Segelfliegen an der TU Dresden
An der TU Dresden heben die Studierenden ab – im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Segelfliegen schwebt die Akademischen Fliegergruppe lautlos durch die Lüfte. Alle Neuen können an zwei Tagen pro Jahr reinschnuppern: Beim Probeflug.
von Dominik Brüggemann
Im Landeanflug, Foto: Brüggemann/DAADDas Zugseil ist eingeklinkt und gesichert. Der Pilot prüft Instrumente, Ruder und Leitwerke. Delta 54 ist abflugbereit. Mit rund 100 Kilometer pro Stunde zieht eine Seilwinde das Segelflugzeug in die Luft. Bei leichtem Seitenwind steigt es steil empor, bis zu 400 Meter hoch. Dort klingt das Zugseil aus, die zweisitzige „Twin Astir“ segelt lautlos über die Lausitz. Zwei Mal im Jahr immer zu Beginn des neuen Semesters bietet die Akademische Fliegergruppe der Technischen Universität Dresden e.V, kurz „Akaflieg“, ein Schnupperfliegen für neue Studenten an. Über 30 Neugierige kamen dieses Semester zum Flugplatz Schwarzheide, um dort einen Probeflug mit erfahrenen Piloten zu machen.
Eine von ihnen ist die Geographie-Studentin Nina Baake. „Der Verein hat sich mit einem Videovortrag im Hörsaal präsentiert. Da hat es mich gepackt“, berichtet sie von ihrem ersten Kontakt. Bevor sie am Flugtag abheben kann, erhält sie von Vivian Rösler, der ersten Vorsitzenden des Vereins, eine Einweisung. Sie erklärt die wichtigsten Instrumente, das Verhalten im Notfall und zeigt auch, wo der Brechbeutel liegt.
Segelfliegen als Glückgefühl
Im Cockpit, Foto: Brüggemann/DAADDie Tüte benötigt Nina zum Glück nicht, stattdessen strahlt sie nach ihrem ersten Flug über das ganze Gesicht. „Das Fliegen war ein Adrenalin-Glücksgefühl“, schwärmt sie von ihrem Jungfernflug. „Der Sport interessiert mich, da melde ich mich gerne beim Verein an.“ Auch ihre Freundin ist nach dem kurzweiligen Rundflug begeistert: „Die Sicht auf die Erde ist beeindruckend und das Gefühl lautlos zu Schweben ist Wahnsinn.“
Unterstützung erhält die „Akaflieg“ auch von erfahren Piloten wie Lutz Plaumann. Seit 1967 sitzt er immer wieder im Cockpit der motorlosen Flieger. Damals war er erst 15 Jahre alt und nach eigenen Angaben dank einer Sondergenehmigung der jüngste Segelflieger der DDR. Stolz zeigt er sein Flugbuch. 1 327 Starts sind bislang vermerkt. „Das schöne an der Fliegerei ist der Erfolg deines Tuns. Es ist ein Wonnegefühl, die Thermik zu treffen und aufzusteigen auf 2 000 Meter“, schwärmt er von den besonderen Erlebnissen des Leistungssports.
Die Bedingungen sind optimal in Schwarzheide, rund 60 Kilometer nordöstlich von Dresden. „Das ist wie eine Autobahn fürs Segelfliegen“ berichtet Mitglied Florian Herrmann. Ehemalige Tagebauten bieten mit ihren weiten Sandflächen herausragende thermische Bedingungen. An diesen Stellen erwärmt die Sonne die Luft besonders schnell. Die aufsteigende warme Luft lässt die Segler lange kreisen.
Fliegen im Sommer, lernen und werkeln im Winter
Herrlicher Ausblick, Foto: Brüggemann/DAADUm allein an den Steuerknüppel zu dürfen, benötigst du eine Pilotenlizenz und eine ärztliche Zulassung. Nach einer umfassenden Theorieprüfung fliegst du zunächst in Begleitung, erlernst mithilfe des Ausbilders die Grundlagen des Fliegens. Nach dem ersten Alleinflug folgen zwei weitere Alleinflüge, die vom Ausbilder abgenommen werden müssen. Sie bilden die A-Lizenz. Zusammen mit einer Funklizenz und weiteren Flugmanövern erhältst du so die grundlegende Fluglizenz.
Segelflieger, Foto: Brüggemann/DAADNeben dem Fliegen in der Sommersaison haben sich die 35 Mitglieder des Vereins ein weiteres Ziel gesteckt. Sie wollen ein eigenes Flugzeug bauen. Unter dem Namen D-B11 wollen sie in Eigenregie Rumpf, Haube und die Leitwerksanordnung selbst entwickeln. Einzig die Flügel und das Leitwerk sollen zugekauft werden. Maik Horneffer findet das Projekt bemerkenswert. „Das Beeindruckende ist, dass die Studenten von Null bis zum fertigen Flugzeug fast alles selbst entwickeln.“ Zwar endet der Flugbetrieb meist Ende Oktober, genug Arbeit bleibt für den Winter trotzdem. Vier Mal pro Woche treffen sich die aktiven Mitglieder in der eigenen Werkstatt, die Nahe am Campus liegt. Dort warten sie die drei eigenen Vereinsflugzeuge, tüfteln am Prototypen. 2015 soll D-B11 abflugbereit sein.