Kiel: Leben an der Ostsee

Kiel ist geprägt vom Meer. Das macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar. Im Kieler Ostseehafen legen große Fähren und Kreuzfahrtschiffe an. Werften säumen vor allem die Ostseite des Kieler Hafens. Es gibt einen Marinestützpunkt. Und auch das größte Jahresereignis der Stadt findet zu einem Großteil auf dem Wasser statt. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch ein Schwerpunkte der Universität Kiel konkret mit dem Meer zu tun hat.

von Christoph Berger


Kiel auf einen Blick

 

Kieler Altstadt, Foto: Stadt Kiel/Bodo
Kieler Altstadt, Foto: Stadt Kiel/Bodo
Knapp 240.000 Einwohner leben in der größten Stadt Schleswig Holsteins, die auch Landeshauptstadt des Bundeslandes ist. Es gibt schönere Innenstädte, keine Frage. Im Zweiten Weltkrieg wurde Kiel aufgrund seiner U-Boot-Häfen ein Großteil der Altstadt weggebombt. Und so säumen noch heute Bauten der Nachkriegsarchitektur die Fußgängerzone, die sich parallel zum Hafen entlang zieht. In dem liegen große Fähren vor Anker und Möwen ziehen ihre Flugrunden. Allerdings ändert sich das Bild schnell. Läufst du zum Beispiel am Ufer der Kieler Förde – das ist der Ostseefjord, um den herum Kiel gebaut ist – in Richtung Norden, kommst du schnell ans Kieler Schloss und seinen Garten. Damit hast du auch gleich die erste Sehenswürdigkeit erreicht. Läufst du dann noch weiter, säumen das Zoologische und das völkerkundliche Museum deinen Weg. Gleich darauf folgt die Kunsthalle. An der Kiellinie dann, der Uferpromenade, kannst du gemütlich flanieren oder inline skaten. Oder du schaust den Seehunden im Außenbecken des Aquariums beim Spielen zu. Dort liegt auch der Akademische Ruderverein Kiel.


Hochschulen im Überblick

 

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Uni Kiel, Foto: Presse
Uni Kiel, Foto: Presse
An der im Jahr 1665 gegründeten Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, kurz CAU genannt, sind an acht Fakultäten über 22.000 Studierende eingeschrieben. 700 Lehrkräfte sind für deren Ausbildung verantwortlich. Die Lage Kiels zum Meer spiegelt auch einen der Studienschwerpunkt wider: die Meereswissenschaften. Die sind wiederum eng mit der Biologie, Chemie, Geologie und Physik verknüpft, so dass Interdisziplinarität garantiert ist. In dem Exzellenzcluster  „Ozean der Zukunft“ werden sämtliche Projekte des Universitätsschwerpunkts „Meeres- und Geoforschung“ gebündelt. Eine Reihe von Forschungsinstituten sind in diesem Cluster aktiv. Die Universität hat daneben jedoch noch einen weiteren Forschungsschwerpunkt: „Angewandte Lebenswissenschaften“. Auch er stellt eine Schnittstelle zwischen unterschiedlichsten Fachgebieten dar.

Muthesius Kunsthochschule Kiel
Das Kunststudium an der Muthesius beinhaltet die Lehrgebiete Bildhauerei, Keramische Plastik, Künstlerische Grundlehre, Interaktive Projekt-Kunst, Malerei, Medienkunst/Kunst mit Medien und Zeichnung/Grafik. Außerdem kann Kunst auf Lehramt studiert werden. Angeboten werden die Studienabschlüsse Bachelor und Master. Und: Die Promotion ist möglich.

Fachhochschule Kiel

Die Fachhochschule Kiel liegt direkt am Ostufer der Förde. Mit etwa 6.100 Studierenden ist sie die größte Fachhochschule des Bundeslandes Schleswig-Holstein. Angeboten werden etwa 30 Bachelor- und Masterstudiengänge. Außerdem können Zusatzstudiengänge, berufsbegleitende und weiter bildende Angebote in einigen Fächern belegt werden.
Wohnst du in der Innenstadt, auf der Westseite der Förde also, kannst du schnell mit der Fähre zur Fachhochschule überzusetzen. So sparst du dir den Weg um den Kieler Hafen. Die Fachhochschule ist jedoch auch sehr gut an den Busverkehr angeschlossen.


Freizeit in Kiel

 

Kieler Woche Windjammer Parade, Foto: Presse
Kieler Woche Windjammer Parade, Foto: Presse
Wie könnte es anders sein, auch deine Freizeit kannst du in Kiel perfekt mit dem Meer verbinden. Im reichhaltigen Angebot des Unisports kannst du an den Kursen Wellenreiten, Segeln, Kite-Surfen, Rudern und Eskimotieren teilnehmen. Sogar einen Drachenboot-Kurs kannst du belegen. Natürlich gibt es noch viele weitere Angebote.
Perfekt für den Sommer: Die zahlreichen Strände an der Kieler Bucht garantieren Urlaubsstimmung. Allerdings bietet dir das Meer außer seinen Stränden und Sportmöglichkeiten noch mehr. Du kannst zum Beispiel das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer besuchen und dir dort die Biosphäre erklären lassen oder Vögel beobachten.
Als eines der weltweit größten Ereignisse im Segelsport gilt die Kieler Woche. Einmal im Jahr findet diese Segelregatta statt. Dazu wird ein riesiges Rahmenprogramm organisiert. Es besteht aus Konzerten und anderen künstlerischen Darbietungen. Während des Fests kannst du außerdem gleich mal die Delikatesse der Region probieren. Das ist eine Fischspezialität namens „Kieler Sprotten“.
Überhaupt: Wenn du Kultur suchst, hast du freie Auswahl. Egal ob du ins Museum, das Theater, die Oper oder zu einem Konzert willst.
Spaziergang am Meer, Foto: Stadt Kiel/Bodo
Spaziergang am Meer, Foto: Stadt Kiel/Bodo
Genauso vielfältig wie das Kulturleben ist das Nacht- und Partyleben der Stadt. Dank der zahlreichen Unipartys  und Clubs ist immer was los. Im LunaClub finden Konzerte und Partys statt – auf dem Programm stehen immer mal wieder auch international bekannte DJ’s. Aus der Astor Bar kannst du beim Cocktail trinken deinen Blick über den Hafen und die Stadt streifen lassen. Konzerte und eine ganz Reihe anderer kultureller Veranstaltungen werden in der Pumpe und der Schaubude organisiert. Im Oblomov, Café Taktlos und der Bazille triffst du sicherlich auf Kommilitonen. Die drei Läden zählen zu beliebten Treffpunkten unter Studierenden. Auf der Holtenauer Straße findest du zahlreiche Cafés und kleine Lädchen. Die Straße ist nicht weit vom Uni-Campus entfernt.
Angespannt ist allerdings die Wohnsituation in Kiel. Direkt an der Uni könnte es für dich schwierig werden, ein bezahlbares Zimmer zu finden. Es sei denn, du hast Glück mit einem Wohnheimzimmer. Die stellen die preiswerteste Wohnform dar. Die Zimmer dort sind zwischen neun und 20 Quadratmetern groß. Die Monatsmieten liegen zwischen 141 und 313 Euro.
Bevorzugst du jedoch ein Privatzimmer, zum Beispiel in einer Wohngemeinschaft, kannst du dich an den AStA wenden, den Allgemeinenden Studierendenausschuss. Eine andere Möglichkeit für die Suche sind die Schwarzen Bretter an der Mensa. Und: Mittwochs und samstags gibt es in der Tageszeitung „Kieler Nachrichten“ einen Wohnungsteil. Auch der Kieler Express hat einen Angebotsteil für Wohnungen und Zimmer. Und dann gibt es natürlich das Internet.


Interview mit Marta Chiarinotti aus Italien

 

Marta aus Italien ist 27 Jahre. Sie arbeitet in Kiel momentan an ihrer Doktorarbeit im Fach Italienische Philologie.  Zuvor studierte sie dort Italienisch, Spanisch und Politikwissenschaft.

Marta Chiarinotti, Foto: Berger/DAAD
Marta Chiarinotti, Foto: Berger/DAAD
Marta, du stammst aus Italien. Wie bist du nach Kiel gekommen?
In Italien habe ich Englisch und Deutsch studiert. Während des Studiums habe ich mich für das Erasmus-Programm beworben. Zur Auswahl standen für mich Berlin und Kiel. Genommen wurde ich in Kiel. Die Stadt hat mir in der Zeit so gut gefallen, dass ich danach mein Bachelorstudium in Italien sehr schnell beendet habe, um in Kiel noch Italienisch, Spanisch und Politikwissenschaft auf einen Magisterabschluss hin zu studieren. Jetzt promoviere ich im Fach Italienische Philologie.

Wie gefällt dir die Uni?
Mir gefiel von Beginn an die Hilfsbereitschaft der Menschen an der Uni. Die Betreuung ist sehr gut. Ich wurde nicht alleine gelassen, sondern bekam bei der Wohnungssuche Unterstützung. Außerdem organisierte die Universität gleich Kontakte zu anderen Studierenden. Und auch die Professoren kümmern sich sehr gut um uns ausländische Studenten. Es spielte für sie keine Rolle, dass ich am Anfang noch nicht so gut Deutsch konnte. Außerdem ist die Universität sehr gut strukturiert. Das macht vieles im Alltag für mich einfach.

Wie gefällt dir Kiel?
Kiel gefällt mir sehr gut. Ich mag die Menschen, das Meer, die Parks, die Förde und die Strände.

Wie sieht dein Studentenleben aus?
Ich halte mich wegen der Doktorarbeit viel an der Universität auf. Doch zwischendrin mache ich immer wieder Pausen, um Freunde zu treffen. Auf einen Kaffe zum Beispiel. Das ist sehr wichtig für mich. Außerdem nutze ich einige Angebote des Universitätssports: Volleyball und Skigymnastik.
Neben meinem Studium habe ich noch mehrere Nebenjobs. So verdiene ich mir Geld dazu. Ich gebe an der Volkshochschule Kurse in Italienisch. Und im Sommer arbeite ich als Stadtführerin für Italiener, die mit den Kreuzfahrtschiffen in Kiel ankommen. Das sind beides gute Möglichkeiten für ausländische Studierende, in der Stadt zu arbeiten.
Im Sommer verbringe ich außerdem viel Zeit mit Freunden im Schrevenpark. Der ist nicht weit von der Universität entfernt. Wir grillen dort gemeinsam, spielen und treiben Sport.

Wie geht es für dich weiter?
Mal sehen, das weiß ich noch nicht so genau. Ich habe ja gerade erst mit meiner Doktorarbeit begonnen. Die dauert jetzt etwa zwei Jahre. Danach würde ich gerne in Kiel bleiben. Ich weiß aber nicht, ob das klappen wird.

Hast Du einen Lieblingsplatz in Kiel?
Mein Lieblingsplatz ist am Kleiner Kiel. Das ist ein See mitten in der Stadt. Von dort hat man einen sehr guten Blick auf die Stadt.

Welche Erfahrungen hast du in der Stadt machen können?
Die Menschen im Norden Deutschlands sind erst einmal zurückhaltend. Doch als Italienerin habe ich damit keine Probleme. Ich gehe einfach auf die Leute zu und spreche sie an. Wenn ich die Menschen dann kennengelernt habe, sind sie sehr nett und herzlich. Die meiste Zeit bin ich aber sowieso mit anderen Studenten unterwegs. Und die kommen von überall her. Mit denen macht das Leben in der Stadt sehr viel Spaß.


Nützliche Links:

 

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