50 einfache Dinge über Deutschland

Statistiken zu Deutschland gibt es fast genauso viele wie Bücher zu deutschen Klischees. Eines der neuesten Werke zum Thema kommt von Katrin Wilkens. Im Interview spricht die die Autorin über „50 Dinge, die typisch deutsch sind.“

Brandenburger Tor, Photo: Ausserhofer/Himsel/DAADDeutschland hat 82,2 Millionen Einwohner, die sich auf 357 104 km² verteilen. Es ist umgeben von neun Nachbarländern und wird durchzogen von 12 531 km Autobahn, die von 41,2 Millionen zugelassenen PKWs befahren werden. Auf 391 Hochschulen verteilen sich 1,93 Millionen Studierende, von denen die Meisten Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften oder Germanistik studieren.

All diese Informationen sind hochoffiziell, verewigt auf über 700 Seiten im Jahrbuch 2008 des Statistischen Bundesamtes. Ein vollständiges Deutschlandbild zeichnen sie trotzdem nicht, denn Klischees und Eigenheiten eines Landes lassen sich selten messen, anscheinend aber in Worte fassen, wie zahlreiche Ratgeber und Sachbücher beweisen: „Planet Germany – Eine Expedition in die Heimat des Hawaii-Toasts“, „Gebrauchsanweisung für Deutschland“ oder immer wieder „Typisch deutsch“ plus alle erdenklichen Satzkombinationen.

Das jüngste „Typisch Deutsch“-Buch hat die Journalistin Katrin Wilkens verfasst. Die Hamburgerin hat sich auf die Suche gemacht und „50 einfache Dinge, die typisch deutsch“ sind gefunden. Im Interview erzählt die zweifache Mutter, warum Klischees wichtig sind und was „Typisch Deutsch“ für sie bedeutet.

Welches Anliegen hat ihr Buch?

Katrin Wilkens, Photo: Westend VerlagKatrin Wilkens: Es zelebriert genüsslich die Klischees und Vorurteile, die es über Deutschland so gibt. Es ist sehr subjektiv, aber auch ein bisschen böse und nimmt die deutschen Macken liebevoll aufs Korn. In erster Linie soll es unterhalten, aber auch nützlich sein. Es liefert kein punktuelles Faktenwissen, sondern ein Gefühl für Deutschland. Wenn die Leute nach dem Lesen anfangen würden zu diskutieren, fänd ich das sensationell.

Die Deutschen trinken Bier, essen Bratwurst und tragen Lederhosen, sind drei davon, die uns hartnäckig anhaften. Warum?

Klischees sind die einfachste Art, um in einem fremden Land in Kontakt zu treten. Sie sind eine Krücke, die uns stützt und bewegen uns dazu, uns mit einer anderen Kultur zu beschäftigen. Ich glaube, ohne Klischees geht es nicht.

Haben sie bei ihrer Recherche auch die Bücher anderer Autoren zum Thema gelesen?

Ja, aber erst nachdem ich mit meinem Buch fertig war. Mir gefällt „Typisch deutsch: Wie deutsch sind die Deutschen“ von Herrmann Bausinger und das sage ich nicht nur, weil ich bei ihm Kulturwissenschaften in Tübingen studiert habe.

Was ist das Besondere an ihrem Buch?

Es gibt zu jedem Bundesland ein Kapitel, denn der Föderalismus, dieser kulturelle Flickenteppich, zeichnet Deutschland aus. Bei jedem der 16 Länder habe ich mir eine spezielle Eigenschaft, einen besonderen Aspekt herausgesucht in der Hoffnung, dass der Leser etwas lernt.

Zum Beispiel?

Berlin! Die Stadt ist für den schmalen Geldbeutel gemacht, denn nirgendwo sonst gibt es soviel kostenlose Kultur.

Und die restlichen 34 Dinge? Wie haben sie die gefunden?

Ich habe mir Themen überlegt, zu denen ich einen Zugang habe, über die ich etwas erzählen kann. Dazu zählt das Grillen genauso wie der Ikea-Wahnsinn in deutschen Wohnzimmern. Deshalb gibt es auch kein Kapitel über Bier oder Kuckucksuhren, obwohl die auf dem Cover ist.

Das Dritte Reich wird ebenfalls thematisiert. Wie sind sie bei diesem sehr sensiblen Thema vorgegangen?

Es war von vornherein klar, dass die Vergangenheit Teil des Buches werden muss, nur das Wie war das Problem. Es war sehr schwierig die Balance zu halten, nichts zu beschönigen aber auch nicht zu düster zu schreiben. Die Verantwortung für das, was vor über 60 Jahren passiert ist, wird weitervererbt. Das ist nie weg. Wir Deutschen können ein Vorbild für andere Länder sein. Man kann feiern, ohne seine Ernsthaftigkeit zu vergessen.

Warum lohnt es sich für ausländische Studierende nach Deutschland zu kommen?

Es lohnt sich, weil Deutschland sehr bunt, sehr vielfältig und einfach zu verstehen ist, weil es für alles Regeln gibt. Die Bürokratie, die viele zuerst abschreckt, ist eigentlich sehr praktisch. Niemand muss geheime Pfade gehen, um ans Ziel zu kommen, es gibt für alles Vorlagen. Zudem genießen Studierende eine sehr guten Ruf in Deutschland.

Buchtipp: Katrin Wilkens, „50 Dinge, die typisch deutsch sind“, erschienen 2009 im Westend Verlag

 

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