ein erfolgreiches Experiment belohnen: Mit einem Extrastück Zucker im Kaffee.
Darmstadt machte 2008 den Anfang
2008 gab es bereits die ersten deutschen Science Slams in Darmstadt und Braunschweig. Mittlerweile hat sich das Science Slam-Fieber auf das ganze Land, die Schweiz und Österreich ausgebreitet. Die zehn besten Science Slammer treten im November bei der Deutschen Meisterschaft in Hamburg gegeneinander an,
Wenn Amitabh nicht gerade auf der Bühne steht, versucht er den Chemieunterricht in deutschen Schulen zu verbessern. Dazu erforscht er in seiner Doktorarbeit, wie man OLEDs einfach im Unterricht nachbauen kann. Und die Ergebnisse seiner Forschung kann er auch beim Slam einsetzen – mit einem Unterschied: „Beim Slam steht der Lerneffekt im Hintergrund“, sagt der gebürtige Inder.
Experiment mit Überraschung
Versuchsaufbau, Foto: Stukenberg/DAAD
Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Jetzt müssen die OLEDs nur noch leuchten. Schon als er die Batterie an sein Versuchsobjekt klemmt, fängt das Publikum an zu klatschen. Denn auf der Platte leuchten zuerst schwach, dann ganz deutlich die neongelben Punkte auf. Das Experiment ist geglückt. Seine zehn Minuten Show sind rum! Unter tosendem Applaus verlässt er strahlend die Bühne. 81 von 90 Punkten bekommt er für seine „Glühwürmchen“ – mehr als alle anderen Teilnehmer. Das „Geo“ Magazin ist ihm sicher.
Linktipps:
Finde Science Slams in Deutschland und Europa: http://www.scienceslam.de/ oder http://www.scienceslam.org/


















