Feiertage in Deutschland
Feiertage sind toll: Du kannst ausschlafen, dich erholen oder Freunde treffen. Aber welche wichtigen Feiertage gibt es eigentlich in Deutschland, welchen Ursprung haben sie und was bedeuten sie den Menschen eigentlich? Wir haben einen Überblick für dich zusammengestellt.
von Hanna Irabi
Allerheiligen (jährlich am 1.11.)
Kölner Dom
Allerheiligen dient der Verehrung von Heiligen und Verstorbenen. Dahinter steht der Gedanke, dass die verstorbenen und jetzt lebenden Christen zu einer Gemeinschaft gehören und die Verstorbenen das Tun der Lebenden beobachten. An diesem Tag erweisen die Lebenden den Toten die Ehre, besuchen ihre Gräber, schmücken sie mit Blumen und stellen Kerzen als Symbol für das "Licht des Lebens" auf.
Gerade für Katholiken spielt Allerheiligen eine zentrale Rolle und ist daher auch nur in katholisch geprägten Regionen ein Feiertag. Lydia Neugebauer, 27: "Einige Feiertage gehen leider schnell im Alltag unter und ich denke nur flüchtig an sie. Andere, wie Allerheiligen, sind mir wiederum so wichtig, dass ich mir jedes Jahr extra einen Tag Urlaub nehme, um den Feiertag begehen zu können." Für weniger gläubige Menschen hat Allerheiligen kaum eine Bedeutung: „An Allerheiligen geht es mir eher ums Freihaben und ich ärgere mich, wenn der Feiertag auf das Wochenende fällt. Es geht mir darum, den Alltag ein bisschen aufzubrechen. Ich glaube, das hat immer einen Mehrwert, auch wenn der Feiertag nicht im herkömmlichen Sinne begangen wird“, sagt Inga Petzold, Studentin der Kulturwissenschaften. Allerheiligen ist nur noch in Nordrhein-Westfalen ein gesetzlicher Feiertag.
Weihnachten (jährlich vom 24.12.-26.12.)
Weihnachtsmarkt, Foto:DAAD
Für viele Menschen ist aber auch einfach die Geselligkeit und besondere Stimmung der Weihnachtsfeiertage zentral: Julien Lecoeur, 28: „Weihnachten stellt eigentlich alle anderen Feste in den Schatten. Als Kind konnte ich Heiligabend und die Geschenke kaum erwarten, heute genieße ich die komplette Zeit zwischen dem 1. und dem 26. Dezember in vollen Zügen. Der erste Schnee, Weihnachtsmarkt, Glühwein und vor allem: die heimkehrenden Freunde, all das ist kaum zu toppen.“ Inga Petzold, 26, ergänzt: „Weihnachten ist nach Hause kommen, mehrere Tage frei haben - das macht es besinnlich. Es ist ein schöner Feiertag zum Besiegeln des Jahres“.
Silvester (31. Dezember)
Silvester, Foto:Jan Becher
Ostern (6.-9.04.2012)
...ist ein kirchlicher Feiertag, an dem die Auferstehung Jesus von den Toten gefeiert wird und nimmt einen zentralen Platz im christlichen Glauben ein. Am Karfreitag, also dem Freitag vor Ostersonntag, wurde Jesus der biblischen Überlieferung nach gekreuzigt - dieser Tag gilt daher als Trauertag. Am Ostersamstag endet die vorangegangene 40-tägige Fastenzeit, in der viele Christen auf Fleisch und Alkohol (wahlweise auch Süßigkeiten oder Kaffee) verzichten und die traditionell der inneren Reinigung dient. Allerdings fastet nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung - rund sieben Prozent. Am Osterwochenende entzünden viele Gemeinden große Osterfeuer. In der Mitte des großen Holzhaufens steht meist eine Strohpuppe, die Judas, den Verräter symbolisiert. Für viele Menschen sind Osterfeuer aber auch einfach ein lieb gewonnener Brauch ohne religiöse Bedeutung. Ein ebensolcher Brauch sind Ostereier in allen Größen, Farben und Materialien. Mit ihnen werden z.B. Bäume und Sträucher dekoriert. Die Eier aus Schokolade versteckt wiederum der „Osterhase“ am Ostersonntag für die Kinder.
Erster Mai
Elmenhorster Maibaum, Foto:Awaya Legends
Nachdem Versuche, den 1. Mai als Feiertag zu etablieren, in der Weimarer Republik scheiterten, waren es die Nationalsozialisten, die ihn 1933 mit einer völlig gegensätzlichen Ideologie zum Feiertag erklärten: Sie funktionierten ihn zu einem Feiertag des deutschen Volkes ohne Bezug zur Arbeit oder Arbeitnehmerrechten um. In den 50er Jahren belebten die Gewerkschaften seine politische Tradition neu. In der Bundesrepublik gibt es am 1. Mai bis heute Demonstrationen und Kundgebungen der Gewerkschaften, die sich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen.
Für viele Deutsche ist der erste Mai einfach nur ein zusätzlicher freier Tag, an dem sie wegfahren oder wandern gehen. Inga Petzold, 26, aus Hildesheim: "Der 1. Mai ist mir fast so wichtig wie Weihnachten, weil alle an diesem Tag frei haben und man ihn so gemeinsam mit Familie oder Freunden verbringen kann. Ich liebe vor allem die Tradition des Mai-Ausflugs mit Freunden."
Muttertag (2. Sonntag im Mai)
Herztorte zum Muttertag, Foto:Josef Türk
Christi Himmelfahrt (17.05.2012)
…liegt immer auf einem Donnerstag und feiert die Rückkehr von Jesus in den Himmel. Traditionell sind die drei Tage vor Christi Himmelfahrt in der katholischen Kirche "Bitttage". An diesen Tagen wandern Gläubige durch die Felder und beten für eine gute Ernte. Möglicherweise hat ein anderer, heute sehr viel gängigerer Brauch, seine Wurzeln in diesen Wanderungen: Der Vatertag. Männer jeglichen Alters machen an „Christi Himmelfahrt“ Ausflüge oder touren durch verschiedene Gaststätten. Dabei haben sie häufig einen Handwagen mit Bier und anderen Spirituosen.
Pfingsten
...umfasst den Pfingstsonntag und den Pfingstmontag, der traditionell frei ist. Der christlichen Überlieferung nach fuhr an Pfingsten der "Heilige Geist" in die Anhänger von Jesus und gab ihnen neue Hoffnung, nachdem Jesus die Erde verlassen hatte (siehe Christi Himmelfahrt). Er stattete sie mit der Fähigkeit aus, in den verschiedensten Sprachen zu sprechen, so dass sie überall von ihrem Glauben erzählen konnten. Pfingsten gilt daher als Geburtstag der christlichen Gemeinde.
In Zusammenhang mit dem Pfingstfest haben sich verhältnismäßig wenige Bräuche entwickelt - auch im Alltag nimmt Pfingsten eher eine geringe Bedeutung ein. So sagt Lydia, 27, aus Hamburg: "Ein Kirchgang, gutes Essen und ein Treffen mit Familie und Verwandtschaft gehören eigentlich zu jedem großen Feiertag dazu. Kleinere Feiertage, wie zum Beispiel Pfingsten, nutze ich manchmal jedoch auch einfach nur für ein persönliches langes Wochenende oder einen Kurzurlaub." Für viele andere hat Pfingsten kaum eine Bedeutung: "Ich bin nicht sonderlich religiös und kann mit Pfingsten entsprechend wenig anfangen. Die Feiertage nehme ich aber natürlich trotzdem gerne mit", sagt Julien Lecoeur, 28, aus Bielefeld.
Tag der deutschen Einheit (jährlich am 3.10.)
Deutschlandfahne, Foto:DAAD
Silvester in Deutschland feiern
Maria Horschig, Foto: privat
Dass sie Silvester gleichzeitig auch den Namenstag eines Papstes feiern, wissen viele Menschen nicht: Papst Silvester I. verdankte seinen Ruhm der Legende um die Heilung und Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin. Sein Todestag, der 31. Dezember des Jahres 335, wurde posthum zu seinem Namenstag erklärt und nach der gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582 zum letzten Tag des Jahres: So kam das Silvesterfest zu seinem Namen.
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