Wohnen wie vor 500 Jahren im Haus Gödens
In der ostfriesischen Stadt Emden leben 35 Studenten in einem Gebäude mit bewegter Geschichte. 1551 gebaut, zählt das Haus Gödens zu den ältesten Wohnheimen Deutschlands. Und darauf sind die Bewohner stolz!
von Britta Simon
„Ich lebe gerne hier. Unser Wohnheim hat schließlich eine richtige Geschichte“, sagt Mattis. Er wohnt zwar erst ein paar Monate im Haus Gödens, kennt sich aber schon gut aus. „Ein Gefängnis war hier auch mal drin. Das sieht man noch an den Gitterstäben vor manchen Fenstern.“ Doch nicht nur das Gefängnis gehört zur Historie des Hauses.
Ein Haus mit Vergangenheit
Das burgartige Haus Gödens kann auf eine interessante Geschichte zurückblicken. 1551 ließ die Witwe des ostfriesischen Häuptlings Haro von Oldersum und Gödens das Haus direkt an einem Kanal errichten. Fast 150 Jahre blieb es im Familienbesitz, bevor es 1684 Heimat eines Marinebattaillons wurde. Vom 18. Jahrhundert an diente das Haus Gödens zuerst als Gefängnis, anschließend als Amtsgericht und zuletzt als Eichamt. Ende der 1980er Jahre wurde das Haus saniert und ging in den Besitz des Studentenwerks über. Heute ist es das Zuhause von 35 Studenten und ein beliebtes Touristenziel. „Hier stehen dauernd Leute mit Kameras und fotografieren. Man gewöhnt sich dran“, lacht Mattis.
Vielfältiges Innenleben
Das Interesse der Touristen ist gut nachvollziehbar, denn nicht nur die alte Fassade aus rotem Klinker und Holzbalken ist beeindruckend. Wenn man das Haus Gödens betritt, hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben sei. Holzdielen knarzen unter den Füßen. Durch ein großes, altes Holzfenster kann man auf den Kanal und die nahe Umgebung blicken. Eine alte Holztreppe mit Schnitzereien führt in den ersten Stock. Frederik wohnt seit anderthalb Jahren im Haus. In seiner WG sind die Decken fast vier Meter hoch. Jedes Zimmer hat eine kleine Holzempore, auf der Bett und Kleidung Platz finden. Man lebt praktisch auf zwei Etagen. Doch das Wohnheim hat noch mehr zu bieten. „Den Keller muss man sehen. Der ist riesig. Da haben wir sogar einen Partyraum!“ sagt Frederik. Zuviel hat er nicht versprochen. Der lange Kellerflur und die kleinen Nischen lassen die Erinnerung an ein altes Gefängnis schnell lebendig werden. Das Gewölbe wirkt fast ein wenig gespenstisch. Wer hier wohl schon gewesen sein mag in den letzten Jahrhunderten? Am Ende des Flures führt eine schwere Tür zum Partyraum, der es in sich hat. Kleine Bar mit Theke, Sitzmöglichkeiten und Kickerraum.
Miteinander leben
„Jeder übernimmt hier im Haus Aufgaben, damit alles läuft“, erklärt Frederik. Er ist der Kassenwart. Alle Aufgaben, die das Wohnheim betreffen, werden im Hausrat besprochen und entschieden. So leben die Bewohner miteinander anstatt nebeneinander her. Das ist aber nicht immer für jeden das Richtige. So sieht es auch Frederik: „Manche sind hier schon wieder ausgezogen. Für die war das WG-Leben nichts. Wir haben hier sogar zusammen Silvester gefeiert. Das war super. Auch die Frauenquote war gut“. Er grinst. Ausziehen wird er hier so schnell wohl nicht mehr.
Mehr Infos: Das Haus Gödens liegt in der Friedrich-Ebert-Straße 1-3, 26725 Emden. Zimmerpreise beginnen bei 138 Euro pro Monat. Die Wartezeit für ein freies Zimmer beträgt durchschnittlich 2-4 Monate. Rückfragen können direkt an das Studentenwerk gestellt werden unter 0441/798-2602. www.studentenwerk-oldenburg.de



















