Folge 2: Pia und Erika aus Bielefeld
Die Wissenschaft sagt, dass Menschen innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob ihnen jemand sympathisch ist oder nicht. Ein kurzer Moment war auch für Pia ausreichend, um Erikas Foto anzusehen und zu wissen, dass sie sich gut verstehen werden.
Die 21-jährige Erika aus der Slowakei und ihre Mentorin Pia lernten sich durch das Mentorenprogramm an der Universität Bielefeld kennen. Pia arbeitet im International Office der Uni und durfte deshalb vor allen anderen einen Blick auf die Incomings des nächsten Semesters - darunter auch Erika - werfen. Die Entscheidung, die sympathische Slowakin zu betreuen, fiel spontan: „Auf dem Foto hat sie so schön gelacht“, erinnert sich die 24-Jährige.
"Rotkäppchen" verstehen sich auf Anhieb
Dieser erste Eindruck hat sich bestätigt. Obwohl die beiden aus völlig unterschiedlichen Studiengängen kommen – Pia studiert Deutsch als Fremdsprache und Erika Mathematik – sind sie sich ziemlich ähnlich. Das merkt man schon daran, wie oft beide zusammen lachen. Erika und Pia waren von Anfang an ein Herz und eine Seele. Fragt man sie über ihre gemeinsame Zeit, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. „Erika ist sehr offen und kommunikativ. Ich hätte es nicht besser treffen können“, schwärmt Pia. Was die beiden außerdem verbindet, verrät Erika: „Wir haben herausgefunden, dass unsere Großmütter uns den gleichen Kosenamen gegeben haben, nämlich Piroschka.“ Übersetzt heißt das so viel wie „Rotkäppchen“.
Vor ihrer Ankunft hatte Erika bereits in der Schule Deutsch gelernt, war aber ein bisschen aus der Übung. Alle Angst vor Verständigungsproblemen waren bereits am ersten Tag wie weggefegt: Als sie im April nach Deutschland kam, war sie überrascht, dass sie doch so viel verstehen konnte. Erikas Ziel war es immer, sagen zu können, was sie will. Und dass sie das auch so schnell wie möglich kann, war wiederum das erklärte Ziel von Pia. „Am Anfang wollte Erika lieber Englisch reden. Ich habe aber immer Deutsch mit ihr gesprochen, auch wenn sie etwas nicht verstanden hat“, erklärt Pia ihre Strategie. „Wenn ich Pia sehe, weiß ich sofort, dass ich jetzt Deutsch sprechen muss“, lacht Erika.
Konversationen effektiver als Sprachkurs
Wenn man die fröhlichen jungen Frauen erlebt, käme man nie auf die Idee, dass diese beiden sich jemals mit einem Buch in die Bibliothek verziehen würden, um stur und trocken Deutsch zu pauken. Dieser Eindruck trügt nicht, denn tatsächlich kam das Deutschtraining bei den beiden Studentinnen eher nebenbei. Erika und Pia trafen sich oft zum Bummeln, Kochen oder bereisten Deutschland. Im August eroberten sie zum Beispiel Norddeutschland – Pias Heimat. Erika findet die Gespräche und Aktivitäten mit Pia viel nützlicher, als den Deutschkurs, den sie besuhen muste. „Mit Pia rede ich sehr viel, aber da war ich die ganze Zeit still“, erklärt sie.
Die ersten Erfolge bemerkte Erika, als sie im Kino war: „Ich habe das erste Mal den kompletten Film verstanden und konnte an den witzigen Stellen mitlachen“, freut sie sich. Ihre deutschen Lieblingswörter klingen übrigens alle fast wie slowakische Schimpfwörter. Und so kommt es, dass ausgerechnet „Putzfrau“ und „Kurvenintegral“ auf Erikas Hitliste ganz oben stehen. Ein bisschen slowakisch hat sie Pia auch erfolgreich beigebracht. Nur dass die Deutsche jetzt eher auf slowakisch fluchen, als sich wirklich unterhalten kann.
Für den Master zurück nach Deutschland
Erika ist stolz, dass sie alle Kurse an der Uni bestanden hat, denn alle wurden auf Deutsch unterrichtet. Nach fünf Monaten in der Bundesrepublik musste sie im August erst mal zurück in die Slowakei, um ihren Bachelor zu beenden. „Ich habe in Deutschland eine ganz andere Welt kennen gelernt. Die jungen Leute hier sind viel aktiver und nicht so verschlossen wie zu Hause“, vergleicht sie. Darum steht für sie jetzt schon fest: „Ich will in Deutschland meinen Master machen.“ Bis dahin muss sie aber nicht ganz auf Deutschland verzichten, denn ihren Besuch in der Slowakei plant Pia bereits.



















