Folge 1: Sandra und Denise aus Leipzig
Für die Kolumbianerin Sandra ist Deutsch eine ganz schöne Herausforderung. Aber mit ihrer Tandempartnerin Denise machen ihre Sprachkenntnisse seit letztem Sommer große Fortschritte. Nicht nur beim Sprachen lernen helfen sie sich.
Denise hatte schon viele Tandempartner, aber Sandra ist die erste, mit der die Deutsche auf einer Wellenlänge schwimmt. Kennengelernt haben sie sich die 31-jährige Kolumbianerin und die 27-jährige Diplomübersetzerin über die Tandemdatenbank der Universität Leipzig. Seit einem Jahr sind die beiden beste Freundinnen.
Erfahrungen mit früheren Tandems
„Denise ist für mich nicht nur ein Tandem. Wir führen immer sehr lange Gespräche, ich dachte die kann ich nur mit meiner Freundin aus Kolumbien haben“, freut sich Sandra. Als sie im Sommer 2008 nach Deutschland kam, hatte sie befürchtet „dass es schwer werden wird, hier neue Leute kennen zu lernen und mich an die neuen Lebensgewohnheiten zu gewöhnen“, erinnert sich die Kolumbianerin, die hier einen Master in Jura machen will. All diese Sorgen waren glücklicherweise schnell vergessen. Es dauert nicht lange, bis sie bereits Denise kennenlernt. Als Diplomübersetzerin für Französisch und Spanisch trifft sie sich regelmäßig mit Muttersprachlerin, um ihren Wortschatz zu trainieren.
Seit mittlerweile zehn Jahren macht sie Sprachtandems. Ihre Anekdoten aus dieser Zeit sind so witzig wie haarsträubend: „Manche Männer suchen über das Tandem eine Freundin. Wenn ich ihnen dann klar mache, dass ich wirklich nur die Sprache sprechen möchte, brechen sie den Kontakt irgendwann ab.“ Es kam auch schon vor, dass Leute sie bei einem Treffen versetzt oder sich nicht mehr gemeldet haben. Deshalb ist Denise umso glücklicher mit Sandra eine so tolle Tandempartnerin gefunden zu haben. Dass sich die beiden so gut verstehen, kommt nicht von ungefähr. „Wir haben den gleichen Humor“, erklärt Denise. Im Lauf der Jahre hat sie durch ihre vielen Sprachtandems gelernt, dass das Verhalten eines Menschen nicht nur von der Mentalität des Heimatlandes abhängt, sondern man auch immer den individuellen Charakter dahinter kennenlernen muss. „Man muss ein offener Typ sein und sich immer wieder darauf einlassen“, ist sich Denise sicher.
Hilfe im deutschen Behördendschungel
Das Prinzip eines Tandems – das Geben und Nehmen von Kenntnissen – haben Denise und Sandra im Laufe der Zeit auch auf andere Bereiche übertragen. „Sandra kocht sehr gut und hat mich schon zu leckerem typisch kolumbianischen Essen eingeladen“, schwärmt Denise, die am Herd nach eigener Einschätzung ziemlich untalentiert ist. Dafür revanchiert sie sich mit Tipps im Umgang mit der deutschen Bürokratie. Diese Ratschläge kann Sandra gut gebrauchen als Neuling im deutschen Behördendschungel. „Denise hilft mir immer bei Problemen, zum Beispiel mit der Miete“, ist sie froh.
Die Kolumbianerin lebt gern in Deutschland: „Ich mag die deutsche Kultur und Literatur“, sagt sie mit einem unverkennbar spanischen Akzent und verrät, dass ihre Lieblingsbücher die Märchen der Gebrüder Grimm sind. Aber auch Goethe und Nietzsche hat sie in ihrer Heimat schon gelesen. Für Deutschland entschied sich Sandra ganz bewusst: „Ich wollte eine neue Kultur kennen lernen“, erinnert sie sich. Die Entscheidung zwischen Spanien und Deutschland als mögliche Zielländer fiel da nicht schwer. Ihre Wahl hat Sandra nicht bereut – im Gegenteil: Sie liebt das deutsche Essen und schwärmt von Schnitzel, Glühwein und Bratwurst, die jetzt auf ihrer Hitliste ganz oben stehen.
Sandra liebt Sprache und Kultur
Obwohl die beiden mehr spanisch sprechen, kommt auch Deutsch nicht zu kurz. „Sandra fragt mich immer über die deutsche Grammatik aus“, lacht Denise. Über viele dieser Fragen müsse sie selbst als Muttersprachlerin erst nachdenken. Aber auch das hat seine gute Seite: Ihre Wahrnehmung für die deutsche Sprache hat sich mittlerweile verändert, denn jetzt reflektiert die Leipzigerin viel öfter. Bewundernd stellt sie immer wieder fest, wie gut Sandra Deutsch lernt und vor allem mit dem sächsischen Dialekt klar kommt: „Wenn wir in einem Café sitzen und der Kellner ziemlich nuschelt, versteht sie es trotzdem.“ Sandra will nächstes Jahr den Test DaF absolvieren und nimmt die Herausforderungen der deutschen Sprache gelassen. „Vielleicht bin ich ein Masochist, dass ich diese Sprache liebe“, lacht sie und fügt hinzu: „Deutsch ist sehr kompliziert, aber ich möchte es noch besser lernen.“



















