Folge 2: Pia und Erika aus Bielefeld
Die Wissenschaft sagt, dass Menschen innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob ihnen jemand sympathisch ist oder nicht. Ein kurzer Moment war auch für Pia ausreichend, um Erikas Foto anzusehen und zu wissen, dass sie sich gut verstehen würden.
Erika und Pia an der Alster, Bild: privat
"Rotkäppchen" verstehen sich auf Anhieb
Dieser erste Eindruck hat sich bestätigt. Obwohl die beiden aus völlig unterschiedlichen Studiengängen kommen – Pia studiert Deutsch als Fremdsprache und Erika Mathematik – sind sie sich ziemlich ähnlich. Das merkt man schon daran, wie oft beide zusammen lachen. Erika und Pia waren von Anfang an ein Herz und eine Seele. Fragt man sie über ihre gemeinsame Zeit, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. „Erika ist sehr offen und kommunikativ. Ich hätte es nicht besser treffen können“, schwärmt Pia. Was die beiden außerdem verbindet, verrät Erika: „Wir haben herausgefunden, dass unsere Großmütter uns den gleichen Kosenamen gegeben haben, nämlich Piroschka.“ Übersetzt heißt das so viel wie „Rotkäppchen“.
Vor ihrer Ankunft hatte Erika bereits in der Schule Deutsch gelernt, war aber ein bisschen aus der Übung. Alle Angst vor Verständigungsproblemen war bereits am ersten Tag wie weggefegt: Als sie im April nach Deutschland kam, war sie überrascht, dass sie doch so viel verstehen konnte. Erikas Ziel war es immer, ausdrücken zu können, was sie will. Und dass sie das auch so schnell wie möglich schafft, war wiederum das erklärte Ziel von Pia. „Am Anfang wollte Erika lieber Englisch reden. Ich habe aber immer Deutsch mit ihr gesprochen, auch wenn sie etwas nicht verstanden hat“, erklärt Pia ihre Strategie. „Wenn ich Pia sehe, weiß ich sofort, dass ich jetzt Deutsch sprechen muss“, lacht Erika.
Konversationen effektiver als Sprachkurs
Erika und Pia in München, Bild: privat
Die ersten Erfolge bemerkte Erika, als sie im Kino war: „Ich habe das erste Mal den kompletten Film verstanden und konnte an den witzigen Stellen mitlachen“, freut sie sich. Ihre deutschen Lieblingswörter klingen übrigens alle fast wie slowakische Schimpfwörter. Und so kommt es, dass ausgerechnet „Putzfrau“ und „Kurvenintegral“ auf Erikas Hitliste ganz oben stehen. Ein bisschen slowakisch hat sie Pia auch erfolgreich beigebracht. Nur dass die Deutsche jetzt eher auf slowakisch fluchen, als sich wirklich unterhalten kann.
Für den Master zurück nach Deutschland
Erika ist stolz, dass sie alle Kurse an der Uni bestanden hat, denn alle wurden auf Deutsch unterrichtet. Nach fünf Monaten in der Bundesrepublik musste sie im August erst mal zurück in die Slowakei, um ihren Bachelor zu beenden. „Ich habe in Deutschland eine ganz andere Welt kennen gelernt. Die jungen Leute hier sind viel aktiver und nicht so verschlossen wie zu Hause“, vergleicht sie. Darum steht für sie jetzt schon fest: „Ich will in Deutschland meinen Master machen.“ Bis dahin muss sie aber nicht ganz auf Deutschland verzichten, denn ihren Besuch in der Slowakei plant Pia bereits.


















