Einkaufen im Supermarkt der Zukunft
Über 300 Kilometer trennen die Orte Tönisvorst und Haßloch. Trotzdem haben die beiden Dörfer eines gemeinsam: Sie gestalten die Zukunft des deutschen Einzelhandels.
1599 wurde das älteste Haus von Haßloch gebaut, Bild: Wikicommons
Seit 1986 zählt die Meinung der Einwohner des Dorfes, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung einer Schokolade, Keksen oder auch eines neuen Deos geht. Dafür wurden 3 500 Haushalte mit speziellen Chipkarten ausgestattet, die bei jedem Einkauf gescannt werden und alles dokumentieren, was von den Dorfbewohnern gekauft wird. Produkte, die in Haßloch durchfallen, werden es nie in die bundesweiten Supermärkte schaffen.
Roboter in Tönisvorst
Ähnliches gilt für die Technologien, die im "Real Future Store" in Tönisvorst zum Einsatz kommen. 2008 wurde der dortige, bis dahin völlig normale Supermarkt umgebaut und zur realen Teststrecke für technische Erfindungen und Marktkonzepte erklärt. Zur Neueröffnung hatten auch "Ally" und "Roger" ihren ersten Arbeitstag. Die beiden Roboter flitzen abwechselnd durch die Regalreihen und helfen den Kunden dabei, ihre Einkaufszettel abzuarbeiten. Eine anstrengende Aufgabe, die bereits nach einer Stunde an der Steckdose endet, wenn die Batterien aufgeladen werden müssen.
Dass Handys nicht nur zum telefonieren geschaffen wurden, sondern sehr wohl auch als Scanner und virtueller Einkaufszettel taugen, können Kunden ebenfalls direkt ausprobieren. Möglich macht es der "Mobile Einkaufsassistent" kurz "MEA" mit Unterstützung der Handykamera. Strichcode der Nudelpackung, des Joghurts oder der Milch anvisieren und "piep" speichert der "MEA" alles. Weil Obst und Gemüse naturgemäß ohne Strichcode wachsen, kümmert sich die "intelligente Waage" um das Problem. Ebenfalls dank Kamera erkennt sie ungefähr, was der Kunde wiegen möchte und zeigt die möglichen Optionen auf ihrem Display an. Ein weiterer Klick auf "Bananen" und das Obst ist ebenfalls codiert.
Roboter Ally, Bild: Real Future Store
Selbst das Bezahlen wird im "Future Store" ein Erlebnis. An den SB-Kassen scannt jeder Kunde seinen Einkauf selbst ein, sofern der "MEA" das nicht schon übernommen hat. Bezahlt wird entweder mit EC-Karte, Handy oder sogar Fingerabdruck. Und für all jene, die für ihr Leben gern in einer Schlange stehen und Smalltalk mit der Kassiererin halten wollen, gibt es immer noch die normale Kasse mit Band und Bargeld. www.future-store.org
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