Köln: Medienmetropole mit Lebensgefühl

Dom, Karneval, Kölsch – von wenigen deutschen Städten haben die Leute ein so klares Bild, wie von der heimlichen Hauptstadt des Rheinlandes. Doch Köln ist mehr, denn in ihren knapp 2000 Jahren Geschichte, haben die Stadt und ihre Einwohner einen unverwechselbaren Charme und ein ganz besonderes Lebensgefühl entwickelt. Köln bietet alle Chancen einer boomenden Großstadt und ist doch im Herzen ein Dorf geblieben.

von Felix Schledde



Köln auf einen Blick

 

Köln am Rhein, Foto: Steuer/DAAD
Köln am Rhein, Foto: Steuer/DAAD
Schon die Römer wussten den Flecken Land am Ufer des Rheins zu schätzen, den sie später Colonia Claudia Ara Agrippinensium nannten. Inzwischen heißt dieser Ort Köln und ist zur ältesten Großstadt Deutschlands herangewachsen.
Bereits in der Antike und im Mittelalter war Köln eine der bedeutendsten Städte Europas und besaß seit 1388 eine der ersten Universitäten nördlich der Alpen. Außerdem wurden hier die Gebeine der Heiligen Drei Könige aufgebahrt, die der Stadt Jahr für Jahr gewaltige Einnahmen durch Pilger und Gläubige sicherten.
Mit knapp einer Millionen Einwohnern ist sie nach Berlin, Hamburg und München die viertgrößte Stadt Deutschlands, ohne dabei anonym oder abweisend zu wirken. Das Netz an Bus- und Bahnverbindungen in Köln ist sehr gut ausgebaut. Dank seines riesigen Bahnhofs und der Nähe zum Flughafen Köln-Bonn erreichst du von Köln aus schnell andere Städten im In- und Ausland.
In der Stadt am Rhein ist immer was los: Mehr als 40 internationale Messen finden hier jedes Jahr statt. Zudem ist es ein Zentrum der Automobilproduktion, Versicherungen, des Einzelhandels und nicht zu vergessen der Medien. Zwei der größten Fernsehsender Deutschlands, RTL und WDR sind hier zu Hause, genauso wie das preisgekrönte Hochschulradio "koelncampus".
Die Einheimischen lieben ihre Stadt heiß und innig. Egal ob ihr Bier, das "Kölsch", den 1. FC Köln, der in der ersten Fußballbundesliga spielt oder natürlich den Karneval im Februar/März. Letzterer ist so wichtig für die Stadt, dass er sogar als "Fünfte Jahreszeit" bezeichnet wird. Diese startet traditionell am 11.11. jedes Jahr. Es gibt nur zwei Meinungen zur verrücktesten Zeit des Jahres: Entweder du liebst sie und bleibst oder du hast sie und flüchtest vor den kunterbunten Partys und Umzügen.



Hochschulen im Überblick

 

Universität zu Köln

Universtität zu Köln, Foto: Abbis/DAAD
Universtität zu Köln, Foto: Abbis/DAAD
1388 gegründet, zählt die Uni Köln nicht nur zu den ältesten Universitäten Europas, sondern mit knapp 45.000 Studenten auch zu den größten Hochschulen in Deutschland. Nachdem Napoleon 1798 die Uni schloss, wurde sie erst 1919 neu gegründet und bietet seitdem ein breites Angebot an Studiengängen.
2004 erhielt die Uni den Preis des Auswärtigen Amtes bei der Betreuung ausländischer Studierender.

Fachhochschule Köln
16 600 Studierende und 400 Professoren in 70 Studiengängen – damit ist die Fachhochschule Köln die größte ihrer Art in Deutschland. 1971 gegründet verteilt sich die Hochschule heute auf die Städte Köln, Gummersbach und Leverkusen.

Rheinische Fachhochschule Köln(RFH)
Ebenfalls 1971 gegründet, bietet die private Hochschule heute ein Angebot an 20 Bachelor- und einigen Masterstudiengängen in den Bereichen Wirtschaft, Recht und Ingenieurswissenschaften.

Die Deutsche Sporthochschule Köln (SpoHo)
Wurde 1947 gegründet und hat seitdem immer wieder die Sportwissenschaften maßgeblich beeinflusst. Sie ist die einzige Sporthochschule Deutschlands und Studienort von knapp 5000 Studierenden aus 59 Ländern. Sie beheimatet 19 wissenschaftliche Institute von erziehungs- und sozialwissenschaftlichen bis medizinisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen. Außerdem bietet die Sporthochschule den Fußballlehrer-Lehrgang an, die höchste Lizenzstufe des  Deutschen Fußballbundes (DFB).

Hochschule für Musik und Tanz Köln (HfMT)
Die Hochschule für Musik und Tanz Köln bietet an den Standorten Köln, Wuppertal und Aachen sechs verschiedene Fachbereiche an. 1845 als Rheinische Musikschule gegründet, hat sie sich zur größten Musikhochschule Europas entwickelt, an der aktuell ungefähr 1500 Studierende unterrichtet werden.

Kunsthochschule für Medien Köln (KHM)
Köln ist Deutschlands Medienstadt und eine Einrichtung wie die KHM unterstreicht diesen Status. Es war die erste Kunsthochschule für Audiovisuelle Medien in Deutschland und das Magazin Focus listet die KHM unter den Top Fünf der Filmschulen. Die KHM ist klein aber fein: etwa 350 Studierende genießen das Privileg hier zu studieren.

Internationale Filmschule Köln (ifs)
Die Internationale Filmschule Köln ist eine Tochter der Filmstiftung NRW und ging 2000 aus der Schreibschule Köln e.V. und der Filmschule NRW e.V. hervor. Sie bietet Bachelor-Studiengänge in den Fächern Filmregie, Kreativ Produzieren und Drehbuch an. Die private Hochschule wird unter anderem von RTL und dem Westdeutschen Rundfunk gefördert.



Freizeit in Köln

 

Fans of Koelsch and the FC, Foto: Abbis/DAAD
Fans of Koelsch and the FC, Foto: Abbis/DAAD
Natürlich beschränkt sich das Angebot in Köln nicht nur auf Karneval und jede Menge Hochschulen. Durch ihre lange Geschichte bietet die Stadt eine große Auswahl von Museen, über antike Geschichte und Kunstgeschichte bis hin zu zeitgenössischer Kunst. Neben dem weithin bekannten Museum Ludwig und dem römisch-germanischen Museum (die an Wochenenden sehr überfüllt sein können) solltest du dir die Zeit nehmen und auch einmal die kleineren Ausstellungshallen erkunden. So kann man zum Beispiel das Museum Schnütgen entdecken, das in einer alten Kirche untergebracht ist und mittelalterliche Kunst zeigt. Das Rautenstrauch-Joest Museum gibt dir mit seinen exotischen Exponaten einen tollen Einblick in das Leben anderer Kulturen. Übrigens: Dein Studentenausweis lohnt sich! In den meisten Museen erhältst du mit ihm ermäßigten Eintritt.

Wenn dann abends die Museen schließen und für den durchschnittlichen Studenten der Tag gerade erst beginnt, hast du bei Kölns Cafés und Bars die Qual der großen Wahl.
Wer den Abend gemütlich bei einer Tasse Tee oder einer großen Schale Kaffee in wirklich entspannter und freundschaftlicher Atmosphäre verbringen will, der sollte einmal im Café Duddel oder in der Filmdose, in der auch Theater gespielt wird, vorbei schauen. Beinahe schon legendär ist "Oma Kleinmann" auf der Zülpicher Straße, der Studentenmeile der Stadt. Bis zu ihrem Tod stand die Namensgeberin hier noch selbst hinter dem Herd und der Theke - ihre großartigen Riesenschnitzel gibt’s immer noch.
Die meisten bekannten Clubs findest du auf dem Hohenzollernring. Kölns bunte, laute und aufregende Hauptschlagader zwischen Rudolphplatz und Hansaring wird von den Einheimischen kurz „die Ringe“ genannt.
In Kölns ältestem Studentenclub "Das Ding", der "Roonburg" oder dem Cent Club kannst du für wenig Geld ordentlich feiern. Alle drei findest du, genau wie das etwas edlere Diamonds, auf den Ringen.
Falls House- und Chartsmusik nichts für dich sind, dann schau dich mal im Stadtteil Ehrenfeld um. In alten Industrie- und Lagerhallen haben sich hier der Sensor-Club, die Live-Music-Hall und das Underground eingenistet und verwöhnen deine Ohren mit Indie-, Rock- und Electrobeats.
Aber vielleicht ist es ja auch Sommer und du hast mehr Lust auf frische Luft. In dem Fall gibt’s natürlich nur eines: Ab ans Wasser! Dort ist es in Köln nämlich am schönsten. Auf den Pollerwiesen, am Aachener Weiher oder auch im Rheinpark am Tanzbrunnen kannst du deinen Grill aufbauen, die Füße ins Wasser und das Gesicht in die Sonne halten und einfach mal den Dom betrachten.

Und wenn du schon mal dabei bist: Den tollsten Blick auf den Dom hast du von der Aussichtsplattform des KölnTriangle aus. In 100 Metern Höhe kannst du von hier die gesamte Stadt überblicken. Statt dir den Dom nur aus der Ferne anzuschauen, lohnt sich ein Blick ins Innere des berühmten Bauwerks. Das gewaltige gotische Gotteshaus ist wirklich beeindruckend und verfügt auch über eine eigene Aussichtsplattform, die ebenfalls ein Highlight jeder Stadttour ist (sofern dich viele viele Treppenstufen nicht abschrecken).
Solltest du Köln im Februar besuchen, dann darfst du dir den legendären Karneval nicht entgehen lassen. Fünf Tage lang, von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag, spielt die gesamte Stadt verrückt. Höhepunkt ist dabei der große Umzug am Rosenmontag, bei dem überall auf den Straßen und in den Clubs und Bars gefeiert wird.



Interview mit Lubos aus Slowenien

 

Lubos Chechvala kommt ursprünglich aus der Slowakei und studiert seit dem Wintersemester 2010/2011 BWL an der Universität zu Köln.

Lubos Cechvala, Foto: privat
Lubos Cechvala, Foto: privat
Warum hast du dich für Köln entschieden?
Köln hat einen sehr guten Ruf, was BWL betrifft. (Ich habe mich hauptsächlich nach den Rankings gerichtet). Außerdem war ich schon vor zwei Jahren bei einem Schüleraustausch in Köln und habe von der Stadt nur den besten Eindruck bekommen. Die Entscheidung fiel mir dann nicht so schwer.

Was war dein erster Eindruck von Köln?
Besser konnte er einfach nicht sein. In Köln leben die nettesten Menschen auf der Welt. Sofort nach meiner Ankunft war ich ein bisschen spazieren, natürlich ohne die Stadt zu kennen, und stand dann fast an jeder Ecke vor dem Stadtplan, um mich irgendwie zu orientieren. Jedes Mal kamen auf mich sehr hilfsbereite Menschen zu und fragten, ob ich Hilfe bräuchte. Es ist mir zum ersten Mal in meinem Leben passiert, dass mir fremde Leute Hilfe anboten, ohne dass ich sie vorher gefragt hatte. Meine neuen Mitbewohner haben mir angeboten, dass sie mich zu Ikea fahren, was für mich wirklich eine riesige Erleichterung war. Und das war nicht alles. Bei Ikea kann man nur mit Karte bezahlen und meine slowakische Karte hat nicht funktioniert. Da hat mich mein neuer Mitbewohner gerettet und für mich mit seiner Karte bezahlt. Ansonsten hätte ich eine Woche auf meine deutsche Karte warten müssen. Meine Mitbewohner haben mir noch bei so vielen Sachen geholfen, darüber könnte ich einen Aufsatz schreiben. Auch Besuche beim Einwohnermeldeamt etc. verliefen reibungslos und alle Leute waren super nett (das war ich aus meinem Land nicht gewohnt).

Ist das Studentenleben an einer großen Uni anders?
Auf jeden Fall. Es ist vor allem sehr anonym, wenn 600 Leute regelmäßig im Hörsaal sitzen. Man gewinnt dadurch einerseits eine große Freiheit, andererseits bedeutet es aber auch mehr Verantwortung. Jeder kümmert sich nur um sich und es ist, als ob man vom Lande in eine Großstadt wie New York zieht.

Hast du schon einige deiner Mitstudenten kennen gelernt?
Ja, ich kenne schon ziemlich viele Kommilitonen. Am Anfang kannte ich nur ein paar von der Orientierungsphase, die in dieser Hinsicht sehr hilfreich war. Mit denen treffe ich mich fast in jeder Vorlesung und sie stellen mir dann andere Kommilitonen vor. Oder ich spreche jemanden an, der mir bekannt vorkommt. Letztendlich sind alle neu und wollen andere Kommilitonen kennen lernen.

Wie empfindest du das studieren in Deutschland?
Ich glaube, dass ich mit dem studieren in Deutschland die beste Wahl meines Lebens getroffen habe. Ich habe hier sehr gute Bedingungen zum Studium und was mir sehr wichtig ist: ich bekomme den Eindruck, dass den Professoren sehr daran gelegen ist, dass wir es schaffen. Dazu haben wir außer Vorlesungen und Übungen sogar noch Tutorien und ich bekomme den Stoff sozusagen vor gekaut. Das ist nicht üblich. Kein Prof will uns beweisen, dass er besser ist, als die Studenten und keiner versucht uns Hindernisse in den Weg zu legen. Das Gegenteil ist der Fall. Klar gibt es "Leistungsdruck", Köln hat nicht umsonst seinen guten Ruf, aber ich finde, dass man auf alle Klausuren gut vorbereitet wird und fürs Lernen auch genug Zeit hat.

Und das Freizeit- und Nachtleben?
Allein in der Uni werden so viel Freizeit Möglichkeit angeboten, viele sogar umsonst, dass man sich nicht entscheiden kann, was man machen möchte: alle möglichen Sportarten, Tanzkurse, Sprachkurse. Man kann sich in seiner Freizeit in unheimlich vielen Sachen engagieren und anbei Kontakt zu den größten Weltkonzernen gewinnen. Man wird ständig mit verschiedenen Angeboten buchstäblich überschüttet. Man muss nur zugreifen. Und das Nachtleben in Köln ist super, es gibt so eine große Auswahl von verschiedenen Clubs und Discos, dass ich die niemals alle besuchen kann. Gerade am Anfang, wenn man noch keinen kennt, mit dem man feiern kann, werden von der Fachschaft Kneipenbummel organisiert, bei denen man auch sehr schnell andere Kommilitonen kennen lernen kann.

Welche Wörter beschreiben Köln am besten?
Wie es ein Dozent sagte und ich stimme ihm zu: "Köln ist einfach geil!"



Nützliche Links 

 

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Bauernhaus, Foto: Hagenguth/DAADWas ist das Besondere an Wismar? Wo liegt eigentlich Nordhausen? Und was kannst du in Siegen erleben? Wir verraten es dir und stellen dir insgesamt 67 Städteporträts vor. 

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