Ebay gibt es auch offline

Neben Flohmärkten und Kleinanzeigen werden Auktionen immer beliebter. Doch es muss nicht immer ebay sein. In Osnabrück bietet die Stadt schon seit Jahren Fundsachenauktionen an.
von Sebastian Dargel

Dietmar Erk in Aktion, Bild: Dargel/DAAD
Dietmar Erk in Aktion, Bild: Dargel/DAAD
Du sitzt im Bus und merkst nicht, wie dir dein Handy aus der Hosentasche rutscht. Du stellst dein Fahrrad irgendwo ab und als du wiederkommst ist es weg oder du vergisst deinen Schirm in der Bibliothek. Drei Mal hast du etwas verloren und trotzdem nie im Fundbüro nachgefragt. Vielleicht siehst du deine Sachen ein paar Monate später trotzdem wieder: Bei der Fundsachenauktion. 

Man trifft sich immer zweimal

Dietmar Erk arbeitet im Fundbüro der Stadt Osnabrück und ist an diesem Samstagmorgen sehr beschäftigt. Es ist wieder Zeit für eine Auktion. Mehrmals im Jahr organisiert er solche Veranstaltungen, wo nur Dinge versteigert werden, die andere Menschen verloren haben. Ob Küchengeräte, Handys oder Fahrräder, alles wird ordentlich aufgebaut und kann eine Stunde vor Beginn in Ruhe angeschaut werden. „Wir haben ca. 100 Bieter bei jeder Veranstaltung, das kann schon recht eng und manchmal sogar ruppig werden,“ so Erk.

Jeder Artikel hat eine eigene Nummer, die du dir bei Interesse unbedingt aufschreiben solltest. Denn nur so kannst du später dafür bieten. Besonders oft werden Schmuck und Fahrräder versteigert, wofür Dietmar Erk eine einfach Erklärung hat: "Wer eine Kette verliert oder wem das Fahrrad geklaut wird, der glaubt nicht, dass es jemand findet und auch noch im Fundbüro abgibt." 

Wundertüten und Schirme, Bild: Dargel/DAAD
Wundertüten und Schirme, Bild: Dargel/DAAD
Sehr beliebt bei den Bietern sind auch die „Wundertüten“. Das sind blaue Säcke, deren Inhalt Dietmar Erk am Vortag „mischt“. So könntest du zum Beispiel gleichzeitig eine Jacke, drei Handys und ein Brettspiel für wenig Geld ersteigern. "Ich verrate nie genau, was in den Säcken ist. Deshalb bieten viele Leute einfach nur mit, weil sie auf eine große Überraschung hoffen“, so Erk.

Damit eine Fundsachenauktion für dich nur positive Überraschung bereit hält, solltest du dir das wichtigste Gesetz einer solchen Auktion merken: „Gekauft wie gesehen.“ Das bedeutet: Die Stadt garantiert nicht, dass zum Beispiel Küchengeräte tatsächlich funktionieren und nimmt sie auch nicht zurück.

Bürokratie mit hohem Spaßfaktor

Als die Auktion endlich startet, geht alles ganz schnell. Artikel für Artikel findet einen neuen Besitzer auf die immer gleiche Weise:

1. Der Auktionator ruft das Objekt aus, für das geboten werden darf.
2. Du rufst ihm den Preis zu, den du höchstens zahlen möchtest.
3. Du hoffst, dass niemand mehr bietet als du.
4a) Du wurdest überboten und bekommst z. B. das Fahrrad leider nicht.
4b) Du hast Glück und bekommst dein Fahrrad. Du musst es bar bezahlen und kannst es dann direkt mit nach Hause nehmen.

Auch Uhren werden versteigert, Bild: Dargel/DAAD
Auch Uhren werden versteigert, Bild: Dargel/DAAD
An diesem Morgen gehen fast alle Artikel weg und Dietmar Erk kann sich über fast 1900 Euro freuen, die aber nicht ihm gehören, sondern der Stadt Osnabrück. Du unterstützt also mit deinem Gebot aktiv deine Unistadt.

Neben den vielen nützlichen Dingen, die du auf der Auktion ersteigern kannst, landen auch sehr viele unbrauchbare Dinge auf Erks Schreibtisch. Oft genug werden Kuriositäten oder sogar offensichtliches Diebesgut bei ihm abgegeben. So fand eine volle Ladenkasse den Weg in das Osnabrücker Fundbüro. Und wie jemand seinen Rollstuhl verlieren konnte, wird wohl ewig ein Geheimnis der Stadt bleiben.

Schau doch einfach mal bei einer solchen Auktion in deiner Stadt vorbei und biete mit. Du sparst vielleicht eine Menge Geld und hast auch noch jede Menge Spaß dabei, einfach jemanden anzubrüllen, der das auch noch gut findet. Und wer weiß? Vielleicht findet sich unter all den Dingen ja tatsächlich auch dein Traumfahrrad oder dein Handy, was du damals im Bus verloren hast.

Was ist eigentlich ein Fundbüro?

Jede Gemeinde und jede Stadt hat eines und zwar meist im Rathaus. Hier werden alle Dinge hingebracht, die in deiner Stadt gefunden wurden und jemand anderem gehören könnten z. B. Schirme, Geldbörsen oder Schlüssel. Solltest du etwas verloren haben, meldest du dich am besten direkt bei deinem städtischen Fundbüro. Mit etwas Glück wurde es dort abgegeben. Ein Fundbüro ist übrigens laut Gesetz verpflichtet, Fundsachen mindestens 6 Monate einzulagern. Du hast also etwas Zeit, um herauszufinden, wo es ein Fundbüro in deiner Nähe gibt.

Linktipps:


Internetauktionen des Bundesministeriums für Finanzen: http://www.zoll-auktion.de/auktion/
Informationen über zukünftige Auktionen: www.meinestadt.de → browsen nach der eigenen Universitätsstadt oder die Internetseite deiner Stadt
Alle Internetauktionsseiten auf einem Blick: http://www.auktionssuche.de/
Außerdem finden in vielen Städten Auktionen in Zusammenarbeit von Stadt und AstA statt. Frag am besten direkt dort nach, ob und wann die nächste Auktion stattfindet.

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