Fast wie ein deutscher Muttersprachler

Der 22jährige Inder Saurabh Divekar schreibt zur Zeit seine Abschlussprüfungen im Master „Germanistik“ und wird ab Oktober an der Freien Universität einen deutschsprachigen Master in „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) anschließen. Im Interview mit Janna Degener erzählt er von seinen Erfahrungen mit der deutschen Sprache.

Wo hast du Deutsch gelernt?

Saurabh Divekar, Bild: privatIch habe nach der zehnten Klasse angefangen, Deutsch zu lernen. Erst habe ich gemeinsam mit einem Freund Abendkurse an der Universität meiner Stadt besucht – dreimal pro Woche jeweils zwei Stunden. Nach der Schule habe ich meinen Bachelor gemacht, mit Germanistik als Hauptfach. Während des Studiums habe ich auch Intensivkurse am Goethe-Institut besucht, wo ich dreißig Stunden pro Woche Deutsch gelernt habe, bis ich das C2-Niveau erreicht hatte. Im ersten Semester von meinem Master in „Germanistik“ habe ich auch noch einen Sprachkurs gemacht, danach habe ich mich vor allem mit der Didaktik der deutschen Sprache beschäftigt. Da haben wir über unterschiedliche Lernmethoden und –theorien gesprochen und gelernt, wie man Lernspiele oder literarische Texte im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht einsetzt. An der Uni hatten wir ausgezeichnete Lehrer. Aber in den Sprachkursen dort waren wir dreißig Leute pro Kurs und ich war etwas zurückhaltend. Am Goethe-Institut waren wir nur fünfzehn bis zwanzig Leute pro Kurs, da hat man mehr Chancen zum Sprechen. Am Goethe-Institut wurden auch mehr Medien im Unterricht eingesetzt, die Kurse waren viel besser. Aber auch viel teurer!

Und dann warst du letzten Sommer in Deutschland…?

Ja, für gute drei Monate über ein Programm für Auslandsgermanistik-Studenten. Ich habe erst zwei Monate in verschiedenen Fabriken in München als Aushilfskraft gearbeitet. Und dann hatte ich noch ein Stipendium für zwei Deutschkurse an der Freien Universität Berlin. Da durfte ich die höchste Stufe besuchen und habe den Kurs mit der Note 1,0 bestanden. Ich hatte in Deutschland nie Probleme mit der deutschen Sprache und mein Deutsch wurde viel gelobt. Ich finde Deutsch auch nicht sehr schwer, wenn es nicht gerade um Modalverben im Passiv in der dritten Vergangenheitsform geht oder so. (lacht)

Warum möchtest du Deutschlehrer werden?

Fremdsprachen liegen mir einfach. Neben meiner Muttersprache Marathi kann ich die indische Nationalsprache Hindi und Englisch, sowie die Regionalsprache Gujarathi. Außerdem habe ich auch etwas Japanisch gelernt. Deutsch und Japanisch habe ich angefangen, weil ich in der Auslandspolitik arbeiten und eine hoch angesehene Stelle bei der Regierung bekommen wollte. Aber dann habe ich einige Monate als freiberuflicher Übersetzer gearbeitet. Da habe ich gemerkt, dass ich nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und nur einen passiven und fachbezogenen Wortschatz verwenden will. Ich möchte lieber mit Menschen arbeiten und die deutsche Sprache lesen, sprechen, schreiben und hören. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, einen Master für Deutsch als Fremdsprache zu machen – obwohl mein Deutsch nach dem Bachelor eigentlich gut genug war, um eine gute Stelle zu bekommen und man in Firmen oder in der Politik mehr Geld verdienen kann. Ich unterrichte seit Februar schon zwei- bis dreimal pro Woche an einem Privatinstitut Deutsch. Das macht großen Spaß. Letzte Woche habe ich mit den Lernern zum Beispiel über die Teilung Deutschlands und über die DDR gesprochen und dann haben wir den Film „Das Leben der Anderen“ gesehen.

Du hast dein Germanistikstudium gerade abgeschlossen und kennst dich gut in der Fremdsprachendidaktik aus. Welche Tipps hast du für Leute, die gerne Deutsch lernen möchten?

Ich finde am wichtigsten, dass man eine Sprache genießt und keine Angst davor hat. Freude an der Sprache zu vermitteln, ist auch eine Aufgabe des Lehrers. Ich glaube, durch Lieder oder Dramen lernt man besser. Ich höre zum Beispiel gerne „Nicole“, weil die Texte ihrer Lieder sprachlich einfach sind. Auch „Xavier Naidoo“, die „Toten Hosen“ oder deutscher Rap gefallen mir gut. Und ich spiele in einer deutschsprachigen Theatergruppe. Mein Professor hat eine Marathi-Erzählung über arrangierte Hochzeiten ins Deutsche übersetzt. Das ist ein Thema, das viele Deutsche verwundert. Wir haben das Stück einstudiert und führen es hier in Indien bald zum dritten Mal auf. Außerdem sollte man viel auf Deutsch schreiben und lesen, wenn man die Sprache lernen will. Man kann schon von der Heimat aus auf Deutsch chatten oder Emails schreiben. In Deutschland sollte man dann seine Zeit nicht nur mit den eigenen Landsleuten verbringen, sondern deutsche Freunde finden.

Du hast schon einen Bachelor und einen Master in Indien gemacht und unterrichtest bereits Deutsch. Warum willst du jetzt noch einen Master in „Deutsch als Fremdsprache“ in Berlin machen?

Als ich letztes Jahr in Deutschland war, hat mir das Land sehr gut gefallen. Ich habe viele Freunde gefunden und Berlin ist eine wunderschöne Stadt. Aber ich war im Sommer da und es gab viele Touristen und in der Uni sehr viele internationale Studenten. Also habe ich das „echte“ Deutschland noch nicht kennengelernt und möchte unbedingt noch mehr von dem Land erfahren. Außerdem ist es eine große Herausforderung, eine Sprache zu unterrichten, dafür muss man sehr gut ausgebildet sein. Ich möchte meine Sprache auf die Stufe eines Muttersprachlers bringen und mit dem Master „Deutsch als Fremdsprache“ ein guter Lehrer werden – zum Beispiel die aktuellen Methoden des DaF-Unterrichts kennenlernen und Materialien für meine zukünftigen Unterrichtseinheiten sammeln. Ich möchte in Europa auch andere Länder besuchen, vielleicht Italien oder Spanien. Teil des Studiums ist zum Beispiel ein Auslandssemester, worauf ich mich sehr freue. Vielleicht kann ich in Deutschland auch ein Praktikum bei einem Verlag machen. Dann bin ich super ausgebildet, um als DaF-Lehrer in Deutschland oder Indien zu arbeiten oder sogar Lehrbücher zu schreiben.

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