Die Liebe zur Wurst
Deutschland ist nicht gerade für seine leichte und filigrane Küche bekannt. Das hatte Guus im Hinterkopf, als er von Holland nach Deutschland kam: Auf der Suche nach der Bratwurst als der ultimativen deutschen Spezialität. Die hat er auch gefunden – und viel mehr mit zurück in seine Heimat genommen.
von Fritz Habekuß
Land der Wurst, Foto: Ebert/DAADDie erste Wurst sollte eine gute Wurst sein. Denn der erste Eindruck ist oft ein bleibender – nicht nur bei Menschen, auch bei Bratwürsten. Guus aus Zwolle in den Niederlanden hat Glück gehabt. Seine erste Wurst – eine Currywurst – hat er noch heute in bester Erinnerung. Auch wenn er auf diesen Genuss eine Weile warten musste: „Als ich im Winter nach Deutschland kam, wusste ich, dass Bratwürste eine Spezialität sind. Nur habe ich lange nirgendswo eine gefunden“, erzählt der 21-Jährige. Dabei hat er sein Erasmus-Semester in Dortmund verbracht – einer Stadt, die für ihre Arbeiterkultur und Bodenständigkeit bekannt ist.
Doch dann kam langsam aber sicher der Sommer, die Deutschen holten ihre Grills raus und „plötzlich gab es überall Würste.“ Und Guus ließ es sich schmecken. Heute isst er das deutsche Fastfood sogar lieber als die holländische Alternative Frikandel. „Das darf ich in der Heimat aber natürlich nicht sagen“, erzählt er und lacht, „das würden mir meine Landsleute übel nehmen.“
Ein Land, viele Würste
Currywurst mit Pommes, Foto: Hagenguth/DAADAuch wenn Guus das Essen zuerst einfällt, wenn er an deutsche Klischees denkt – seine Zeit im Nachbarland verbindet er heute weniger mit Dingen als mit einer besonderen Stimmung: „Es ist schwer zu sagen, was genau es ist. Wahrscheinlich ist es vor allem ein bestimmtes Gefühl“, sagt er. Deutschland, das sei das Gefühl von Offenheit, von vielen Partys mit anderen Studenten in einem Land, das viele verschiedene Seiten hat. Sehr leicht und schnell ist er mit anderen Studenten in Kontakt gekommen. „Viel einfacher als in Holland“, betont Guus. „Ich habe viele Seminare auf Deutsch gehabt, und auch beim Radio gearbeitet – da habe ich viele tollen Menschen kennengelernt“, erzählt er. Heute hat er Freunde auf der ganzen Welt und natürlich in Dortmund. Die hat er bei seinen vielen Reisen kennengelernt. Hamburg, Berlin, Frankfurt – überall ist Guus gewesen, außerdem in vielen Städten in der Nähe von Dortmund. Die Tour durch Deutschland war gleichzeitig auch eine kulinarische: „Ich habe das Gefühl, dass jedes Bundesland seine eigene Wurst hat“, so Guus. Das ist zwar nicht ganz richtig, kommt der Wahrheit aber schon recht nahe. Denn genauso vielfältig wie die Landschaften sind auch die Geschmäcker: Die Bayern schwören auf ihre Weißwurst – aber natürlich nicht alle. Fährt man nach Franken, kommt Fränkische Bratwurst auf den Tisch – obwohl Franken ein Teil von Bayern ist. Klingt kompliziert? Ist es auch.
Deutsche lieben internationale Küche
Knackwürstchen, Foto: GuusDu magst gar keine Würstchen? Keine Sorge: In jeder größeren Stadt kannst du problemlos vegetarisch, vegan, chinesisch, italienisch oder arabisch essen. Und wenn du selbst kochen willst, findest du in deutschen Supermärkten ein ziemlich großes Angebot an Produkten. Für ausgefallene Wünschen gibt es in großen Städten sogar extra Spezialitäten-Märkte.
Kochen ist übrigens eine gute Möglichkeit, neue Leuten kennen zu lernen. Wusstest du, das viele Studentenwerke jedes Semester zum internationalen Abend einladen, an dem du gemeinsam mit Leuten aus aller Welt kochst? Beim gemeinsamen Zwiebeln schneiden oder Kartoffeln schälen kommst du schnell ins Gespräch und hast am Ende sogar noch etwas Leckeres gezaubert. Und sollte das nicht geklappt haben, schweißt euch das gemeinsame Scheitern an Herd oder Ofen zumindest zusammen.
Statt einer Kuckucksuhr oder einer Lederhose hat Guus ein ganz besonderes Souvenir mit nach Holland genommen: Ein erstklassiges Currywurst-Rezept! Auch wenn er natürlich weiß, dass die deutsche Küche viel mehr zu bieten hat als Würste.
Guus' Currywurst-Rezept
Guus, Foto: privat1. 30 Bratwürste in der Pfanne anbraten und in kleine Stücke schneiden.
2. Wurststückchen mit je einer Flasche Ketchup und Zigeunersoße und ein wenig Kirschsaft vermischen.
3. Mit Curry- und Paprikapulver würzen
Fertig!
Diese Menge schreit geradezu nach einer kleinen Party mit vielen neuen Freunde. Nur Vegetarier sollten sie nicht unbedingt sein…
Link: Übrigens, in Berlin gibt es das erste Currywurst Museum der Welt!