Deutsche Sprache, schwere Sprache
Was für ein kaltes Volk sie doch sind, diese Deutschen! Wenn sie überhaupt etwas lieben, dann ist es ihr Auto oder ihre Privatsphäre. Alles findet drinnen statt, große Plätze sind höchstens zum parken da. Trotzdem hat Anne ihre Heimat Frankreich verlassen, um für ein Jahr in Köln zu studieren. Nicht irgendetwas, sondern ausgerechnet Germanistik.
von Felix Schledde
Autobahn in Deutschland, Foto: Hagenguth/DAAD
Ein Anfang mit Hindernissen
Mit elf Jahren kam Anne zum ersten Mal mit Deutschland und der deutschen Sprache in Kontakt. Nicht weil sie es wollte, sondern aus einem unglücklichen Zufall heraus. „Als ich in die fünften Klasse kam, waren alle Schulen schon voll.“ Alle bis auf Eine, doch an der wurde Deutsch statt Latein als erste Fremdsprache gelehrt, „Als Zeichen deutsch-französischer Freundschaft oder so“, erinnert sich Anne. Darauf hätte die junge Anne aber gern verzichtet, denn alle ihre Freundinnen aus der Grundschule gingen nun in anderen Klassen oder sogar auf anderen Schulen. Umso schwerer fiel es ihr, sich mit dem Deutschunterricht anzufreunden.
„Deutsch ist eine so unnötig komplizierte Sprache! Ihr Deutschen könnt froh sein, dass ihr sie von Geburt an beherrscht. Sie zu lernen, ist alles andere als toll. Noch dazu hatte ich eine furchtbar strenge Lehrerin. Damals dachte ich wirklich, dass wohl alle Deutschen so sein müssten wie sie. Kein guter Start“, ereifert sich Anne. Heute kann sie darüber lachen, aber damals war ihr zum Heulen zumute.
Bochum machte alles noch schlimmer
Schrebergarten, Foto: NMJ 2010
Wahrscheinlich hatten Lehrer und Eltern gehofft, dass die Kinder die Kultur des anderen besser kennen lernen. Doch das klappte nicht wirklich – oder vielleicht zu gut. Anne, die an der Küste der Bretagne groß geworden ist, war schockiert vom „Charme“, den man im Ruhrgebiet und in Bochum pflegt. Industriehalden und alte Kneipen zwischen grauen Straßenzügen. Bier wurde viel getrunken, aber trotzdem wenig gefeiert. Generell schienen die Deutschen kein Volk zu sein, das gerne zusammen kommt. „Alles hat irgendwie nur in den eigenen vier Wänden stattgefunden. Aus meiner Heimatstadt Concarneau war ich es gewohnt, dass sich die Menschen draußen treffen, auf dem Markt oder im Café“.
Heute weiß sie, dass sie einfach die falsche Gastfamilie erwischt hatte, aber damals wirkte es auf Anne, als ob in Deutschland jeder nur für sich bliebe. Privatsphäre war alles, die wollte man nicht teilen. Alles war abgezäunt und Eigentum von irgendjemandem. „Besonders diese Kleingartenanlagen fand ich ganz furchtbar. Wer teilt denn Gärten in Parzellen auf?“
Als Anne zwei Wochen später zurück nach Frankreich fuhr, verspürte sie kein bisschen Abschiedsschmerz. Einige ihrer Vorurteile gegenüber den Deutschen hatten sich bestätigt, andere entstanden erst auf dieser Reise.
Deutschland – Doch ein Land der Dichter und Denker?
Anne (re) mit Mark und Johanna, Foto: privat
Anne begann neue Facetten der deutschen Kultur zu entdecken. Oder vielleicht sollte man eher sagen: Sie begann überhaupt erst jetzt Facetten zu sehen - nicht nur im Unterricht, auch in der Freizeit. Bei einem Urlaub an der spanischen Atlantikküste lernte sie Mark und Johanna kennen, zwei Backpacker aus Köln, die gerade mit dem Rucksack in Spanien unterwegs waren. „Das klingt total bescheuert, wenn ich das heute sage, aber die beiden haben mir zum ersten Mal bewiesen, dass es auch lockere Jugendliche in Deutschland gibt. Und dass die Deutschen nicht nur zu Hause hocken“, schmunzelt Anne etwas verlegen.
Aus der Urlaubsbekanntschaft wurde dank Facebook eine engere Freundschaft und mündete in einem Besuch in Köln. Dort lernte sie ein anderes, ein sympathisches Deutschland kennen. Sie beschloss wieder zu kommen an den Rhein – und setzte diesen Plan 2011 in die Tat um.
Die Deutschen lieben noch immer ihre Autos …
Obwohl sie die deutsche Kultur mittlerweile besser kennt, versteht sie manche Sachen nach wie vor nicht: „Ich glaube wirklich, dass die Deutschen verrückt sind, wenn es um ihre Autos geht. Aber inzwischen habe ich gemerkt, dass sie auch Lebensgefühl haben...auf eine laute und schrullige Weise.“ Über die Zeit nach dem Auslandssemester hat sich Anne noch keine Gedanken gemacht. Ob sie hier länger leben könnte? Das ist eine gute Frage. „In Deutschland gibt es einige bürokratische Hürden, wenn man länger bleiben möchte. Dass die Deutschen solche Bürokraten sind war mir vorher nicht klar. Aber wer weiß, vielleicht kaufe ich mir irgendwann zumindest einen Kleingarten.“
Im ersten Teil unserer Reihe erzählt Ardit aus Albanien von "
Im zweiten Teil schwärmt Guus aus Holland über "

















