Weihnachtsmarkt, Wiener Schnitzel und weiße Weihnacht
Möhren knabbernde Amerikaner, chinesische Kneipentraditionen und eine Brasilianerin, die zum ersten Mal den Heiligen Abend nicht am Strand verbringt. Zwischen Sauerkraut und Schwippbögen erleben diese neun internationalen Studierenden zum ersten Mal die Vorweihnachtszeit in Deutschland. Study-in.de haben sie verraten, wie sie die Feiertage verbringen.
von Maria Horschig und Fabian Köhler
Gerhard aus Südafrika mag Räuchermännchen
Gerhard aus Südafrika, Bild: Maria HorschigRäuchermännchen und Pyramiden haben es dem Südafrikaner Gerhard angetan. Dieses Jahr hat er das erste Mal einen Weihnachtsmarkt besucht und war sofort begeistert. "Wenn ich genügend Geld hätte, würde ich meine gesamte Familie nach Deutschland fliegen lassen. Es wäre so schön, wenn sie diese Stimmung auch erleben könnten", schwärmt der 20-jährige Medienstudent mit leuchtenden Augen. Am 24. Dezember wird er mit deutschen Freunden eine Party feiern. Daheim in Südafrika, wo Weihnachten "Kersfees" heißt, gibt es am 25. Dezember ein großes Essen. "Wir decken den Tisch festlich und es gibt verschiedenes Fleisch und viele Salate."
Olga aus der Ukraine liebt Adventskalender
Olga aus der Ukraine, Bild: Maria Horschig"Ich habe dieses Jahr den ersten Adventskalender in meinem Leben", freut sich Olga. Die 20-jährige Ukrainerin liebt diese Tradition in Deutschland, bei der täglich ein Türchen geöffnet wird, hinter dem sich zumeist Süßigkeiten verbergen. "Risdvo", heißt Weihnachten in der Ukraine, wo das Fest aufgrund der russisch-orthodoxen Religion erst am 7. Januar gefeiert wird. Viel wichtiger als Weihnachten selbst, ist der Wirtschaftsstudentin der Abend des 23., an dem es ein ukrainischer Brauch ist, zwölf verschiedene Speisen zu kochen. "In meiner Familie kochen wir aber nicht so viel", verrät Olga.
Vincent aus der Mongolei geht in die Kneipe
Weihnachten, das es bedeutet für den 24-jährigen Vincent aus der Inneren Mongolei vor allem Eines: Westlicher Kommerz. "Klar gibt es bei uns auch Weinachtsbäume aber die sind vor allem für die westlichen Touristen.", sagt er. Zum Weihnachtsabend geht er meisten mit seinen Freunden in die Kneipe - egal ob in Deutschland oder China. Richtig gefeiert wird stattdessen mit Feuerwerk und Drachentänzen zum chinesischen Neujahrsfest. Aber manchmal wird auch Vincent besinnlich, so wie an diesem Abend, wo auf einer Jenaer Weihnachtsparty seine deutschen Gäste mit Gesang aus seiner Heimat begeistert.
Santiago aus Chile wünscht sich Schnee
Bei 25 Grad feiert Santiago normalerweise das Weihnachtsfest. Weiße Weihnachten hat er noch nie gesehen. "Ich wäre überglücklich, ein bisschen Schnee zu sehen", hofft der der 22-Jährige Student aus Chile. Er findet es schade, dass sein Heimatland keine eigene Weihnachtskultur hat: "Wir haben viele Traditionen aus anderen Ländern", erklärt er. Am 24. Dezember wird er mit Freunden verreisen. "Auf der einen Seite bin ich so glücklich, dass ich in Europa bin und all diese Orte und ihre Kultur kennenlerne. Aber ich bin auch traurig, dass meine Familie das nicht erleben kann."
Daria aus Russland findet Weihnachten unwichtig
Daria aus Russland, Bild: Maria HorschigFür die 19-jährige Daria ist das Neujahrsfest wichtiger als Weihnachten. "Der 7. Januar ist bei uns der Familientag" erklärt die Medienstudentin. Für den 24. Dezember hat sie hingegen noch nichts geplant. "Mir scheint, man muss in Deutschland unbedingt an Weihnachten zu Hause sein", vermutet sie. Am schönsten findet sie in Deutschland die vielen Schwibbögen. "Schon als Kind wollte ich unbedingt deutsche Weihnachten erleben. Es sieht alles so gemütlich aus."
Roman aus Moldawien kennt Weihnachten nur an Silvester
Roman aus Moldawien, Bild: Fabian KöhlerIn einer Ecke des Wohnzimmers steht der Weihnachtsbaum, es gibt Pute mit verschiedenen Salaten während die Kinder ungeduldig auf die Geschenke der angereisten Verwandten warten. Es scheint keinen großen Unterschied zwischen Weihnachten in Deutschland und Moldawien zu geben. Bis auf einen entscheidenden: "Unser Weihnachten heißt Silvester" erzählt der 23-jährige Moldawier Roman. Unter dem staatlich verordneten Atheismus der KPdSU Partei wurde das christliche Fest bedeutungslos und so funktionierte man kurzerhand die Jahreswende zum Ersatzweihnachten um. In Deutschland feiert er hingegen ganz klassisch mit Freunden und liest bei der Weihnachtsfeier der Uni Jena den deutschen Gästen russische Weihnachtsmärchen vor.
Pal aus Ungarn feiert mit Wiener Schnitzel
Pal aus Ungarn, Bild: Fabian KöhlerFast 90 Jahre ist es her, dass man das Bündnis mit Österreich verließ, doch einige Traditionen haben die Ungarn trotzdem beibehalten. "Wiener Schnitzel natürlich" entgegnet der 22-jährige Pal, auf die Frage, was seine Familie zum Weihnachtsabend esse. Überhaupt steht Traditionsbewusstsein hoch im Kurs: So gibt es neben Krippenspielen und Messen auch das so genannte "Bethlehemspiel", bei dem Kinder als Heilige drei Könige verkleidet und singend von Tür zu Tür ziehen und Süßigkeiten einsammeln. Den Weihnachtsabend wird Pal bei seiner Familie in Ungarn verbringen, aber davor gibt es ja noch jede Menge Weihnachtspartys in Deutschland, auf die er sich freut.
Kelli aus den USA knabbert Möhren
Kelli aus den USA, Bild: Fabian KöhlerRentierschlitten auf dem Dach und eine mit Neonlichtern verzierte Krippe im Vorgarten. Das Klischeebild einer amerikanischen Weinachtsdeko existiert - "aber nicht bei mir zu Hause", betont die Kalifornierin Kelli. um Santa Claus gnädig zu stimmen, legen die Kinder stattdessen Möhren für die Rentiere vor den Kamin und stellen ein Glas Milch für Santa Claus dazu. Am 25. Dezember freut sie sich dann gemeinsam mit ihrer Familie auf ihre 22. Wiederholung von Bob Clarks 'A Christmas Story' im Anschluss an das obligatorische Resteessen.
Alan aus Brasilien feiert in Frankreich
Alan aus Brasilien, Bild: Maria Horschig"In Brasilien ist es Tradition, Weihnachten im Haus der Großeltern zu feiern", erklärt Alan. Der 23-jährige Brasilianer studiert Maschinenbau an der Hochschule Mittweida. "Wir hören jedes Jahr die gleichen Lieder, wie 'Então é Natal'. Ich würde gern das deutsche Weihnachten kennenlernen", sagt er. Trotzdem verbringt er das Weihnachtsfest lieber mit Freunden in Frankreich, denn "ich fühle mich ein bisschen mehr zu Hause, wenn ich mit Brasilianern feiere."
Study-in.de und der DAAD wünschen dir FROHE WEIHNACHTEN!