Heilbronn: Wo Wein und Neckar fließen
"Wir schaffen wie die Schwaben und feiern wie die Franken“, behaupten die Einwohner der kleinen Stadt im Norden Baden-Württembergs von sich. In der Tat kannst du in Heilbronn jede Menge erleben. Neben shoppen und feiern kannst du zum Beispiel dabei zuschauen, wie ein völlig neuer Stadtteil direkt am Fluss entsteht.
Heilbronn auf einen Blick
Rathausplatz Heilbronn, Foto: Steuer/DAAD
Doch Stück für Stück erlangte die Stadt nicht nur ihren alten Glanz zurück, sondern ist längst noch nicht ausgewachsen. Obwohl die Bundesgartenschau erst 2019 in Heilbronn zu Gast sein wird, laufen die Planungen dafür bereits auf Hochtouren. Denn auf einem ehemaligen Bahnhofsgelände sollen nicht nur ein paar Blümchen, sondern ein komplett neuer Stadtteil wachsen: "Der Neckarbogen".
Eine der berühmtesten Einwohnerinnen ist das Käthchen von Heilbronn. Seit sie im Drama von Dichter Heinrich von Kleist die Hauptrolle spielte, ist die Stadt weltbekannt. Dank dem Künstler Dieter Läpple kannst du das Käthchen jederzeit besuchen. Ihre Skulptur steht in der Kirchbrunnenstraße, während du das "Käthchenhaus" am Marktplatz findest. Alle zwei Jahre wählen die Heilbronner zudem ein "echtes" Käthchen, das dann die Stadt auf Messen und Festen vertritt.
Und feiern können die Heilbronner. Nicht ohne Grund trägt ihre Heimat den Spitznamen "Feschtles Haupstadt". Ob Gaffenberg Festival, Neckarvergnügen an und auf dem Fluss oder Unterländer Volksfest auf der Theresienwiese, es ist immer etwas los. Besonders im September geht es rund ums Rathaus hoch her, wenn das "Heilbronner Weindorf" öffnet. Während dieser zehn Tagen haben die 300 000 Besucher die Qual der Wahl zwischen 300 Weinen. Viele davon wachsen in den endlosen Weinbergen im Umland. Mit seiner Größe von 530 Hektar zählt die Gegend zu den wichtigsten Weinanbaugebieten Deutschlands.
Hochschulen im Überblick
Hochschule Heilbronn, Foto: Presse
Angehende Ingenieure finden in Heilbronn ideale Bedingungen: In der hochschuleigenen Werkstatt können sie Tests durchführen und verschiedensten Automodellen unter die Motorhaube schauen. Am Fahrsimulator wird die Theorie ebenfalls direkt in die Praxis umgesetzt, wie das Video zeigt.
Fahrsimulator der Hochschule Heilbronn
Freizeit in Heilbronn
Goldener Hase, Foto: Steuer/DAAD
Auf der Suche nach Entspannung wirst du am Ufer des Neckar fündig. Ein Spaziergang die Promenade entlang lässt dich durchatmen - und vielleicht auch staunen, denn überall in der Stadt triffst du auf besondere "Bewohner". So hockt zum Beispiel sei einigen Jahren ein Goldener Hase auf der Neckarbrücke und angelt. Ein Broschüre mit allen Kunstwerken im öffentlichen Raum bekommst du bei der Touristeninformation. Wenn du schon mal dort bist, kannst du dir gleich noch den Schlüssel für den Bollwerkturm in der Unteren Neckarstraße ausleihen. Richtig gelesen: Jeder, der mag, darf sich für ein paar Stunden als Turmherr fühlen. Das Beste: Die Besichtigung ist kostenlos.
Wenn dir grillen im Park zu langweilig ist, gibt es in Heilbronn eine schwimmende Alternative: Ein Bootsverleih direkt am Neckar verleiht so genannte "BBQ Inseln", runde Boote mit eingebautem Grill in der Mitte.
Shopping in Heilbronn, Foto: Steuer/DAAD
Die besten Partys der Stadt steigen gleich an mehreren Ecken. Mittwochs musst du dafür nicht mal die Hochschule verlassen, denn das Foyer wird kurzerhand zum Club umgewandelt. Immer abwechselnd kümmern sich die verschiedenen Studiengänge um die Organisation, besorgen einen DJ oder sogar eine Band und wählen ein Motto aus. Ebenfalls gleich in der Nähe steht das KlubSofa. Wunder dich nicht, wenn dir ab und zu dein Professor das Bier bringt, denn in diesem Studentenclub bedienen dich ganz selbstverständlich auch mal die Dozenten.
Sehr viel edler ist die "Sperber Lounge" im Kaiser's Turm, dem höchsten Gebäude der Stadt. Selbst wenn dir diese Art von Clubs eigentlich gar nicht gefallen, solltest du dort mal vorbeischauen. Der Ausblick über die Stadt ist es wert. Einige Nummern größer ist der „Musikpark“, die größte Disco Süddeutschlands.
Viel traditioneller und gemütlicher geht es auf den 40 Weingütern der Region zu. Wenn dich jemand im Sommer "in den Besen" einlädt, solltest du unbedingt mitgehen. Gemeint ist damit eine "Besenwirtschaft", also eine Art einfaches Lokal, das von den Inhabern des Weingutes sechs Wochen im Jahr betrieben wird. Auf der Karte stehen neben deftiger Hausmannskost natürlich der selbst produzierte Wein. Kleiner Tipp: In Heilbronn heißen die "Weinmacher" nicht Winzer sondern „Wengerte“. Und „Saitenwürschtle“ sind nichts anderes als Wiener Würstchen.
Interview mit Thi Thu Hang Vu aus Vietnam und Kyle Schaefer aus USA
Thi Thu Hang ist 24 und studiert auf Bachelor in Verkehrsbetriebswirtschaft und Personenverkehr im 4. Semester. Kyle Schäfer, 22, studiert für ein Semester Maschinenbau und Deutsch an der Hochschule.
Kyle Schaefer und Thi Thu Hang Vu, Foto: Steuer/DAAD
Thi Thu Hang: Ich bin seit 2007 in Deutschland. Zuerst habe ich ein Studienkolleg besucht und dann im Internet meinen Studiengang entdeckt, der mir sofort gefiel.
Kyle: Ich mache ein Praktikum für drei Monate an der Hochschule Heilbronn und bin ein Semester lang Gaststudent. In den USA studiere ich eigentlich „International Engineering“. Deutsch hat mich schon immer interessiert wegen meiner Familie, die deutsche Wurzeln hat. In der siebten Klasse habe ich angefangen Deutsch zu lernen. Das ist jetzt schon mein dritter Aufenthalt in Deutschland. 2008 und 2009 war ich bereits für kurze Zeit in Mannheim.
Welche Unterschiede zwischen deiner Heimat und Heilbronn fallen dir auf?
Thi Thu Hang: Die Kultur, das Essen… Ich mag die deutsche Küche mittlerweile sehr, vor allem Schnitzel mit Pommes. Ich wohne in einer Vierer WG und wir haben letztens Pfannkuchen mit Apfel und Zimt gemacht. Das war sehr lecker.
Wie gefällt dir die Stadt?
Thi Thu Hang: Heilbronn ist sehr schön. Mir gefällt der Neckar und der Park, wo wir manchmal Fußball spielen und grillen. Die Stadt ist größer als Nordhausen, wo ich das Studienkolleg besucht habe. Die Deutschen sind sehr nett und auch das Akademische Auslandsamt ist sehr hilfsbereit. Ich arbeite neben dem Studium in der Bibliothek der Hochschule. Das macht mir Spaß!
Kyle: Heilbronn ist auf jeden Fall schöner als meine Heimatstadt. Mit Bus und Bahn kommt man überall hin. Es gibt viele alte Städte ringsherum wie Heidelberg mit einer langen Geschichte. Das finde ich schön, denn Geschichte ist eines meiner Hobbys.
Diese Bildstrecke benötigt für die richtige Darstellung Javascript. Bitte Klicken Sie hier um die Bilder unformatiert anzeigen zu lassen.
<< vorheriges Bild | nächstes Bild >>
Was machst du in deiner Freizeit?
Thi Thu Hang: Ich gehe gerne schwimmen, shoppen oder mit Freunden einen Kaffee trinken.
Kyle: Grillen! Ich liebe das! Außerdem reise ich gern oder hänge mit Freunden rum. Ganz toll war dieses Jahr die Faschingszeit. Ich habe mitgefeiert und mich als Kuh verkleidet. Ich hatte sogar einen Euter (lacht schallend).
Du sprichst sehr gut Deutsch. Wann hast du angefangen die Sprache zu lernen?
Thi Thu Hang: Ich habe schon in Hanoi beim Goethe Institute einen Kurs gemacht. Deutsch ist eine sehr interessante Sprache. Mein Lehrerin zu Hause hat mich sehr motiviert immer weiter zu lernen. Hier in Heilbronn finde ich es manchmal schwierig, die Leute zu verstehen, wegen dem Dialekt. Aber nur „a bissle“ (lacht).
Was ist für dich typisch Deutsch?
Thi Thu Hang: Typisch deutsch ist das kalte Frühstück: In Vietnam essen wir morgens eine warme Suppe mit Nudeln, hier gibt es Brot und Brötchen. Man sollte immer klar und deutlich sagen, was man will: Ja oder Nein. (lacht). Ich rate jedem, schon vorher unbedingt Deutsch zu lernen. Das hilft sehr beim einleben. Außerdem habe ich in meinem Kurs beim Goethe Institut das erste Mal einen Döner probiert (lacht wieder).
Kyle: Das Umweltbewusstsein! Jeder fährt hier Fahrrad. Auch die Arbeitsweise der Deutschen ist ganz anders. Nach der Arbeit genießen sie ihre Freizeit. Hier kannst du stundenlang im Restaurant sitzen und keinen stört es. Und natürlich Maultaschen, Spätzle, Wiener Würstchen und Schnitzel.
Gibt es etwas, dass du vermisst?
Thi Thu Hang: Das vietnamesische Essen. Trotzdem würde ich gern noch in Deutschland bleiben und vielleicht meinen Master hier machen. Mal schauen, ob das klappt.
Hat dich die Zeit in Deutschland verändert?
Kyle: Ja, auf jeden Fall. Am Anfang hatte ich Angst alleine irgendwohin zu gehen, weil das für mich total ungewohnt war. Einmal bin ich in die richtige Straßenbahnlinie aber in die falsche Richtung eingestiegen und musst alleine zurückfinden. Das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst. Ich glaube, ich bin erwachsener geworden. (lacht).
Nützliche Links
Handy-Reiseführer mit Audio-Informationen zu Heilbronn
Broschüre mit Erklärungen zu allen Skulpturen im Stadtzentrum gibt’s in der Touristeninfo
Studentenwerk Heidelberg/Heilbronn


























